Socken, Schuhe (und Beziehungen. Nº 197 #oneaday)

Schrullige Gedanken

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Was mir aber auch manchmal in den Sinn kommt …

Als ich gestern nachmittag nachhause kam, schaute mich, nachdem ich aus meinen Schuhen gestiegen war, mein linker großer Zeh an. Ragte durch ein Loch in der Socke ins Freie. Ich maß dem keine Bedeutung bei, denn ich tat, was heutzutage wohl jeder tut: ausziehen und in den Müll damit – bei Gelegenheit werden neue Socken gekauft.

Später saß ich da und nähte (mit Nadel und Faden, ohne Nähmaschine) eine aufgegangene Naht an einem T-Shirt wieder zu. Und hatte Zeit und Muße zum Nachdenken.

Über Socken. Und Schuhe.

Denn früher™, da wurden Socken noch gestopft. Ja, wenn ein Loch im Strumpf war, griff man zu Nadel, Stopfgarn und Stopfpilz. Und dann wurden zuerst in eine Richtung eng nebeneinanderliegend Fäden über das Loch gezogen, immer schön gleichmäßig und auf allen Seiten etwas über das Loch hinaus. Danach tat man dasselbe um 90° versetzt so, daß der Faden abwechselnd über und unter den bereits gezogenen Fäden lief. Sah fast aus wie gewebt. Nach dieser Arbeit war das Loch zu und man konnte den Socken weiterhin tragen.

Das war knauserig? Nein, zweckmäßig und – wie man es heute nennen würde – ressourcenschonend, nachhaltig. Damals™ bestanden Socken aus anderem Material, hatten viel weniger Lycra und was sonst noch drin. Und für einen Strumpf mußten auch nicht so viele Polyester (Hysterischer Aufschrei: “Diese armen Tierchen!”) wie heute ihr Leben lassen.

Das dahinterstehende Denken war anders als das der heutigen Wegwerfgesellschaft.

Auch bei Schuhen führte ein abgelaufener Absatz, eine gebrochene oder gelöste Sohle und auch eine gelöste Naht meistens zum Besuch beim Schuster oder Schuhmacher. (Sentimentaler Seufzer: “Jaja, Mister Minit und so'n Zeug gabs damals noch nicht …”) Vor allem dann, wenn zu allem Unglück auch noch die Lieblingstreter betroffen waren. Und nach ein paar Tagen bekam man die Schuhe repariert zurück.

Bei Schuhen noch mehr als bei den Socken gab es eine andere Qualität des Materials und der Verarbeitung.

Man investierte auch mehr Zeit und mehr Geld in den Erwerb von Schuhen. Damals™ ging es nicht nur um geilen Geiz und Billigheim und Markennamen …

Damals™ wurden Schuhe noch gepflegt. Als Kind war ich begeisterter Schuhputzer, mindestens einmal in der Woche saß ich mit Schuhcreme und Bürsten im Treppenhaus. Dreck abbürsten, eincremen, und dann mit der Blankputzbürste polieren! Aber Achtung, Schwarze Schuhe nicht mit den Bürsten für Braune Schuhe behandeln oder gar umgekehrt!

Man investierte also auch mehr Zeit und Mühe in den Erhalt von Dingen, in die Wiederherstellung.

Wenn ich mich nun umsehe, und dabei die Jugend™ betrachte: wie gehen die mit ihren Beziehungen um?
 
Aber ich hab ja nur mal so nachgedacht, hab nichts davon sortiert …
 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 15. Juli 2011 war ein Telefongespräch mit einer sympathischen Frau (Daß ich mich das getraut habe!). Außerdem war ich völlig ungeplant mit der allerallerallerbesten Freundin in der Stadt.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Socken, Schuhe (und Beziehungen. Nº 197 #oneaday)

