Draußen (Nº 107 #oneaday)

Mittelalterliches Treiben

 
Gestern war ich ja auf dem Doppelten Burgfest hier in Halle (Saale). Mittelalterlich angehauchtes Markttreiben, und vor allem: Scherbelhaufen und The Sandsacks.

Glaubt mir bitte: mir tun die Füße weh vom Springen und Tanzen, die Stimme ist arg angeschlagen vom Mitsingen. Nichteinmal Met half am Ende noch gegen das Kratzen im Halse.

Daß diese Mittelaltermärkte mit dem Mittelalter ungefähr so viel zu tun haben wie ein moderner Eisenbahnwagon mit einem Eselskarren von damals, daß weiß ich. Authentisch ist dort nur die Beutelschneiderei, das Übersohrhauen; und zum Markt damals gehörte Feilschen, das heute nicht mehr erwünscht ist (nur als Beispiel).

Daß auch die meisten Waren so nicht ins Mittelalter passen, ist mir auch klar. Es würde unserer Lebensmittelüberwachung sicher schwerfallen, auch nur einige wenige authentisch mittelalterliche Waren als „zum Verzehr geeignet“ zu deklarieren.

Egal, es war mir gestern eine willkommen Abwechslung. Musik, die ich mag, Leute treffen, die ich kenne. Einfach einen halben Tag unbeschwert genießen. Wenn das Wetter besser gewesen wäre, hätte ich noch mehr Spaß gehabt.

Und als Bonus ein von mir gerne gesungener Text:

 
Das Jobcenter


 
Im Ort ein Amt jetzt residiert,
ich hab das selbst erfahren,
wo man erst einmal sanktioniert,
um kräftig Geld zu sparen.
 
Hier wird der Mensch nicht erst befragt,
wer hier was fordert, ist böse!
Doch ich bin noch nicht ganz verzagt
und fordre mit Getöse:
 
Ihr seid die Quelle aller Not,
die hier den Armen drücket,
Ihr seid’s die ihm das trocken Brot
noch von dem Munde rücket.
 
Ihr fangt stets an zu jeder Zeit,
das Geld geschwind zu streichen!
Und andere Schurken sind bereit,
sich euch schnell anzugleichen.


Was kümmert’s Euch ob arme Leut
Kartoffelschalen essen,
wenn Ihr nur könnt zu jeder Zeit
den besten Braten fressen.
 
Hier hilft kein Betteln, hilft kein Fleh’n,
umsonst ist alles Klagen,
gefällts Euch nicht so könnt Ihr geh’n
am Hungertuche nagen.
 
Nun denke man sich diese Not
und Elend dieser Armen,
zu Hause oft kein Bissen Brot,
ist das nicht zum Erbarmen?
 
Erbarmen, ha! Ein schön Gefühl,
euch Kannibalen fremde,
und jedes kennt schon Euer Ziel,
der Armen Haut und Hemde.
 

Holt mich der Tod, seid ein’s gewiß,
nicht schmählich will ich enden,
das Brot nicht tragend im Gebiß
dafür das Schwert in Händen!

Viel hab ich an dem Lied Das Blutgericht, das zum Schlesischen Weberaufstand 1844 aktuell war, nicht ändern müssen.
 

Wer weiß – vielleicht geh ich heute nochmal hin …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Draußen (Nº 107 #oneaday)

  1. Himmelhoch sagt:

    Gibt es denn noch die Kunsthochschule auf Burg Giebichenstein?

  2. zeitreisen sagt:

    Hallo Emil,
    nett zu hören, dass du an Mittelaltermärkten Spaß findest. 🙂 Recht hast du, Mittelalterspecktakel hat so viel mit Mittealter zu tun wie Kirmis (Jahrmarkt) mit dem wahren Leben. Wenn du eine authentische Veranstaltung besuchen möchtest, dann empfehle ich dir die musealischen Veranstaltungen. Die werden wissenschftlich begleitet und sind nicht ausschließlich auf Kommerz aus. Torgelo im Ukranland, wäre so eine Gelegenheit. Ich weiß nicht, wie weit weg das von Halle ist. Oder das Vikinge Center in Ribe, Dänemark http://ribevc.net.dynamicweb.dk/Default.aspx?ID=1243 in zwei Wochen bin ich auch wieder dort. Auf meinem Blog, unter Veranstaltungen kannst du mich auch Aktion sehen.

    Aus Erfahrung kann ich dir sagen, es ist ein himmelweiter Unterschied, ob du mit auf baust oder als Touri dabei bist.

    Sonnige Sonntagsgrüße,
    Monika

    • der_emil sagt:

      Hm. ich war vor vielen Jahren mal im Oldtidsparken Skærbæk. Irgendwo im südlichen Dänemark … Aber das ist mir zu weit weg.

      • zeitreisen sagt:

        Stimmt, der Oldtidspark ( ich kenne nur den in der Nähe von Römö) deckt die Steinzeit ab. Mit einigen Änderungen, könnten wir Bronzezeit noch machen, aber Steinzeit ist zu speziell.
        Von Halle nach Ribe ist es ein gutes Stück, aber nur ungefähr 50m weiter, wie von mir nach Ribe. 600km für ein Wochenende ist reichlich, das ist wahr. 👿

  3. frizztext sagt:

    viel Spaß beim Fest!
    ich guck auch gern in die Vergangenheit:
    http://flickrcomments.wordpress.com/2011/04/17/genealogy/

  4. kreadiv sagt:

    Die Atmosphäre ist bei solchen Festen normalerweise schön unbeschwert, das finde ich auch sehr ansteckend 🙂

  5. phylax2 sagt:

    Die Melodie zum Texte ist mir wohlbekannt. Wär`es dem Herre genehm, wenn ich seinen Text verbreiten würd?

    • der_emil sagt:

      Da der Originaltext ein gemeinfreies Werk sein sollte (auch wenn ein Teil davon Gerhart Hauptmann zugeschrieben wird, doch der ist lange genug tot) und meine Werke (dieses hier auch!) unter cc stehen: Bitte, gerne doch.

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