Was wird werden (Nº 232 #oneaday)

Positiver Gesprächsausgang und dessen Folgen

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Es ist unsortiert, ich stelle das “ohne Rücksicht auf Verluste” hier ein –

Erwähnt hab ich es schon, im Positiv war … von vorgestern: Ein Gespräch mit positivem Ausgang.

Was das war?

Ein Vorgespräch in einer psychosozialen Tagesklinik.

Ach kommt, daß ich psychische Probleme habe, hab ich doch schon oft genug erwähnt.

Welche?

Borderline. Depression. Das zweite wahrscheinlich als Begleit- oder Folgeerscheinung des ersten.

Und nun “darf” ich – sogar schon in sehr naher Zukunft – mit einer teilstationären Therapie beginnen. Nein, wirklich, ich darf. Und ich muß. Merk' es doch selber.

Warum?

Weil ich vor Jahren bewußt, aus eigenem Willen dissoziiert habe. Aus dem Menschen, der ich früher war, entstand zu dem Zeitpunkt, da ich ganz hier nach Halle (Saale) kam, endgültig die von mir neu geschaffene, vorbereitete Persönlichkeit Der Emil.

Eine fast komplett erfundene, neue Persönlichkeit. Mit eigener, nicht immer ganz wahrheitsgemäßer Vergangenheit und Gegenwart. Und meine originären Erinnerungen habe ich verdrängt. Vollständig. Den Papierkram hab ich – soweit ich ihn erwischen konnte – irgendwann einfach mal verbrannt. Glücklicherweise hab ich nicht alles erwischt. Aber der DDR-Paß, in dem «Der Emil» als Künstlername stand, der ist weg.

Nun, nun habe ich ja durch meine Liebste unmittelbaren Kontakt zu meiner Vergangenheit. Und ich bin dabei, meine noch vorhandenen Erinnerungen aufzuschreiben. Schwierig, sage ich euch, schwierig. Und nun weiß ich nicht, welche der zwei Persönlichkeiten in welchem Maße überleben kann und soll. Was mach ich aus dem, der ich früher war und aus dem, der ich jetzt bin? Lassen sich die zwei reintegrieren?

Welche Erinnerung echt und welche von mir erfunden ist, das – so hoffe ich – weiß ich noch. Das kann ich vielleicht auch irgendwann anderen mitteilen. Erklären? Einen Grund für meine Lügen nennen? Welche Lügen? In dem Moment, da Der Emil zu existieren begann, in dem Moment, da mein altes Ich in der Vergangenheit, im Vergessen verschwand, waren das keine Lügen, sondern die Wahrheit. Die Wahrheit über Der Emil.

Wenn ich alles recht bedenke, so weiß ich (oder so hoffe ich zumindest mit aller mir gebotenen Kraft), daß beide wieder einer werden. Ich, Der Emil, und ich

Uff. Ich glaub, ich brauch Hilfe …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 19. August 2011 waren: der erledigte Haushalt, die selbstgekochte Möhrensuppe und die hervorragenden Aussichten, die man mir machte. Jaja, wenn das Herz hüpft …

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

232 / 365 – One post a day (WP-count: 419 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Was wird werden (Nº 232 #oneaday)

  1. Follygirl sagt:

    Für mich schwer etwas zu schreiben und der „like this“ bezieht sich darauf, das Du Hilfe bekommst und annehmen kannst.
    Ich wünsche Dir für diesen Lebensabschnitt alles erdenklich GUTE…
    LG, Petra

  2. puzzle sagt:

    Heute nacht holte ich meinen Sohn von einer Party ab und fuhr noch zwei junge Mädchen nachhause, so ist das auf dem Land. Unseren ersten Fahrgast hatten wir in einem still schlafenden Dorf abgesetzt (in dessen Nähe ich schon mehrfach fotografiert habe), da stand auf der einsamen Landstraße eine blaulichtflackerndes Polizeiauto, ein dunkles Auto vor sich – selten genug überhaupt und selbstgenügsam auch – sie brauchten unsere Aufmerksamkeit nicht; also setzten wir wieder vergnügt plaudernd die Fahrt fort und brachten unseren zweiten Fahrgast in das einige Kilometer entfernte, ebenso dunkel daliegende Dorf. Mein Sohn und ich redeten über den Sternenhimmel und den Mond – so hell, so schön klar, dann sahen wir das Feuer. Stellten Vermutungen an über den Grund und den Ort. Keine Benzinflammen und in unserer Fahrtrichtung, darin waren wir uns einig. Und richtig: wir hatten die Stelle noch nicht erreicht, an der wir die Polizeistreife und ihren Kandidaten angetroffen hatten, da war klar, daß es an unserem Weg liegen würde. Uns kam ein Auto entgegen. Also war die Straße befahrbar, immerhin. Wir erreichten das Dorf, wo wir das erste der Mädchen abgesetzt hatten und dort war es, am Ortsrand, und es sah ganz danach aus, als wären wir zuvor in der unmittelbaren Nachbarschaft der Brandstelle gewesen, hätten unseren Fahrgast dort hin gebracht. Ein scheußliches Gefühl. Erschreckend auch, daß das Dorf immernoch schlief. Still und dunkel, nur ein groß leuchtendes Feuer brannte rechts von der Hauptstraße, groß wie ein Haus. Mit dem Handy alarmierte ich die Feuerwehr und mein Sohn informierte das Mädchen. Kurz darauf heulte die Feuerwehrsirene auf und wir fuhren nachhause. Klar konnte ich nicht gleich schlafen und schaltete den PC an, sah meine Mails durch, u.a. meine Blog-Abos. Auch den Postaday vom Emil. Und da brannte es auch. Ein reinigendes Feuer. Mittlerweile weiß ich, daß zumindest bei dem Brand am Dorfrand keine Personen zu körperlichem Schaden gekommen sind, aber aber auch das ist ja relativ – für ein Trauma bei jemandem in der unmittelbaren Nachbarschaft kann das dennoch genügt haben.