  1. Das ist ja echt witzig, dass du das jetzt ansprichst.
    Als ich letztens bei meinem Eltern war hatte ich das Gespräch mit meiner Mutter das sie ihre Lieblingsschuhe nicht mehr tragen kann weil der Klettverschluss nicht mehr hält. Sie hatte sich in kupferglänzend neue Schuhe bestellt für bei 100€. Ich wunderte mich das sie diese Farbwahl getroffen hatte. Aber sie meinte die Farbe die sie eigentlich wollte ist leider ausverkauft.
    Ich hab ihr dann gesagt, dass ich ihre Schuhe mit nehme, da ich einen Schuhmacher kenne der auf alt hergemachte Art noch Schuhe repariert. Den Klettverschluss zu reparieren hat ganze 3€ gekostet und Mutter war glücklich. Nun sind die glänzenden ihre Hausschuhe.
    Allerdings war sie sehr verwundert das ICH ihr den Tipp gegeben habe obwohl sie es ja von „früher“ nur so kannte. Nur sie kennt einfach nur noch die Schnelldienste. Aber ich hab ihr erklärt wo der Schuhmacher ist und nun sind von meinem Vater auch schon welche da.

    Ich wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende.

    • der_emil sagt:

      Liebe Bine,

      manches vergessen Menschen. V.a. wenn jemand i.d.R. nicht etwas reparieren lassen muß, dann verliert man diese Möglichkeiten aus dem Blickfeld.

      Und es ist doch auch mal schön etwas zu wissen/können, was die einstmals übermächtigen Eltern nicht (mehr) können …

  2. fudelchen sagt:

    Aber das stimmt alles. Habe selbst noch Socken gestopft, dazu gab es auch das pasende Garn, solche Läden findet man kaum noch noch und Schuhe kamen zum Schuster, wurden repariert, geputz, geschniegelt.
    Wer bringt denn heute noch Schuhe zum Schuster….die werden getragen, sind ausgelatscht und kommen ebenfalls in den Müll, da neue eigentlich erschwinglich sind. Und….man suche einen wirklich guten Schuster, denn die kleben mehr, als nähen, das ist auch nicht ok.
    Früher war es anders, das stimmt und Socken mag ich nicht mehr stopfen, Schuhe hat man mehrere, die kann man wechseln und der Abnutzungseffekt ist nicht so stark. Ein T -Shirt nähen…nur im Notfall, denn die gibt es doch auch im Dreierpack.
    Das ist also nicht nur die Jugend, das sind wir älteren auch…auch wir werfen Dinge fort und darüber lohnt es sich wirklich nachzudenken.

    Hab einen guten Tag und liebe Grüße

    Marianne ♥

    • der_emil sagt:

      Hallo Marianne,

      dieses selbstverständliche Wegwerfen war ja auch das, was mich zum Denken brachte. Und ja, die echten Kurzwarenläden sind weg (gut: hier in der Stadt gibt es noch einen «Plauener Spitze»Laden, der das Sortimen mit führt).

      Fall der normale Schuster nicht mehr existiert, hiltf meist der Orthopädie-Schuhmachermeister.

      Schon interessant, was der Fortschritt alles untergehen läßt/ließ …

  3. ArSo sagt:

    Ähm ja, ich kann Dir eigentlich nur zustimmen, wenngleich ich für mich das Glück habe, dass ich sagen kann, dass ich -ich bin wirklich mehr als froh darüber- der Wegwerfgesellschaft in bezug auf Schuhe bisher keinerlei Avancen machten musste, da meine tlw. fast 15 Jahre alt (ich bin mir sicher, dass sie die Generation schaffen) sind und ich es liebe, sie zu putzen, sie zu pflegen. Sie sind fast alle von Schuhmanufakturen von Hand gefertigt und brauchen halt nur aller paar Jahre mal neue Absätze; oder die Sohlen Lederfett, Lederseife oder das Wildleder halt organische Extrakte zur Pflege, die natürlich biologisch sind. Alle paar Jahre kann man sich solche Schuhe schon mal leisten. Ich muss gestehen, dass ich es nicht nachvollziehen kann (und vielleicht auch will), wie es sein kann, dass man Schuhe nach 1, 2 oder 3 Jahren einfach wegschmeisst. Dass sie qualtitativ tlw. kaum so lange halten, zeigt, dass diese Gesellschaft auf Konsum bedacht ist, denn NOTWENDIG wären ständig NEUE keineswegs. Schuhe kann man so fertigen, dass sie ein Leben lang halten. Man kann dann sicher keine 100 Paar besitzen, aber das ist ja heute heute eh scheissegal. Bisher -so meine Erfahrung- hat man sich über meinen „Spleen“, dass ich Schuhe Jahrzehnte trage nur lustig gemacht: „Wie langweilig, immer diesselben Beinkleider… etc.“ So ist das wohl, in der Wegschmeissgesellschaft, in der man die Schuhe für 7,99 von KIK kauft aber jedes Jahr das Handy ersetzt.

