Fertig. Done. (Nº 105 #oneaday)

Säggsischor Ohrchasmus: Ferrdsch.

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Aufschieben, auch Prokrastination

Manche Menschen sind wesensbedingt erhöht motivationsabhängig, sie schaffen es nur unter großer Überwindung, Tätigkeiten, die als langweilig empfunden werden (und deren Gewinn erst sekundär oder zukünftig entsteht), in Angriff zu nehmen. Dabei sind sich die Betroffenen der ihnen durch das Verschieben entstehenden persönlichen Nachteile durchaus bewußt, was Unlust oder sogar Angst auslöst, die aber als Negativgefühle ihrerseits das In-Aktion-Treten erschweren oder gar unmöglich machen. Ein Teufelskreis kann entstehen, indem man immer wieder den Vorsatz faßt, die unangenehmen Aufgaben zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erledigen – diesen jedoch wieder und wieder verstreichen läßt. Dadurch können Angst, Scham und Druckgefühl ansteigen, die ihrerseits wiederum das In-Aktion-Treten untergraben.

Aus Wikipedia: Aufschieben (Prokratination).
 

Vor einigen Tagen schrieb ich ja schon von Frau Quadratmeters Aktion "Rettet die Handschrift", zu der es bereits zwei Updates im dortigen Blog gibt (nämlich Update eins und Update zwei.

Die mir zugeloste Adresse bekam ich am 3. April. Vorgenommen hatte ich mir

  1. nicht nach Informationen zur Empfängerperson zu suchen und
  2. bis zum 12. April meinen Brief abzuschicken

Ganz sicher war ich mir, daß ich beides schaffe. So fest hatte ich mir beides vorgenommen! Doch römisch eins war schon am vierten April vergessen. Meine Neugier war zu groß. Die Resultate brachte mir eine handfeste Schreibblockade ein.

Da ich wegen meiner Schnüffelei nun einiges über "meine" Empfängerperson wußte, hatte ich einen akuten Mangel an ansprechbaren Themen. Eigentlich Blödsinn, oder? Aber genau so war es. Ich griff mir geistig eines der erkennbaren Hobbies, stellte fest, daß ich dazu nichts auszusagen hätte – und es war um Schreiblust und Schreibvermögen innerhalb der Aktion geschehen.

Mehrere Tage schleppte ich die Ideensammlung und die ersten Worte zum hanschriftlichen Brief mit mir herum. In der Straßenbahn habe ich bestimmt fünf verschiedene Anfänge ausprobiert. Zuhause versuchte ich dann, mich der Aufgabe zu stellen und ruinierte so, hauptsächlich durch Schreibfehler in einer für mich ungewohnten Handschrift, ein gutes Dutzend Blatt Papier.

Gestern nachmittag hatte ich es satt. Innerhalb von 30 Minuten entstanden vier Seiten Text.

Danach allerdings brauchte ich nocheinmal eine Stunde, um abzuschreiben. Schließlich soll lesbar sein, was ankommt. Fein säuberlich habe ich Buchstabe für Buchstabe abgemalt (und dabei doch einen Fehler gemacht).

Nun steckt die Abschrift in einem Briefumschlag, der neben dem Brief in einem Briefumschlag steckt, den ich beschriftet, frankiert und gesiegelt habe. Heute vormittag geht es damit zur Post (weil meine wunderschöne, nostalgische Briefwaage nicht auffindbar ist und ich nicht weiß, ob das Porto reicht. Sonst hätte ich gleich um die Ecke einen echten Briefkasten).

