Ton-Archäologie (Nº 104 #oneaday)

Klangkonserven

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An den alten Dingen hänge ich ja sehr, an den alten Dingen hängt auch mein Herz.

Obwohl ich nur eine Ein-Zimmer-Wohnung (ohne Keller oder Abstellkammer) habe, findet sich in ihr doch das eine oder andere, das für die Eine oder den Anderen nur überflüssiges altes Gerümpel oder aber Museumsexponat wäre.

In meinem Musikschrank finden sich neben CDs und MCs auch noch über zwanzig Stück davon:

Spulentonband, 4-spurig
Magnetband, Spulen-Tonband, auf 13 cm-Spule

Die häufigste Form ist das Magnetband Typ 131, LH, 540 m. Das Stück kostete EVP 37,80 M Damit waren in Vier-Spur-Stereo bei einer durchschnittlichen Bandgeschwindigkeit von 9 cm/s ziemlich genau 100 min aufzuzeichnen. Auf einer Seite, denn auch die Spulentonbänder konnten umgedreht werden. (Für die Zahlenfetischisten liefere ich noch nach, daß die exakte Standardgeschwindigkeit 9,5 cm/s ±2 % und die entsprechende Laufzeit 94,75 min ist.)

Sparsame Tonbandnutzer zeichneten oftmals mono auf und verdoppelten dadurch die Laufzeit. Manchmal war auch ich sehr sparsam und bekam so sechs stunden Tonaufzeichnung auf einem dieser Bänder hin.

Warum ich das alles erwähne? Seit ein paar Tagen habe ich mein B93 «ausgegraben» und höre mir an, was für mich (und andere) aufzeichnungswert schien.

Während ich also des Abends meine Blogtexte abtippe, die ich tagsüber in meinem analogen USB-Stick (auch Kladde genannt) notierte, läuft pure (N)Ostalgie. Eines der Bänder enthielt nämlich zum Beispiel die Mono-Tonaufzeichnung von mehreren Zeichentrickfilmen aus der Heidi-Serie.

Auf einem anderen, das ich leider noch nicht wiederentdeckt habe, sollte sich eine bis auf die Bandwendepausen vollständige Tonaufzeichnung der Fernsehübertragung der Großdemonstration vom 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz finden.

Und die Musik von damals! In den fast fünf jahren, die ich das Gerät zwischen 1985 und 1990 intensiv nutzte, hat sich so einiges angesammelt. Über meine weiteren Hörerlebnisse werde ich hier berichten.

Was mich jetzt interessieren würde: Gibt es da draußen noch mehr wie mich, die ein Spulentonbandgerät noch benutzen? Wenn ja, welches Gerät und vielleicht wozu?

Ich setze mir jetzt erstmal wieder die Kopfhörer auf, und um 00.15 Uhr wird WordPress meinen Blog veröffentlichen.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ton-Archäologie (Nº 104 #oneaday)

  1. Follygirl sagt:

    Liest sich spnnend… wünsche Dir noch viel Freude damit. Ich kann da gar nicht mitreden, hab sowas nie bessen…
    Liebe Grüße, Petra

  2. puzzle sagt:

    Möge es noch lange funktionieren! Ich habe die Laufgeräusche der Spulen und das mechanische Folien-Knistern des eingeklemmten kleine Stückchen Bandes am Anfang noch im Ohr 🙂 Solche alten eigenen Tonaufzeichnungen anzuhören fühlen sich an wie Zeitreisen – das kann sowohl positiv, als auch negativ überraschen: ich habe die Erfahrung gemacht, daß mich solche akkustischen Wiedererlebnisse stärker „packen“ konnten als alte Fotos, möglicherweise ist man emotional unvorbereiteter?
    Ich habe Erinnerungen an Tonbandaufzeichnungen in meiner Kindheit. Mein Vater hat seinen Unterricht damit gestaltet, was bedeutete, alle hatten leise zu sein, wenn aufgenommen wurde 🙁 und jedes Jahr bei der Weihnachtsbescherung kam eine neue Aufnahme vom Gedichteaufsagen, Singen, Papierrascheln und „Ist-das-ein-schöner-Baum!“ dazu. 😀 Es war schon seltsam, sich selbst als Kleinkind zu hören. (Hat mir aber nicht gefallen.)

  3. Orwo ach wie schön, das weckt Erinnerungen. Ich habe noch 2 Kisten voll mit Orwo Papier! 😉 Liebe Grüße, Steff

  4. Billy-Cara sagt:

    Ich habe im Keller auch noch ein Tonband von meinen Papa,und zig Tonbänder dazu, das ist 4 spurig,oder heißt es 4spulig. Mein Paps hat damals immer Hitparade, und die Charts aufgenommen und auch alles in einem Buch fein aufgeschrieben.Er hatte auch nen Mikrofon dazu, ich erinnere mich,dass ich mit meinen Bruder öfters damit rumgespielt haben.Auf den Bändern ist so einiges von 70 iger,80iger Jahre,bis 90iger dabei .Ich weiß garnicht,ob es noch funktioniert,aber jetzt, wo du das hier schreibst,werde ich das alte Ding mal irgendwann rausholen und mal wieder ausprobieren. Habe letztens auch mal versucht Kassetten zu hören, aber die meisten lallen und krächzen schon mächtig.
    Habe auch noch nen paar Schallplatten, die eigentlich nur noch verstauben,dabei war es manchmal sehr mühsam und schwierig welche zu bekommen. Wenn es bei uns Lizenz-Platten gab, standen die Leute schon 2 Stunden vor Ladenöffnung vorm Geschäft,und manche gab es auch nur unterm Ladentisch. Auch meinereins musste für meinen Papa manchmal anstehen.
    Oder Westplatten, wenn ich daran zurückdenke, dass ich damals nur für eine Platte so zwischen 100 bis 180 Mark ausgegeben habe, boah,war schon krass.
    Und dann der Weg nach Hause , die Platte musste gut versteckt werden,bin dann irgendwelche Schleichwege ,Gassen und Hinterhöfe lang, damit sie mich net erwischen und mir die Platten wieder abnehmen und mir ne Strafe auf erlegen,
    Mein krassesses Erlebnis war von ca 20 Uhr bis 5.30Uhr früh auf’m Polizeirevier mit Verhör und allem drum und dran und auch mit Vernichtung der Schallplatte vor meinen Augen Das Verhör mit diesen blendenden Licht im Auge und dem klappenden Regal auf dem Tisch, das störte mich damals net so sehr, wie die Vernichtung der Platte, das brannte im Herz,
    tcha, das waren damals schon crazy Zeiten