    Dass es kaum mehr Socken/Strümpfe gibt, die wirklich lange halten, dies macht mir allerdings wirklich Sorge, denn es ist mir bis heute nicht gelungen einen Hersteller ausfindig zu machen, dessen Produkte sagen wir mal wenigstens 2 Jahre halten würde. Für jemanden wie mich, der sicher sehr viel läuft, ist es aber nervig, dass er immer wieder neue kaufen muss; einfach weil sie nicht halten. Und ich meine hier nicht mal die aus Fernost für 0,99 ,€ das Paar. Auch die „renommierten“ Hersteller produzieren nur noch Schrott; und um mich mal unbeliebt zu machen: allen voran die „edle“ Firma „FALKE“ — Anfang der 90er waren deren Socken noch jahrelang halt- und tragbar; heute schaffen sie kaum mehr das Jahr 🙁 — Und eine frz. Firma, die es mal bei Karstadt gab, die liegt leider außerhalb meines Budgets, obwohl deren Strümpfe ja schon noch ganz passabel halten … Aber Du hast recht: es wird heute nur noch für Ausschuss produziert und wenn sie kaputt sind, dann wirft man sie halt weg…

    Schöner Artikel, zu einem Thema, das ich nachdenklich machend finde …

    • der_emil sagt:

      Moin Arso,

      es ist also auch Dein Eindruck, daß die Qualität der Produkte ständig gesenkt wird? Teilweis bei gleichbleibendem oder gar steigenden Preis?

      Hut ab übrigens vor denen, die es schaffen/sich leisten, Schuhe von der Schuhmanufaktur zu tragen. Mir fällt nämlich auf, daß auch die noch viel Geld Habenden heutzutage auch eher beim Billigheimer einkaufen …

  4. gisi sagt:

    Ist ja irre, genau bei deinen Zeilen, bevor ich überhaupt zu Ende gelesen habe, dachte ich an Beziehung und Wegwerfgesellschafft!
    Hab gerne gelesen, lieber Emil, deine Stimme paßt
    auch am Ohr und freut sich auf mehr…Stimme und Freundschaft!
    Danke!

    • der_emil sagt:

      Haloo, Gisi,

      am Anfang dachte ich auch: Was Haben Socken, Schuhe und Beziehungen denn miteinander zu tun?

      Dann fiel mir auf, daß auch in Pflege und Unterhaltung einer Beziehung heute sehr wenig investiert wird. Bei vielen Mädchen/Frauen in meinem erweiterten Bekanntenkreis sehe ich die Einstellung: „Wenn der nicht macht, was ich will, schieß ich ihn eben ab und such mir was besseres.“ (Bei den Jungs/Männern sehe ich diese Haltung seltener!!!) Also: Auch irgendwie Wegwerfmentalität …

      • zeitreisen sagt:

        Wenn ich mich da mal einmischen darf,
        in der heutigen Zeit, wo die Frauen nicht nur ihr eigenes, sondern oft ein höheres Einkommen haben, sind sie nicht mehr auf einen Mann als Ernährer angewiesen. Jahrzehntelang mussten Frauen kleine Brötchen backen. Heute hat sich das Blatt gewendet.
        Aber Jungs, seht es doch mal so, wenn wir uns für euch entscheiden, dann weil wir euch lieben und nicht weil wir abgesichert sein wollen. Allerdings, gestalltet sich die Suche langwierig.

