Gejammer? (Nº 106 #oneaday)

Ihr müßt es ertragen

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Und ihr dürft gern eure Meinungen und eure Erfahrungen dazu äußern

Gestern war Freitag. Das Wochenende begann. Oder besser: Die Woche endete.

Wie so oft seit Beginn dieses Jahres sitze ich hier und frage mich, wo diese Woche geblieben ist? Was habe ich denn in dieser Woche geschafft – oder geschaffen?

Wenn ich mich hier umsehe, dann finde ich nichts Bleibendes, nichts von Wert, nichts, worauf ich stolz wäre. Ist das das Los einer Hausfrau? Der Abwasch ist erledigt, der Dreck von den Vögeln türmt sich nicht zu Häufchen auf …

Meine Wohnung ist so unordentlich, daß ich mich darin wohlfühle. Es ist so aufgeräumt, daß ich nach etwa 30 Minuten Vorwarnzeit jemanden hereinbitten kann. Und mein Besuch findet dann auch einen Sitzplatz, ohne daß ich meinen Schlafplatz wegräumen muß.

Ja gut, die Fenster putz‘ ich nicht extra … (Obwohl die es mal nötig hätten. Aber wie macht man das, wenn man unter panischer Höhenangst leidet und im neunten Stock wohnt?)

Wie ihr vielleicht (nicht) wißt, bin ich EHB und erhalte Leistungen nach SGB II. Ich muß nicht auf Arbeit gehen, hätte auch keine Zeit dazu. Weil ich mich nämlich engagiere, anderen Menschen Hilfe und Unterstützung biete, z. B. wenn es zur ARGEn Behörede, jetzt Jobcenter genannt, geht.

Manchmal bin ich auch wirklich kleinlich, wenn ich unmögliche Zustände in meiner Stadt entdecke. Gefährliche Stellen, kaputte Fußwege, sinnlose Verkehrsschilder … Die Plakatierungen auf den Radwegen bzw. an den danebenstehenden Laternenmasten zum Beispiel, an denen sich ein Radfahrer den Kopf einrennt oder die Augen aussticht.

Aber was ist das Ergebnis dieser Woche? Sieben Seiten Buchtext hab ich verfaßt, neun Blogbeiträge geschrieben, etwa 25 Kommentare verfertigt. Von den gefühlt 250 Photos waren ganze 15 brauchbar. Ach: Mit meinen Vögeln spreche ich täglich etwa eine Stunde – ich könnte auch sagen, daß sie mir täglich eine Stunde das Pfeifen beibringen.

Einen Brief habe ich geschrieben, dazu 15 Mails. Und ich warte seit langem auf eine Reaktion von meinem Sohn. Ihm habe ich Anfang des Jahres einen Brief geschickt, allerdings noch keine Antwort bekommen. Wurde das Schreiben von meinen Erzeugern abgefangen? Habe ich etwas Falsches geschrieben? Und aus der m² – Aktion gab es auch noch keine Handschrift für mich …

 
Also: Was bleibt von der vergangenen Woche? Bleibt weniger als von einem, der am Band arbeiten geht? Weniger als bei einem Hochschullehrer, einem Finanzbeamten, einem Mitarbeiter des Ordnungsamtes? Weniger als bei einem Bestatter, einer Altenpfelgerin, einer Konditorin? Weniger als bei einem Podologen, bei einer Friseuse, einem Busfahrer?

Was bleibt am Ende der Woche? Nur die Tatsache, daß ich nach dem Haarewaschen einen lustigen Handtuch-Turban trage? Und was bleibt bei euch?

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Das auf dem Bild bin wirklich ich – und wie ihr seht, bin ich auch wirklich verrückt. Oder würde ein "Normaler" ein solches Bild von sich veröffentlichen?

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

106 / 365 – One post a day (WP-count: 488 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Gejammer? (Nº 106 #oneaday)

  1. Ilona Form sagt:

    Lieber Emil,siehst doch gut aus !!! Hast mich ja noch nicht mit gewaschenen Haaren
    gesehen, Hab sehr lange Haare und Sandra lacht sich immer kaputt,wenn sie mich
    mit dem Badetuch um den Kopp sieht. Wenn ich dann noch meinen Kaftan anhab,
    seh ich aus wie aus dem Serail……nur an dem Bart muss ich noch arbeiten.hihihihi
    Grüsse von Illo.*******

  2. puzzle sagt:

    Die Frage nach bleibendem Geschaffenen entspricht unserer Gesellschaft, aber sie wird dich nie an ein zufriedenstellends Ziel bringen können, solange du dein Augenmerk auf Großes, Allgemeingültiges, gesellschaftlich Anerkanntes richtest. Warum eigentlich?

    • der_emil sagt:

      Warum eigentlich?

      Es ist … Es ist mein Gefühl, daß nichts bleibt. Obwohl ja Bleibendes dabeiwar. Zumindest bleiben Erinnerungen und – irgendwo im Netz – ein paar Sätze. Ach, irgendwie ist das in mir alles ziemlich kompliziert geworden.

      Mir fehlt nicht wirklich das Bleibende, sondern das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben. Bei den „kleinen“ Dingen, die ich geschafft habe, will sich das nicht einstellen, weil es eben so „kleine“ Dinge sind.

