Huch? Krise? (#113)

Frühjahrsputz

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Gestern holte ich mir schnell noch Milch, die ich für drei weitere Tage Ernährung mit Kartoffelbrei brauche. Und unterwegs traf ich einen Vogel.

Zu nah an der Elster

Zu nah an der Elster. Sicher krank oder verletzt.

Die Elster saß einfach da, schaute kurz auf, als ich die 2m-Grenze unterschritt. Dann schob sie den Kopf wieder unter ihren Flügel. Zerzaust sah sie aus. Und erschöpft. Müde. Als ob sie keine Lust mehr zum Leben hätte.

Aus etwa 20 cm Abstand aufgenommen

Eindeutig zu nah. Sicher krank oder verletzt.

Irgendwie geht es mir mit meinem Blog so. Seit Donnerstag fehlt mir einmal mehr der Elan, die Lust zum Schreiben, die Lust am Fabulieren. Hm. Und ich habe keine Ahnung, was dagegen helfen kann. Was mir wieder Lust macht. Mir andere Ideen bringt. Das eine Thema, das mir zur Zeit durch den Kopf spukt, kann ich hier nicht verarbeiten. Unzufrieden bin ich also mit mir und meiner Schreiberei. Warum? Zu hoher Anspruch? Vielleicht. Sicher. Oder habe ich nur zuviel um die Ohren? Erlebe ich zuwenig?

Ich habe das Buch (Peter Handke: Wunschloses Unglück) ausgelesen. Habe mich ein Stück weit erkannt. Habe nocheinmal alle die Blogs gelesen, in denen von schweren Schicksalsschlägen zu lesen war. Habe mich mit Trauer überschüttet. Aus vollen Kübeln. Habe mich hineinversetzt in die Trauernden, in mich vor siebzehn Jahren. Erschüttert, wiedereinmal. Niedergeschlagen. Nicht-wahrhaben-wollen.

So kann es nicht bleiben. Und so kann es nicht weitergehen.

Heute, also am Sonntag, werde ich unterwegs sein und nach Inspiration suchen. Wahrscheinlich bin ich heute auch von den Nachwehen des Freitags frei. Da war ich nämlich, trotz meiner Angst, beim Zahnarzt. Was soll ich sagen: es wurde ziemlich viel gemacht – ohne Vollnarkose. Aber ich erinnere mich kaum daran, nur der dumpfe Druck im Oberkiefer und die Unmöglichkeit des Kauens sind geblieben. Und ein weiterer Termin.

Durch die Stadt laß ich mich kutschieren von der Straßenbahn. Ich werde die Menschen beobachten, belauschen. Mir Notizen machen. Meine Kamera werde ich zücken, wenn ich abbildenswerte Motive finde. Vom Wind mir den Kopf freipusten lassen (hoffentlich weht welcher). Ich weiß nicht, was geschehen ist – ich weiß nur, es muß sich wieder etwas ändern.

Auf zu neuen Ufern. Allerdings nicht so radikal. (Wieder) Mehr Phantasie wagen und haben. Mich vom Alltag nicht wieder plattmachen lassen. Kopf hoch, Arsch hoch, Augen und Ohren auf. Die angefangenen Geschichten hervorkramen und sehen, was draus werden kann. Achtsamer, weniger zerfasert sein. Mitfühlen, nicht unbedingt mitleiden. Ich. Meins.

Frühjahrsputz im Schreiborgan, sozusagen …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. April 2012 war die halbwegs feste Nahrung. Außerdem bin ich mir über etwas klargeworden.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Huch? Krise? (#113)

  1. Elvira sagt:

    Eine müde Elster um diese Jahreszeit ist schon ungewöhnlich! Vielleicht hatte sie eine unangenehme Begegnung mit einem Artgenossen? Revierkampf? Streit ums Weibchen?
    Übrigens ist Dein (fast) letzter Ausspruch sehr bemerkenswert! Ich habe mal irgendwo gelesen: Mitfühlen, nicht Mitleiden macht den Freund! Vermutlich ist das eine Abwandlung von Nietzsches Zitat: Mitfreude, nicht Mitleid macht den Freund. Mir gefällt das Mitgefühl aber eindeutig besser. Denn Mitgefühl entspringt ganz tief aus unserem inneren.

    • der_emil sagt:

      Revierstreit, Auto, der Milan – zerzaust, wie sie war …

      Heute würde ich übrigens schreiben: Mitfühlen, nicht nur Mitleiden. Irgendwie vergaß/vergeß ich nämlich oft, daß es mehr als Leid gibt …

  2. anniefee sagt:

    das ging mir vor einer Woche circa so. Aber eine Beobachtungs- und Mitfühloffensive sollte wahrlich Schreibfrühling bringen. Schön, dass du dir die Freiheit nimmst, da zwanglos ranzugehen.