        • der_emil sagt:

          Ich sehe das hier geschehen, völlig unabhängig von Geld und Einkommen.

          Wer auch nur im Geringsten von den völlig überzogenen Erwartungen an den „Traumprinzen“ abweicht, wird bei erster bester Gelegenheit abgeschossen …

          • zeitreisen sagt:

            Dass ist das Schlimme in der heutigen Zeit und geht uns Frauen auch oft so. Jeder hat Ecken und Kanten, aber dass macht doch uns Menschen aus. Es wird immer mehr Wert auf Äußerlichkeiten gelegt, die nur all zu schnell vergänglich ist. Schade

  5. zeitreisen sagt:

    Hallo Emil,
    erstmal, Hut ab, dass du sowas kannst (Socken stopfen, nähen) find ich toll.
    Mir ist auch schon aufgefallen, dass die Socken heutzutage sehr schnell kaputt gehen, ja sie verlieren auch noch rasch die Form. Für die Mittelalterdarstellung habe ich mir die Mühe gemacht und selber Wolle aus Bentheimer Landschaf gesponnen und gefärbt (mit Ackerschachtelhalm). Das Garn habe ich dann mit einer Knochennadel zu Socken vernadelt. Die Technik nennt sich Naalbinding und kommt aus Skandinavien. Wie das gemacht wird, kannst du hier sehen http://zeitreisen.wordpress.com/?cat=350699 Ich trage die Socken schon in der dritten Saison, immer auch gerne bei Schittwetter in Holzschuh, aber stopfen musste ich sie noch nicht.
    Und dann die leidigen Schuhe. Das „Leder“ ist heute oft keines mehr und löst sich bald in Wohlgefallen auf.

    Was die Beziehungen heute so angeht, in der Clique meiner Nichten und Neffen ist es üblich, nach ein paar Wochen, die Mädchen von einem Jungen zum anderen zu reichen. Auch keine prickelnde Vorstellung, oder?

    Schönes Wochenende,
    Monika
    PS. Toller Artikel

    • der_emil sagt:

      Hallo Monika,

      ich war in der ersten und zweiten Klasse (1970/1971/1972) der einzige Junge, der an Nadelarbeit teilnahm. Und auch bei der NVA wurden die Rituale „Sockenstopfen“ und „Stiefelputzen“ noch gepflegt.

      Aus Deinen Naalbinding-Anleitungen bin ich nicht schlaugeworden. Wenn mir das jemand mal direkt vorführt und ich das dabei direkt ausprobieren kann, dann … Denn interessant find ich’s schon …

      Oh, ein Tauschring!? Für Partner? naja … Die Jugend heutzutage … *schmunzel*

      • zeitreisen sagt:

        Aber gerne zweige ich dir, wie man sich Socken in Naalbinding macht 😆 Vielleicht bist du deshalb nicht mit meiner Erklärung zurecht gekommen, weil du Rechtshänder bist? Ich bin Linkspoot. Hier eine Seite, von du auch schauen kannst. http://www.flinkhand.de/index.php?nadel_daumen Solltest du mal in das Museumsdorf Düppel im Berlin kommen, kannst du das auch da zeigen lassen. Oder du hast die Gelegenheit eine Wikinger- oder Frühmittelaltermarkt in deiner Nähe zu Besuchen.

        Übrigens: hier auf dem Land gibt es immer noch Männer, die vor dem vollen Brotschrank verhungern würden, wenn die Frau nicht im Haus ist.

        • der_emil sagt:

          Ich bin wohl (weiß es nicht sicher) umerzogener Linkser, kann vieles beidseitig. Daran liegt es nicht. Einmal zusehen und mitmachen hilft bei mir einfach besser.

          Ah – die ausführlichere Beschreibung hilft vielleicht auch schon. Die strick ich mir auch malk auf links um …

          Dankesehr!

