Ein Dichter dichtet vieles. André Schinkel.
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Ein “Zufall” wollte es, daß ich einer Lesung beiwohnte vergangene Woche. Und daß sich ein Satz eines Gedichtes gleich so tief in mein Hirn bohrte, daß ich ihn – fehlerfrei! – notieren konnte und noch jetzt aufsagen kann:
«wir sprechen schon vom blick genesen – jedoch in der vergangenheit»
Mittlerweile habe ich mir deshalb Bücher aus der Bibliothek geholt. Obwohl er jetzt hier in Halle lebt und arbeitet (welch eine Kombination: Germanist und Archäologe!), findet sich nicht alles Werk von André Schinkel in den Regalen. Weitere Informationen fischte ich mir deshalb aus dem Internet.
Seit ich zum Beispiel sein Interview im Deutschlandradio Kultur las, macht mir meine Anmerkung über seine Stimme zum Beispiel viel weniger Zahnschmerzen als bisher. Und in dort lese ich auch etwas, das ich selbst schon feststellen konnte, daß nämlich Gedichte über das Glück eher selten sind:
«Aber das Glück ist eigentlich keine Sache, die im Gedicht verhandelt werden muss. Wenn man glücklich ist, soll man Biertrinken gehen oder sich mit Freunden treffen.»
Deshalb also gibt es so viele Gedichte über traurige Gefühle?! Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.
Falls jemand einen ersten Zugang zu André Schinkels Arbeiten finden möchte, so empfehle ich sein Buch “Löwenpanneau”.
Kurkonzert
Die Sopranistinnen schlecht.
Der Spinetteur eine Lusche.
Indes der Chor der Hustenden
Laut und übergewaltig.
Und der Andrang an der
Garderobe –: ein Gedicht. –
André Schinkel: Löwenpanneau. Neue Gedichte. S. 73
© Mitteldeutscher Verlag GmbH, Halle (Saale) 2007.
ISBN 978-3-89812-507-9
Nicht jeder, daß weiß ich, mag Gedichte. Selbst unter denen, die lyrikbegeistert oder -affin sind, sind die Vorlieben ganz unterscheidlich. Mir gefällt auch nicht jedes Gedicht von André Schinkel. Aber ich finde einige Perlen in seinem Œuvre.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 24. Juli 2012 waren die SHG und die (fast geschaffte) Radioarbeit.
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In der Regel sind Gedichte nicht so meins… aber das Kurkonzert, JA, das gefällt.
LG, Petra
Ich finde es einfach wunderbar skurril und wahr.
ich mag solche Sache gern…muß doch mal die Augen nach ihm aufhalten nun da Du ihn vorgestellt hast.
Überraschend solch neue „Perlen“ finden, kann erheblich zu einem Glückszustand beitragen….
Gruß von Sonja
meine lektorin meinte im ersten Gespräch: nichts ist schwieriger, als über das Glück und die Schönheit zu schreiben, ohne dass es nicht langweilig wird…
darum wohl Bier trinken und sich mit Freunden treffen 😉
herzliche Grüße
Zumindest wird es sehr schnell kitschig … Bei mir leider meistens.
ja, das ist eine Falle, die ich auch gut kenne, leider… hach, wir wären vielleicht gut in der Zeit der Romantik aufgehoben gewesen 😉
Doch, ich mag Gedichte, und ich habe auch nicht nur Traurige gelesen. Warum allerdings zur Melancholie Neigende, ihre Gefühle in Gedichten ausdrücken, weiß ich nicht. Vielleicht ist diese Form nicht so offensichtlich. Man nimmt als Leser die Traurigkeit hin, ohne nachzufragen, schließlich hatten große Dichter auch Phasen. So ging es mir lange Zeit mit einer nahen Verwandten. Ich habe ein Weilchen gebraucht, um das wirklich zu begreifen, was ich da las. Vor einiger Zeit habe ich sie angesprochen, ob ich diese Gedichte noch mal lesen kann. Nein, sie seien zu traurig, meinte sie, und sie wolle mir es nicht antun, dass es mich herunterzieht. Ich denke, ich hätte das schon überlebt, aber vielleicht wollte sie mir diese ganz intimen Eindrücke in eine schwere Zeit einfach ersparen. Sie weiß, dass ich damals unglaublich mitgelitten habe.
Ach, ich würde das Glück schon gern in Gedichten behandelt wissen.
Einen Gruß von nebenan
Ich (!) finde, daß mich die Trauer in einem Gedicht nicht so mitnimmt wie die in einem Prosatext.
Glücksgedichte? Gut, jetzt habe ich einen neuen Plan.
Siehst Du! So geht’s mir auch.
🙂
Einen schönen Tag dir.
Liebe Grüße
Dina
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