  3. kreadiv sagt:

    Keine Lust zum Schreiben? Ist doch eigentlich nicht schlimm, oder? Man kann ja nicht immer etwas parat haben.
    Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag
    lg Andrea

  4. Follygirl sagt:

    Ich laß Dir mal nur einen lieben SonntagGruß da!!!
    (weil ich zuviel schreiben müßte/könnte… weiß ich nicht was ich Dir schreiben soll)
    Petra

  5. wildgans sagt:

    So ein Außentag ist gut fürs Innen!
    Gruß von Sonja

  6. Frau Momo sagt:

    Achtsamer, das nehme ich mir auch bald täglich auf´s neue vor und merke, wie schwer mir das fällt im alltäglichen Wahnsinn und dem, was mich da manchmal schier auffrisst.

  7. nextkabinett sagt:

    Mehreres wäre zu sagen: Erstens, es ist völlig normal, dass Du auch mal wieder deprimierende Phasen hast. Es kommt halt bloß darauf an, wie Du damit umgehst und wieder raus kommst. Es ist jetzt ein gutes Vierteljahr nach Deinem Kliniksaufenthalt, da solltest Du Dich nicht zu sehr mit diesem ‚muss‘ unter Druck setzen.
    Zweitens, es kommt darauf an, wie Du diese deprimierenden Phasen in Deinen Alltag integrierst. Am besten, einfach mit gedrosseltem Tempo weitermachen.
    Drittens, habe ich momentan auch ein Kreativitätstief. Ich weiß momentan auch nicht, was ich täglich schreiben soll. Da ist es wirklich am Besten, einfach die angefangenen bzw. geplanten Ideen abzuarbeiten. Das halte ich auch bei Dir für die beste Strategie.
    Viertens, was ist denn nun mit der Elster? Vielleicht hätte man sie in eine Kiste packen sollen und zum Tierarzt fahren oder mal einen halben Tag in der warmen Wohnung aufpäppeln?
    In diesem Sinne wünsche ich Dir einen schönen Sonntag. Bestimmt kriegst Du den Kopf wieder freier. Bahn fahren ist dafür wirklich ein gutes Mittel.

    LG, Renate

    • der_emil sagt:

      (Noch schnell ehe ich zum Bus sprinte.)

      Die Elster war anderthalb Stunden später weg. Von Katz oder Fuchs geholt? Ich weiß es nicht. Ich bin auch eher Keiner, der Wildtiere sofort zum Tierarzt bringt.

      Danke für eins, zwei und drei.

  8. Gudrun sagt:

    Lieber Emil,
    aus dem Zusammenleben mit einer ganz nahen Verwandten ahne ich, wie du dich fühlst. Ich sage extra ahne, denn wissen kann ich es nicht und viel darüber schreiben würde ich eher in einer Mail. Diese Phasen wird es wahrscheinlich immer geben, mehr oder minder stark. Von der Verwandten weiß ich, dass man mit ihnen leben kann. Man kann sie akzeptieren und einbauen ins Leben, so wie es Nextkabinett geschrieben hat.
    Nur unter Druck setzen, das solltest du dich nicht lassen. Warum auch? Ständig zu 100% unter Volldampf ist die stärkste Lokomotive nicht. Vielleicht hätte ich dich gestern mitnehmen sollen in den Leipziger Auwald. Außer Bärlauch, Ruhe, Sonne auf den Bauch gab es dort nichts. Es war gut so.

    Gruß von der Gudrun

    • der_emil sagt:

      Ach Gudrun, ich wär gern mitgegangen, nur die Sonne hätt mich vielleicht gestört …

      Und den Druck mach ich ja selbt zu einem Gutteil.

      • Gudrun sagt:

        Da werden wir uns eben etwas einfallen lassen, wegen der Sonne. 😀
        Ich weiß, dass du den Druck selber machst. Und nur zu sagen: Mach das nicht!, wäre zu einfach.

  9. M. sagt:

    Ach Emil, schreibmüde sind wir doch alle einmal. Und mit einem Mal macht es PLING und schon hast du wieder Lust und Laune zum Bloggen. Und ganz sicher macht es auch bei dir wieder PLING!

    Bis dahin liebe Grüße von Mandy

  10. Gabi sagt:

    Ich denke, zur Zeit weiß ich, wie Du Dich da gefühlt hast.
    LG Gabi

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