  6. Wohl dem, der Schuhe hat, die repariert werden können, oder einen Schuhmacher, der noch reparieren kann. Ich achte bei bestimmten Arten von Schuhen auf die Art der Herstellung. Meine Bergstiefel zB sind aus Leder und genäht. Bis vor zwei Jahren kannte ich auch noch einen Schuster, der so was reparieren konnte. Ist leider gestorben, der Schuster. Letztes Jahr dann brachte ich zwei Paar ganz normale Schuhe zum Schuhreperaturservice, oder wie das heißt. Das eine Paar erhielt ich fein gemacht zurück. Das andere, es waren Sandaletten, konnte nicht repariert werden, weil die Nähte wirklich genäht sind! Ich bin heute noch fassungslos.

    • der_emil sagt:

      Ach Gertje,

      vielleicht hilft Dir ja der oben schon geschriebene Tip mit dem Orthopädieschuhmacher? Oder, wenn es ums Nähen geht, vielleicht kann auch ein Sattler helfen? (Wohl dem, der pferdebegeisterte Mädchen/Menschen in seiner Bekannt-/Verwandtschaft hat und einen Reiterhof o.ä. kennt, die dann auch einen Sattler kennen …)

  7. Follygirl sagt:

    Tja, eigentlich mein Thema.. bin ja immer für „aufbrauchen“ und nicht wegwerfen.
    Schuhe habe ich oft sehr lange, allerdings schon seit Jahren (aus bekannten Gründen) nicht mehr aus Leder! Socken trage ich fast nur selbstgestrickte (nicht von mir – gekauft beim Kirchenbasar), aber auch da ist die Qualität inzwischen oft sehr schlecht. Ärgere mich dann, wenn so ein paar Socken nach ein-zwei mal tragen schon dünne Stellen hat!
    Ansosten haben wir fast nur alte Möbel und kaufen nicht so viel neu!
    Beziehung? Mir reicht da eine und ich hoffe bis ganz zum Schluß– (so lang ist das ja nicht mehr, da können wir uns auch wohl aufschlören!)
    LG, Petra

    • der_emil sagt:

      Hallo Petra,

      ja, aufbrauchen. Nutzen, solange es funktioniert. Beispiel: Die neuen Kühlschränke haben alle eine viel bessere Energieeffizienz – und verbrauhen trotzdem viel mehr Strom als die alten Kondensorkühlschränke, die noch ohne brummende Pumpe arbeiteten …

      Das einzig neu Gekaufte in meiner Wohnung ist der PC (edenfalls die meisten seiner Teile) und die Küchengeräte (Kaffeemaschine, Toaster, Wasserkocher), einige der Photoapparate und ein Radio. Alles andere war gebraucht …

  8. Sonntags war Schuheputztag bei meinen Großeltern. Mein Opa war dafür zuständig – genau in der Reihenfolge, wie Du es beschrieben hast, wurden sie auch bei uns geputzt. Ich durfte sie zum Schluss „wienern“ (warum heißt das eigentlich so?). In Berlin gibt es noch einige sehr gute Schuhmacher, dort kann man sich auch maßgefertigte Schuhe nähen lassen.
    Socken stricke ich gelegentlich selber – sie halten ausgesprochen lange! Außerdem sehen sie lustig aus. Ich mag es, wenn beide Socken nicht identisch sind.

    • der_emil sagt:

      Hi Elvira,

      (oh, grad die Oma begrüß ich mit «hi» …) ich hab doch gleich mal nachgesehen, woher das wienern kommt. Und siehe da, es kommt sogar vom Schuheputzen oder Lederpflegen, wie das Grimm'sche Wörterbuch der Deutschen Sprache angibt. Ähnliches ist beim Digitalen Wörterrbuch Der Deutschen Sprache zu finden.

      Familienleben früher … heute wird ja i.d.R. dafür gesorgt, daß sich keine starken Familienverbände mehr bilden können, denn das könnte bestimmmten Kreisen sehr ungelegen kommen (wenn Menschen wieder mehr zusammenhalten).

