Nachts allein durch Halle (Saale)
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Wochentags ist es recht still. Spätestens ab 23 Uhr sind die Jugendlichen nur noch selten unterwegs. Und auch die stadtbekannten Krawallmacher sind nicht mehr anzutreffen.
Die Pfandpiraten durchsuchen die Papierkörbe. Ihre Ausbeute ist mager geworden in den letzten Jahren. Kaum lohnt es sich noch.
Ich laufe ein Stück durch die Stadt, auf den beiden Kneipenmeilen ist noch Betrieb. Seltsame Geräusche in einer fast schon schlafenden Stadt. Der Lärm ihrer Bewohner und Besucher, die sich, um der Einsamkeit des heimischen Bettes zu entgehen, in den Kneipen versammeln und besaufen.
Dann bin ich in einem Wohngebiet in der Altstadt. Hinter den meist verdunkelten Fenstern flimmern Fernsehgeräte. Manchmal höre ich Stimmen und Lachen aus einem geöffneten Fenster. Ein Geruch, ein Duft von frischen Bratkartoffeln streift mich.
Später gehe ich durch die Häuserschluchten von Haneu. Hier sitzen sie noch, die Zukunftslosen, Angetrunkenen, und belöffeln sich. In der Spielothek dudeln die Automaten ihr nervendes Gepiepse zur Tür hinaus.
Manchmal rauscht auf der Magistrale eine Straßenbahn vorbei. Fast leer, weiß ich. Meist brennt nur jede zweite Straßenlaterne. Reklame leuchtet bunt einige Ecken aus. In einem Hochhauseingang flackert die Neonröhre.
Ein Kaninchen hoppelt am Straßenrad entlang. In die Türnische eines Einkaufszentrums drückt sich verloren eine Obdachlose.
Einsam ist es nachts in Halle, wochentags, spätabends.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 15. Januar 2012 war das Essen zu Mittag.
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Da ist ja doch noch eine Menge los bei Euch…
LG, Petra
Sehr schön geschrieben, man meint, man geht mit dir durch die Straßen.
Das ist ein sehr schönes Kompliment. Dankesehr.
Da irgendwo in Haneu habe ich mal gearbeitet, in einer Schule über einem großen Einkaufszentrum. Ach ja, lange ist es schon wieder her.
Diese Beobachtungen mache ich auch immer, wenn ich in meiner liebsten Lieblingsgroßstadt noch unterwegs bin, spät abends. Bei mir hier draußen sieht man nachts den Fuchs am Straßenrand entlang schleichen. Probleme sind hinter den Häserwänden versteckt. Man sieht sie nicht. Und ganz oft fühlt man sich richtig einsam. So, wie es einen in den Stadten auch passieren kann.
Einen Gruß vom Lande.
Super hast du das beschrieben.
Auch, wenn es vermutlich in vielen Städten ähnlich ist, so habe ich doch deine Beschreibung genossen.
Und schön, dass du unbeschadet wieder heimgekommen bist.
Auch Dir herzlichen Dank fürs Kompliment.
Lieber Emil, einfach nur schön. Man meint,dabei gewesen zu sein. Alles Gute von Illo.**
„und belöffeln sich“
grandioses Verb ! Lange nicht gehört. Danke dafür 🙂