Reisephilosophie (#160)

Ziel oder nicht

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Ein fiktiver Dialog mit mir selbst.

“Heute ist der Tag davor.” “Vor was?” “Vor der Reise.” “Der Reise? Wohin?” “Das weiß ich noch nicht. Aber wenn ich am Ziel bin, werde ich es erkennen.”

“Das geht doch nicht!? Wenn Du das Ziel nicht kennst, weißt Du doch nicht, daß Du es erreicht hast? Außerdem kannst Du ja nicht ohne Ziel verreisen!” “Doch. Ich will und ich kann.”

“Was, wenn Du das Ziel zu viel zu früh errreicht zu haben glaubst? Oder: Wenn Du es erreichst, aber nicht bemerkst – und viel weiter als bis zum Ziel reist?” “Ich werde es bemerken. Wenn ich am Ziel bin, werde ich das bemerken.”

“Mir wäre das viel zu ungewiß.” “Aber mir nicht. Ich bin mir sehr sicher.”

“Und das reicht?” “Mir ja.”

“Na dann …”

“Leb wohl!”
 
 

 

Manchmal helfen Selbstsicherheit und Mut weiter.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 7. Juni 2012 war das gute Gefühl, alles geschafft zu haben.

© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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160 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 219 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Reisephilosophie (#160)

  1. Stefan sagt:

    Das ist ein super Ansatz, Du sprichst mir aus dem Herzen. Als ich vor neun Jahren mit meinen 46 Lenzen mich aufs Fahrrad gesetzt habe, alle Zelte hinter mir abgebrochen hatte, den ewigen Tretmühlen entfliehend, war ich auf der Suche nach einem Gefühl. Wie fühlt es sich an, unabhängig zu sein, ein Leben zu führen das auf das Notwendigste reduziert ist. Ich wollte wissen, ob ich aus dem, was mir begegnet, was mir die Existenz zu schenken vermag, positive Gefühle generieren kann. Es ist mir in einem Übermaß gelungen. Als ich nach einem halben Jahr wieder zu hause ankam, nach 6000 Km Leben, hatte ich kein Ziel gefunden – Kunststück, ich hatte ja auch keines gesucht – war ich mir ein ganzes Stück näher gekommen. Heute stelle ich dieses gesellschaftlich hochgelobte zielführende Streben sehr infrage. Dient es doch hauptsächlich dazu, die Menschen unter Spannung zu halten, sie sollen nicht merken, dass alles was ihnen wichtig erscheint keinen besonderen Wert hat. Und das muss auch so sein, hätte es nämlich einen Wert, würde niemand mehr nach einem erreichten Ziel ein neues anstreben, er wäre für die grauen Herren als willfähriger Geldbeschaffer verloren gegangen.
    Ich lese regelmäßig Deinen Blog, ich mag Deine Aufmerksamkeit, Deinen Blick auf die kleinen Dinge und Begebenhaiten. Ich denke, es liegt genau dort – im Mikrokosmos – was wir so dringend benötigen. Deswegen ist es auch nicht wichtig wie weit eine Reise ist.
    Ich wünsche Dir eine schöne erkenntnisreiche Reise und freue mich auf Deine Berichte.

    • der_emil sagt:

      *hüstel* Ähm … Ja.

      Ich gehe nicht auf eine Reise, höchstens metaphorisch. Für eine Aktion wie Deine oder wie die von Irgendlink fehlen mir der Mut und die finanzielle Sicherheit. Ich hab schonmal ohne Geld gelebt, mehrere Monate, weiß also, wie das ist: Deshalb möchte ich finanzielle Sicherheit.

      Aber wenn ich meine Reise einfach nur als Metapher ansehe für einen Abschnitt meines Lebens: Dann beginne ich ab und zu mit einer solchen.

  2. Michelle sagt:

    Lieber Emil,
    „un vrai voyageur ne sait jamais ou il va“, „ein wahrer Reisender weiss niemals wohin er geht“
    besagt ein arabisches Sprichwort. Die Araber wissen worum es geht…

    • der_emil sagt:

      Schön, mal wieder was von Dir zu lesen!

      Es stimmt, was die Araber sagen – und viele andere sagen das auch … wenn nur die Ungewißheit mich nicht so oft von so vielen Dingen abhalten würde!

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