      • Gabi sagt:

        Danke für den link zum Wörterbuch. Als Wienerin hat mich jetzt schon sehr die Erklärung zu „wienern“ interessiert und siehe da – es hat tatsächlich was mit uns Wienern zu tun – Wiener Kalk. 🙂

        lg Gabi

  9. freidenkerin sagt:

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass man in meinen Jugendjahren sogar noch Feinstrumpfhosen zum Ausbessern gebracht hat, wenn diese eine Laufmasche hatten. In einer ehemaligen Berchtesgadener Flüchtlingssiedlung, Winkl, existierte damals die Strumpf- und Miederwaren-Fabrik ARWA. Dort gab es auch einen Reparaturdienst. War eine Feinstrumpfhose kaputt – und die sind vor gut vierzig Jahren noch schweineteuer gewesen! – dann brachte man sie dorthin. Mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Können wurde dann die Laufmasche aufgefangen und die „Leiter“ wieder geschlossen…
    Und heutzutage kann man bei Al.di und Co. Feinstrumpfhosen im Doppelpack (!!!) für 99 Cent erstehen…

    • der_emil sagt:

      Oh – Feinstrumpfhosen wurden in der DDR noch in den 80ern zu den Annahmestellen des VEB DLK gebracht – vor allem, wenn sie aus dem Westen waren (und daß viele davon sogar in der DDR produziert wurden. machte die Reparatur dann auch einfacher).

      (VEB DLK : Volkseigener Betrieb Dienstleistungskombinat)

  10. na ja, viele haben schon was gesagt. nun auch noch ich: wollte dir für damals und früher etc. danken. als begeisterte schuhputzerin, sockenflickerin und nähtenäherin, gesegnet mit einem fantastischen schuster, kann ich dir nur zustimmen.
    meine kinder müssen wohl etwas von mir geerbt haben. zwar nicht das stopfen und nähen, aber wenigstens das beziehungspflegen scheinen sie übernommen zu haben. :o)
    schönen sonntag wünscht m.

  11. Gabi sagt:

    In der heutigen schnellebigen Zeit besteht wohl kein Interesse mehr daran, dass Dinge repariert werden bzw. überhaupt repariert werden können. Und auch ob sie lange haltbar sind, interessiert auch keinen. Wegwerfen und neu kaufen ist die Devise. Und immer mehr Reparaturbetriebe oder Firmen, die hochwertige, langlebige Produkte herstellen, gehen den Bach runter. Leider.

    Die Qualität der Produkte wird auch immer schlechter. Vieles wird nur mehr billig und billigst produziert. Das fängt bei den Socken und Schuhen an und geht bis zu den Lebensmitteln. Auch hier werden die Märkte mit Billigstprodukten überschwemmt. Bitte nicht falsch verstehen. Natürlich soll es auch billigere Produkte geben, aber mich stört es, dass es fast immer mehr NUR mehr diese Produkte gibt und die qualitativ hochwertigen Sachen, die auch geschmeckt haben, immer mehr verdrängt werden.

    lg Gabi

  12. mayarosa sagt:

    Dank dir Emil für diesen Post.
    Mich hat der Schneider am Freitag gefragt, ob ich fremd gegangen sei, weil ich so lange nicht mehr da war. Ich brachte einen Rock zum Reparieren. Für Menschen, die mit Nähmaschinen umgehen können, ein Klax, aber ich nicht. Für 5 Euro hat er den Rock gerichtet. (Ich war natürlich nicht fremdgegangen, hatte nur nix zum Reparieren). Unter die Löcher in den Jeans bügel ich immer diese Flecken. Und ja es stimmt, die halten nix mehr, vor allem die Levis nicht. Die letzte ist mir in kürzester Zeit auseinander gefallen – und das waren mal robuste Arbeiterhosen.
    Und danke für das Erinnern an den Schuster. Hier liegen Lieblingsschläppchen. Vielleicht kann sie die Schusterin noch retten. Muss ich mich die Tage auch mal drum kümmern.
    Socken schmeiß ich weg. Denn der Schneider würde für’s Stopfen wahrscheinlich mehr nehmen, als sie gekostet haben.
    Und deine Frage möcht ich mir gerne ausleihen, die hier:“Was Haben Socken, Schuhe und Beziehungen denn miteinander zu tun?“ Möcht ich mir aufheben, zum Nachdenken für eine Post, dann und wann.

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