      Irmi beschreibt das gleich sehr gut …

  3. Irmi sagt:

    Lieber Emil,
    nee, erschrocken bin ich nicht. Nur im ersten Moment war ich etwas verwirrt. Aber jetzt ist ja alles aufgeklärt.
    Es gibt so Tage, da erscheint einem das Leben einfach vertan. Nichts wurde gschaffen, nichts wirklich bewegt. Das ist wohl bei jedem von uns mal so. Und doch vergeht die Zeit rasend schnell. Man hat sich nicht einmal gelangweilt.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Irmi

  4. Veit Keller sagt:

    Etwas Schaffen… diesen Druck kenn ich als Künstler zu gut. Ich überlege mir manchmal, das wenn ich nichtmehr bin, ja die summe meiner arbeiten über mich und mein Leben auskunft gibt. Im kleines ist das auch ende der Woche so, was meist ein Montag ist (bei Künstlern). Wenn ich trainiere, Auftrette, nen Slam mache oder was auch immer… es ist so vergänglich und doch hat man das gefühl in der Brust etwas erlebt zu haben. Auf der Anderen seite steht die Malerei, das Schreiben, usw. ….. das bleibt ewig, doch fehlt da das gefühl meistens zufrieden drüber zu sein. Das ausbessern und nachbearbeiten tilgt stunden um stunden, aber am ende is da nur ein ding. Manchmal kann man drauf stolz sein und sich freuen drüber, so hart und konsequent daran getan zu haben. Doch meist ist es nur der Papierkorb der mich hämisch angrinst oder ein vergessener Ordner mit unfertigen Texten (deren inhalt längst vergessen).
    Ich finde man sollte nicht so weit vorausschauen. Ein ziel ist nie erreicht. Es zählt nur der Moment und die Freude am tun!

    Was bei dir bleibt ist ein Wirken. Deine soziale integration und anteilnahme wirkt weit über deinen schaffenskreis hinaus. Manchmal überflügeln da einige Themen sogar die nächste Woche. Das ist schon zu beneiden.

  5. puzzle sagt:

    „ein Wirken“ – das ist es, und ich bin überzuegt davon, daß die meisten Menschen dies leider an „Geleistetem“, Berührbarem, Gegenständlichem festmachen und darum aus diesem Denkloch so schwer herauskommen.
    Vielleicht wirst du nie davon erfahren, daß du im richtigen Moment am richtigen Platz warst oder das Richtige gesagt hast – na und? Je länger du lebst, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß genau dies schon geschehen ist, auch ohne ein Denkmal irgendwo stehen zu haben-

    • der_emil sagt:

      An Dir scheint eine Philosophin verlorengegangen …

      Danke für’s Aufmuntern.

    • kreadiv sagt:

      Bist Du denn im Geiste völlig frei davon, etwas „leisten“ zu müssen bzw. Dich hin und wieder daran zu messen?

      • der_emil sagt:

        Das war jetzt eine Frage an puzzle oder an mich?

        • kreadiv sagt:

          Lieber Emil, das war eine Frage an puzzle. Ich bemühe mich ja auch so zu denken, nur leider funktioniert das nicht. Wir sind eben zu sehr drauf gedrillt seit Kindesbeinen und leben nun mal leider in einer Leistungsgesellschaft.

          • puzzle sagt:

            so wie es hier im Blog beschrieben ist: ja.
            Ziele habe ich natürlich auch. Eigene.
            Darum ist mir der beschriebene Gedankenweg ja vertraut: erzogen werden wir zur willentlichen Unterwerfung unter das Normative, alles andere wird sanktioniert. Das muß jeder selbst wissen, wessen Akzeptanz ihm wichtig ist.

  6. … ich denke jeder will das sich jemand an uns erinnert, das wir was geschaffen haben woran sich die Menschen erinnern.
    …. irgendwo hat wohl jeder mal solche *Anwandlungen*, damit bist du ganz sicher nicht alleine,
    … letztendlich werden wir es nie erfahren ob sich mal jemand an uns erinnert, aber mit Sicherheit gibt es einige Menschen die dich niemals vergessen werden 😉

    Schönes Wochenende wünsche ich Dir 🙂

  7. Die Hellwache sagt:

    … „Ich muss nicht auf Arbeit gehen, hätte auch keine Zeit dazu.“… Lieber Emil, so geht es wohl den meisten Menschen, die „nicht arbeiten“, aber trotzdem (und erst recht), ihre Lebens- und „Nichtarbeitszeit“ sinnvoll auszufüllen wissen! Und wenn dann mal eine Woche dabei ist, bei der man das Gefühl hat, eigentlich gar nichts von „Wert oder Belang“ getan zu haben, ist das nur ein „gefühltes Manko“! Jeder Augenblick ist von Bedeutung, jeder Moment etwas Besonderes, auch wenn man gerade „nur“ den Abwasch macht … äh … ein ein kleiner Satz (über mich) den ich in den letzten Tagen niedergeschrieben hatte: „Ein durch und durch positiv gestimmter Mensch, schade, aber nicht zu ändern ;-)“! Also, ja, die Zeit vergeht schnell, manchmal „auch einfach so“, doch nichts ist umsonst gefühlt, gedacht, getan, ALLES im Leben hat seinen ganz eigenen Wert. LG 🙂

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