Ein Lesefehler
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Zuerst las ich die Überschrift: «Furchtbare Spannung». Weil ich an diesem Tag, an dem ich den Text las, in der Ungewißheit gefangen war. Die Spannung zwischen “Abwarten” und “Tu was” war kaum noch auszuhalten. Ich las nocheinmal. Und dann …
«Fruchtbare Spannung» steht da. Nur zur fruchtbaren, nicht aber zur furchtbaren Spannung paßt nämlich auch, was da geschrieben steht.
Fruchtbare Spannung
Wer kennt nicht die Zerrissenheit in seiner eigenen Seele? Was zerreißt dich? Was sind die verschiedenen Pole in dir? Wie bringst du die Gegensätze zusammen: Liebe und Härte, Achten auf eigene Gefühle und Mißachtung des Leibes, Trauer und Freude, Vertrauen und Angst, Einsamkeit und Gemeinschaft?
Die Spannung zwischen den verschiedenen Polen kann einen Menschen zerreißen. Sie kann aber auch strömendes Leben erzeugen. Ohne Spannung gibt es kein Leben.
Laß die Spannung deines Herzens fruchtbar werden. Aber sei auch sensibel dafür, wo du die Spannung nicht mehr aushalten kannst, wo sie zu groß für dich wird. Suche die Spannung, die das Leben und die Liebe in dir strömen läßt, damit von dir Leben ausgeht für die Menschen deiner Umgebung.
Anselm Grün: Buch der Lebenskunst; S. 180
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 2002. ISBN 3-451-27997-3
Dr. theol. Anselm Grün OSB ist Benediktinerpater, Autor, Referent zu spirituellen Themen, geistlicher Berater und Kursleiter für Kontemplation, Meditation, geistliches Leben usw. Seit 1977 ist er Cellerar der Abtei Münsterschwarzach.
(Aufgrund seiner Kürze darf ich in Übereinstimmung mit den Zitationsparagraphen des UrHG den Text hier im Ganzen zitieren.)
Was mich zerreißt, schrieb ich ja schon. Ungewißheit. Angst und Vertrauen sind die großen Pole, die ich nur schwer zusammenbringe. Eigene Gefühle – es gab Zeiten, in denen wußte ich nichtmal mehr, daß ich eigene Gefühle habe. Und in denen wurde ich einsam.
So ganz zerrissen (seltsame Kombination) bin ich nicht mehr. Aber der Riß in mir wird bleiben, zumindest als Narbe, mein Leben lang.
Genug der trüben Erinnerungen. Ich suche lieber nach der Spannung, die das Leben und die Liebe in mir fließen läßt. Nur Entspannung wird auch mir irgendwann zu langweilig.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 9. April 2012 war Kaffe am Bett und Frühstück zu zweit.
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Hallo Emil. Ostern gut überstanden? Ja! Manchmal zerreißt einen die Spannung des Alltages permanent, mal ist es unerträglich öde… Im letzteren Fall kann man etwas für geistige Zerstreuung tun, im ersteren Fall leider schwieriger… Sport und schlafen vielleicht… Oder einen Menschen an der Seite, den man liebt und vertraut… Ich wünsche einen angenehmen Tag!
Ein wirklich schöner Artikel. Irgendwie hat er mich gerade total berührt und hinterlässt, zusammen mit der Musik, die ich gerade höre, ein nachdenklich-angenehmes Grundgefühl, das ich jetzt mit ins Bett nehme, um noch ein wenig drüber nachzusinnen, bevor ich schlafen geh. Danke fürs Teilen der Textstelle von A. Grün. Gute Nacht! 😉