    Borderline ist, soweit mir bekannt, oft traumatisch begründet. Abspalten, Trennen und Übertragen ganzer Persönlichkeitsteile sollen eine logische Folge davon sein. Nachvollziehbar – wenn man darüber nachdenkt, und wenn du das so konsequent verfolgt hast, sogar den Versuch zu unternehmen, dein altes Leben zu verbrennen, soweit möglich, legt das die Vermutung nahe, daß du dafür sehr ernste Gründe hattest und sie immer noch hast, denn es hat ja nicht geholfen.

    Weißt du, ich hatte oft über deine Namenswahl nachgedacht. Niemand sonst diesen Namens in den Generationen zwischen den heute 10- und 60-jährigen ist mir begegnet – ‚Emil‘ verband ich als Mutter mit Kleinkindern in den 90ern mit einer sehr beliebten, weichgepolsterten und mit buntem Stoff bezogenen Mitnehme-Trinkflasche; und mit Erich Kästners Emil (und die Detektive), beides positiv besetzt. Aber im Web haben wir alle irgendwo (mindestens) einen Ort, an dem wir nicht unter unserm amtlichen Namen, sondern einem möglichst origenellen unserer Wahl präsent sind. Im Web erfinden wir unser Leben ein Stück weit alle.

    Du hast oft darüber geschrieben, wie wichtig dir die Verflechtung deines Lebens mit der erhofften Unvergänglichkeit im Web sei. Und du hast auch Einträge veröffentlicht, bei denen ich spontan dachte „Das täte ich nicht – aber warum tut er’s? Wozu sollen wir es lesen und womöglich kommentieren?“

    Nach diesem Eintrag heute verstehe ich das besser. Der Schaffensprozess deiner selbst basiert zu großen Teilen auf der Spiegelung in der Resonanz, aber mindestens ebenso im Festschreiben selbst.

    In der Hinsicht bist du als Blogger unter vielen Gleichgesinnten, ob es ihnen / uns bewußt ist, oder nicht. Mir ist übrigens nach dem Lesen noch ein ‚-emil‘ eingefallen, aber er schreibt sich anders, mit eihnem kleinen ‚h‘ hinter dem ‚e‘, und die Märchenerzählung wurde von Adelbert von Chamisso verfaßt nach einem alten Vorlkslied, das am bekanntesten ist durch die Fassung der Gruppe Ougenweide. Ich bin überzeugt davon, daß du es kennst. Es paßt zumindest teilweise recht gut, gerade jetzt, da deine Liebste erschien. Die Geschichte von Peter Schlehmil.

    Ja, du brauchst Hilfe. Du bist aber auch mit diesem Eintrag einen großen Schritt gegangen.

    Feuer vernichtet, Feuer reinigt, Feuer hinterläßt fruchtbaren Boden. Ich hoffe, es geht für dich, der du immernoch auch der_emil bist, positiv voran.

  3. Ich mag dich! die Steff

  4. Wie Phoenix aus der Asche? Wiedergeboren werden mit all dem Guten aus der Vergangenheit? Puzzle schreibt ganz richtig, dass ein Großteil der Blogger sich zum Teil neue Identitäten zulegt, sich sozusagen neu erfindet, Seiten zur Geltung bringt, die im realen Leben unbeachtet bleiben, unterentwickelt sind, unwichtig scheinen. In den Blogs beleben wir sie, bieten ihnen den Platz, den wir ihnen „da draußen“, aus welchen Gründen auch immer, nicht zubilligen wollen oder können. So habe ich das verstanden. Aber wir können uns nich völlig neu definieren, unsere Figuren resultieren immer aus uns selbst heraus. Darum schrieb ich Dir einmal, dass es kein „früheres“ Leben geben kann. Wir entwickeln uns immer weiter in diesem einen Leben. Ich kann von früher sprechen, aber es war, ist und bleibt mein Leben. Jedenfalls ist das meine Sichtweise.
    Ich bin mir sicher ganz sicher, dass Dir geholfen werden kann, denn Du hilfst Dir ja schon selber. Du kannst reflektieren und analysieren. Und Du verfügst über geistige und emotionale Intelligenz.

