Erwachen (Nº 184 #oneaday)

Luzider Traum

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Ganz sicher habe ich noch nicht ausgeschlafen. Mein Körper weigert sich, auf den Wach-Modus umzustellen, mein Hirn auch. Aber das Geräusch geht nicht weg: Die Nymphensittiche sind der Meinung, daß ich mit knapp 4 Stunden Schlaf genug hatte.

Das Fenster steht noch offen, und überall dort, wo nicht “Unter meiner Decke” ist, ist es elend kalt. Meinen Arm ziehe ich jetzt auch ein, in die Wolke wohliger Wärme zurück, nahe an meinen Bauch. Der vorm Haus vorbeifahrende Bus dringt im Traumkokon nicht vollständig in mein Ohr.

Doch die beiden Vögel machen Krach. Mit nur einem offenen Auge tappe ich ins Bad, setze danach Kaffee an und lasse meine Schreihälse aus ihrem Käfig. Noch ein paar Minuten unter die Decke huschen. Aber ehe ich richtig liege, springe ich wieder hoch. Das Fenster steht noch immer sperrangelweit offen! Glücklicherweise sind die beiden nicht hinausgeflattert.

Noch ein Weilchen schlafen, bitte. Ich roll' mich wieder in die Decke, und hoffe, daß der Traum von vorhin weitergeht. Entspannt fließe ich aus der Wirklichkeit davon …

Und wirklich träume ich dort weiter, wo mich die Vögel vorhin störten. Da ist wieder das Gefühl, jemanden im Arm zu halten, sich gegenseitig zu wärmen. Genau dieses Gefühl kenne ich – kannte ich vor vielen Jahren. Träume ich jetzt von der Vergangenheit?

Wahrscheinlich. Ich kenne das Erlebnis, wenn Träume sich miteinander verbinden, seltsamerweise einer zu sein scheinen. Wenn zwei dasselbe träumen und im Traum miteinander interagieren. Aber daß ich so alleine träume, und dann von jemandem, den ich vor mehr als zehn Jahren zum letzten Mal gesehen habe? Darüber möchte ich nicht nachdenken. Ich weiß, daß ich träume und ich möchte weiterträumen.

Etwas weiter krieche ich unter meiner Decke in mich zusammen. Jetzt spüre ich wirklich eine andere Person neben mir. Einmal tief luftholen, nur nicht aus dem Traum rutschen, noch etwas davon genießen.

Plötzlich erkenne ich den Geruch und weiß, von wem ich träume.

Ruckartig setze ich mich auf.

Völlig wach bin ich jetzt, kann mich an alle Einzelheiten des Traumes erinnern (aber die werde ich hier nicht ausbreiten).

Wir hatten vorgestern zum ersten Mal nach 13 Jahren wieder miteinanden telefoniert – und das war wie die Fortsetzung eines vor fünf Minuten erst unterbrochenen Gespräches …

Der Verfasser des Blogs schleicht träumend davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 1. Juli 2011 waren zwei Telefonate. für die ich auch ganz herzlich danken möchte. Positiv am 2. Juli 2011 waren: Nunja, der Traum und der Duft. Die vielen Kommentare zu meinem Rückblick, die mir den Bauch pinseln. Und ein kurzes Gespräch mit einer wildfremden Frau im Supermarkt …

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Erwachen (Nº 184 #oneaday)

  1. Lieber Emil,
    ich wünsche Dir alles Glück auf dieser Welt und drück Dir die Daumen für einen, hoffentlich, Neustart. Oder auf das Dein Traum wahr wird.
    Du hast es Dir mehr als verdient.

    Lieber Drücker

  2. Ilona Form sagt:

    Lieber Emil, träume sind Schäume sagte Omma immer.. Die hatte doch keine Ahnung.
    Träume sind Vorhersagen,Erinnerung und Anleitungen; was mach ich !!!!
    Wünsch Dir eine Erfüllung Deiner Träume,Du schaffst es,ich merke es,wünsche es
    und weiss es.Alles Gute und bleib am Ball…………
    Deine Illo.******

  3. Manche Träume erscheinen wahrer als die Realität. Aber die Erfüllung mancher Träume ist nicht immer die Erfüllung. Ich liebe Träume, die des nachts erlebten Phantasiereisen, aber auch meine Tagträume.
    Ich wünsche Dir einen traumhafte Tag – egal ob mit oder ohne Sonn.
    Liebe Grüße
    Elvira

  4. Gudrun sagt:

    Das klingt doch alles gut, lieber Emil. Viel Glück.

    Liebe Sonntagsgrüße

  5. Hach ja… Sehr schön beschrieben, dieser Moment zwischen Schlafen und Aufwachen, wenn man einen schönen Traum festhalten will

  6. anniefee sagt:

    In der Tat, luzide Träume fetzen. v.a., wenn man steuern kann, was der Traumprotagonist macht ^^

    • der_emil sagt:

      Ich hab genossen, was dort geschah. Bei „geteilten“ luziden Träumen (ja, soetwas gibt es überhauptnicht, die hab ich mir ersponnen…) will ich garnicht unbedingt steuern, was geschieht.

  7. Synapse sagt:

    Ich glaube, nein ich weiß es ganz genau, dass Träume wahr werden können. Den Traum, welchen ich einst träumte, mag ich hier nicht wiedergeben, aber Fakt ist – mein Traum, so irrsinnig wie er war, hat sich erfüllt. Man darf allerdings nicht erwarten, dass man nur mal Klick machen braucht und schon ist die Erfüllung da. Auch Träume wollen erarbeitet werden. Und da du an dir arbeitest, zwar voller Zweifel, bin ich mir sicher, dass auch irgendwann aus deinem Traum pure Wirklichkeit werden kann. Ich würde es dir wünschen. ♥ lichst. Mandy

  8. Irmi sagt:

    Lieber emil,
    ich kenne das auch – das Träumen von früher. Manchmal ist es schön – öfter tut es weh.
    Ich denke, man sollte die Vergangenheit ruhen lassen. Wenn alles so gut gewesen wäre, wäre man dann jetzt allein?
    Einen lieben Sonntagsgruß sendet Dir
    Irmi

  9. freidenkerin sagt:

    Ooooooh! 😀 Ich ahne Wunderschönes!… Und drücke dir ganz fest die Daumen! Und dich mal virtuell ganz fest ans Herz!

  10. Pingback: Der Mantel des Vergessens in der Abstellkammer der Erinnerung (Nº 186 #oneaday) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

  11. zeitreisen sagt:

    Hallo Emil,
    du hast deinen Traum sehr plastisch dargestellt. An einer Stelle habe ich gefragt:“ ja, und? Wie geht es weiter?“
    Ich wünsche dir, dass dein Traum in Erfüllung geht.
    Fühl dich lieb gedrückt,
    Monika

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