Und irgendjemand erhält dieses Couvert:
 
Gesiegelt

Montag oder Dienstag oder Mittwoch … Und besonders schön wäre eine Rückmeldung, per E-Mail, Kommentar hier oder Schneckenpost.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Fertig. Done. (Nº 105 #oneaday)

  1. quadratmeter sagt:

    Dass ihr alle so googlewütig seid! 😉

  2. Follygirl sagt:

    Sogar versiegelt? Wie toll ist das denn? Ich bewundere Dich für Deine Schreibkünste… wirklich!
    Ich hab das vor …40 Jahren aufgegeben, schreibe so furchtbar unleserlich, das ichs selber nicht lesen kann (lerne ich meistens anhand von irgendwelchen „Kringeln“ auswendig… habe tatsächlich erst wieder mit dem PC vor 2 Jahre zu schreiben begonnen…)
    LG, Petra

  3. puzzle sagt:

    Mich fasziniert die Blockade, die das ergoogelte Zuvielwissen ausgelöst hat; das wirkt nur auf den ersten Blick widersinnig. Indem man weiß, daß man auf diese Weise möglicherweise auf Dinge anspielen könnte, die man offiziell nie mitgeteilt bekommen hat, wird man befangen, weil man auch im Hinblick auf die anderen Kenntnisse unsicher wird, aus welcher Quelle man die geschöpft hat, so daß es schlimmer ist als zuvor.

    • der_emil sagt:

      Es war eher das Gegenteil – bis auf die Teilnahme an dieser Aktion scheinen keine gemeinsamen Interessen feststellbar (ich entschuldige mich schonmal, falls ich mit meinen Vermutungen völlig falsch liegen sollte)

  4. Veit Keller sagt:

    Hm… ich finde es auch doof wenn man zu-viel nachschlagen kann. Gerade in zeiten des sozial-storkings wirkt es fast schon neurotisch. Bei Profilseiten von mir noch fast-unbekannten halte ich mich dann doch lieber am durchfluchten. Vieles wiederholt sich oder ist da gar abgeschrieben, und zum teil sogar schon mit einheitsargumenten. Es ist auf der einen Seite schon sehr langweilig. Ich bleibe daher bei der direkten art des Ansprechens und die themen, die dann beide interessieren könnten, kristalisieren sich dann meist wie von selbst heraus. Man muss zum einstieg halt einfach fragen was man wissen will, und nicht im vorfeld wissen was den anderen Ausmacht 😉

    • puzzle sagt:

      fragen kann man natürlich – obwohl ich mehr zu schätzen weiß, wenn jemand es nicht so eilig hat, Fakten zu erfragen, sondern sich Zeit nimmt, wenn das Interesse ausreicht, um aufmerksam zu lesen und sich ein eigenes Bild zu machen, daß vielleicht zutreffender ausfällt, als die üblichen, schnellgeantworteten „Bekommt-jeder,-der fragt“-Standards.

  5. der_emil sagt:

    Ach – jetzt ist der Brief unterwegs. Nun liegt es in anderen Händen, was damit geschieht.

    Bei mir stellt sich trotzdem kein Gefühl der Erledigung / Befreiung / Erleichterung ein; allerdings hoffe ich, daß genau das mit der Erhaltensmeldung eintritt.

  6. „Säggsischor Ohrchasmus: Ferrdsch.“ – das gefällt mir am allerbesten daran. Kannst du ruhig öfter haben :o)))

  7. mayarosa sagt:

    Solche Aufschieberitis hat wohl jeder mal. Die einen öfters die anderen nicht so oft. Ich habe die auch bei manchen Dingen.
    Schön, dass du deinen Brief jetzt geschrieben hast. Viel interessanter ist doch, was du zu sagen hast und nicht, was du glaubst, dass der andere hören will. Das ist meist eh anders als man denkt. LG

  8. Sonja sagt:

    Mein Brief ging am 15. raus. Ein mit Buntstiften gemaltes Bild meines achtjährigen Sohnes (von einer Gormitischlange oder sowas in der Richtung) solte meine Ratlosigkeit überdecken, was ich denn einem Unbekannten schreiben sollte.
    Gegoogelt hab ich nicht. Werd das aber sicher gleich mal nachholen.

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