    • der_emil sagt:

      Ich hab nicht (nur) im Netz, sondern draußen Wiedergeburt gefeiert. Scheint. als wären mehr Reste geblieben, als ich je gedacht habe. Der Rest war sehr gut verdrängt.

  5. Himmelhoch sagt:

    Emil, ich muss zugeben, dass ich nur sehr sporadisch bei dir lese, noch seltener kommentiere. Aber hier bei diesem Text ist eine Saite zum Klingen gekommen. Diese Bekannte, wegen der ich das einzige Mal nach der Wende in Halle war, die hatte in ihrer Jugend große Probleme mit Borderline. Auch ihre beiden Geschwister sind psychisch krank. Der jüngere Bruder hat es leider nicht geschafft, sich aus seinem „inneren Gefängnis“ zu befreien und hat den Weg in die „Freiheit“ gewählt. Sie hat jetzt einen neuen Freund, will heiraten, der Sohn ist langsam in der richtigen (Entwicklungs-)spur, die sie sich gewünscht hat und der Trennungsschmerz vom alten Partner ist überwunden.
    Ich denke nur, wenn man es schafft, so offen und ehrlich wie du mit seinen Problemen umzugehen, kann es (hoffentlich) erfolgreiche Hilfe geben.
    Meine gedrückten Daumen hast du – es möge eine gute Therapiezeit werden.
    Herzlichen Gruß von Clara

  6. fudelchen sagt:

    So viel Ehrlichkeit…ich wünsche dir alles Gute.

    Herzlichst ♥ Marianne

  7. Gudrun sagt:

    Lieber Emil,
    wenn du Hilfe brauchst und auch bereit bist, sie anzunehmen, dann denke ich, dass alles gut wird. Ich glaube, das ist der schwerste Schritt. Vor Jahren habe ich um eine ganz nahe Verwandte gekämpft, im Moment sorge ich mich um meinen Bruder. Die nahe Verwandte hat gelernt, sich um sich selbst zu kümmern und sich Gutes zu tun, mein Bruder hat noch einen weiten Weg vor sich.
    Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du das Gleichgewicht wieder findest. Ganz fest.

    Liebe Grüße von der Gudrun

  8. Aurora sagt:

    Ich wünsche dir alles Liebe und Gute und viel Kraft und Ausdauer, dabei dich (wieder) zu finden.

    Liebe Grüße, Aurora

  9. Die Hellwache sagt:

    Lieber Emil, alles Gute für die Therapie! SlG, Die Hellwache 🙂

  10. minibares sagt:

    Meine Schwester hatte damals Depressionen, nur wurden sie noch nicht als solche erkannt.
    Vielleicht hätte ihr eine zweite Person in ihr geholfen, zu überleben. Aber das war ihr nicht gegeben.
    Dir alles, alles Gute für die Therapie, wird gewiß nicht einfach werden.
    Liebe Grüße

  11. freidenkerin sagt:

    Gut möglich, dass du deine beiden Persönlichkeiten in dir zu einer neuen verschmelzen kannst…
    Zudem – heißt es denn nicht so schön und auch zutreffend: „Ich bin viele.“…
    Als ich noch jenes frühere, andere, jetzt schon so fremde Leben voller Neurosen, Komplexe, Traumata und Depressionen führte, habe ich mich auch sehr oft in fremde Identitäten geflüchtet. Und auch sehr oft andere „Wahrheiten“ erfunden, die mir mehr zupass waren als die echten, die richtigen…

  12. mayarosa sagt:

    Lieber Emil,
    schön, dass du dir Hilfe holst, wenn du Hilfe brauchst. Das allein kann schon nicht jede/r.
    Zu Emil und dich. Der Emil ist nicht ein anderer als du oder dein Vergangenes Ich. Er ist ein Teil von dir. So wie in jedem von uns ein inneres Team haust, streitet, sich verbündet, sich liebt und verträgt und dann wieder in unterschiedliche Richtungen zerrt. Bei Borderline-Menschen oder anderen psychischen Erkrankungen mögen diese inneren Teile so weit auseinanderdriften, dass sie den Kontakt miteinander verlieren. Diesen wieder zu finden, dabei mag dir die Psychotherapie helfen. Daumen drück.
    Und bis dahin ein Song von Peter Licht:

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=oCQCddOwieU]

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