  5. ja das waren Zeiten … ich hatte mir damals auch eine Beatles Platte besorgt für gaaanz viel Geld 150 Mark und als ich die zu Hause auf meinem Plattenspieler legte, kam das blanke ENTSETZEN, irgendso eine Band deren Namen ich nicht mal kannte.
    Ich war 17 und total enttäuscht und wütend das ich den Gaunern auf dem Leim gegangen bin *tz*

    Heute alles nicht mehr nachvollziehbar, wir waren total verrückt , was wir so alles anstellten um an englische „Westmusikplatten“ heranzukommen und vorallem was wir bezahlt haben.

    Ein Foto s/w hat mir mein Dad besorgt , ich war gerade 14 und war sooooo glücklich, er wohl auch das er mir ne Freude machen konnte, so einen Augenblick vergißt man niemals 😉

    …. danke für den schönen Erinnerungsblog!

    Ich habe nur noch ein paar alte AMIGA Platten .

    LG TB

  6. Himmelhoch sagt:

    Ich habe die Demo vom Alex auf 3 Kassetten, mir aber m.M. nach später nie wieder angehört. Und Kassettengeräte sind ja auch kaum noch üblich, meine Schallplatten höre ich auch kaum bzw. gar nicht mehr.
    Übrigens, das mit den Briefen hat sich erübrigt – ich habe sie gefunden, sie sind gar nicht Sütterlin, sondern nur schlecht lesbare normale Schrift – und den Inhalt fand ich bisher nicht unbedingt lesenswert.
    Manchmal denke ich, dass man viel zu viel aufhebt und dann gar nicht die Zeit hat, das Alte zu genießen, weil man das „Jetzt“ und „Hier“ bewältigen muss.

    • der_emil sagt:

      Das Band läuft grad wieder: Disco-Musik (auweia, hab ich sowas wirklich mal gemocht?) in mäßiger Qualität. Gut, ich habe die Bänder nicht besonders pfleglich behandelt, sie lagern trocken, aber weder kühl noch staubarm – und wenn ich das bedenke, so ist es doch noch erträglich. Selbstgebrannte CDs/DVDs hätten keine 25 Jahre durchgehalten.

      Meine Schallplatten sind dann nach den Bändern wiedereinmal dran.

      Das Falsche hab ich meist aufgehoben, und ganz sicher viel zu wenig … (Deinen letzten Satz hab ich mir erstmal gespeichert, der scheint Potential für einen ganzen Text, wenn nicht sogar für eine kleine Textserie zu haben.)

  7. twixraider sagt:

    Vattern (mittelhohes Tier in der Werbung bei NCR) hat mal einen merkwürdigen Prototyp eines Audioaufzeichnungsgerätes mit nach Hause gebracht, der in Grösse und Form einen modernen Tischscanner glich. Unter eine Glasplatte wurde ein DIN-gelochtes A4-Blatt Magnetfolie eingelegt, die von einem darunter kreisenden Lesekopf abgetastet wurde. Im mechanischen Prinzip also ein umgedrehtes Floppy-Laufwerk. Über ein Mikrofon konnte man ca. 15 Minuten Mono aufnehmen, die Wiedergabe erfolgte über Kopfhörer. Richtig, ein Diktaphon für Bürokraten, die alles in Aktenordnern abheften. Abgesehen davon waren die Blätter bereits nach wenigen Überspielungen bis zur Unkenntlichkeit verrauscht, was die Faszination als Spielzeug rasch verfliegen liess. Dieser Irrläufer der Bürotechnik ist nirgendwo verzeichnet, die Firmengeschichte ist aber trotzdem interessant:

    http://de.wikipedia.org/wiki/NCR_Corporation

    http://en.wikipedia.org/wiki/NCR_Corporation

  8. zeitreisen sagt:

    Ich habe auch noch so eine Spule, aber abspielen kann ich sie nicht, weil ich dazu dein Gerät brauche, dass 4 spurig läuft. Weg werfen konnte ich sie bis jetzt nicht.

    • der_emil sagt:

      Das Gerät dazu steht hier! 😉 Ich bin am nachdenken darüber, wie ich Tonband und PC miteinander verbinden kann, um das eine oder andere zu retten.

      • zeitreisen sagt:

        Das wär was, aber die Technik findet jeden Tag eine neue Errungenschaft. Ich weiß was drauf ist. Popmusik aus den ersten 70er Jahren. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich vom Musikgeschmach meiner Eltern abgenabelt und musste mich regelmäßigen Kontrollen unter ziehen. Bei Crazzy Horces von den Osmonds ist mein Vater mit verdrehten Augen geflüchtet.

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