Mein Kopf raucht.
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Wahrscheinlich denke ich doch zuviel. Vor allem über Vergangenheit denke ich zuviel. Außerdem lese ich sehr viel.
Zur Zeit versinke ich in den "Erdsee"-Büchern von Ursula K. Le Guin. Triviale Unterhaltungsliteratur. Zwischen den verschiedenen Werken gab es eine längere Pause, und zum Wiedereinstieg in die Welt "Erdsee" schuf die Autorin ein Bändchen mit mehreren abgeschlossenen Erzählungen.
"Das Vermächtnis von Erdsee" hat zusätzlich noch ein Vorwort. Darin schreibt Ursula K. Le Guin Über ihre Wiederannäherung an den Stoff und wird dabei sehr philosophisch:
Selbst wenn wir Zeuge eines historischen Ereignisses sind, begreifen wir es nicht erst dann – ja, erinnern wir uns überhaupt erst daran -, wenn wir es als Geschichte erzählen können? Und was Ereignisse außerhalb unseres raumzeitlichen Erfahrungshorizontes angeht, können wir uns auf nichts anderes verlassen als auf die Geschichten, die andere Leute uns erzählen. Vergangene Ereignisse existieren letztlich nur in der Erinnerung, die eine Form der Vorstellung ist. Das Ereignis ist jetzt wirklich, doch sobald es damals ist, hängt der Fortbestand seiner Wirklichkeit ganz von uns ab, von unserer Sichtweise und unserer Aufrichtigkeit. Lassen wir zu, daß es unserem Gedächtnis entfällt, kann nur die Vorstellungskraft einen schwachen Schimmer davon bewahren. Wenn wir über die Vergangenheit lügen, sie zwingen, eine Geschichte zu erzählen, wie wir sie hören wollen, eine Bedeutung zu haben, die unserem Wunsch entspricht, verliert sie ihre Wahrhaftigkeit und wird zur Fälschung.Ursula K. Le Guin: Das Vermächtnis von Erdsee.
Wilhelm Heyne Verlag München 2001, S. 10. ISBN 3-453-18816-0
(Ganz unkommentiert mag ich dieses Zitat nicht stehenlassen.)
Videos, Filme, Blogs, Tweeds – alles nur Geschichten, die wir erzählen und die erzählt werden. Auch mit diesen kann gelogen werden – nichteinmal mehr Live-Sendungen sind Garantie für die Übertragung der tatsächlichen Bilder (Werbebanner in Fußballübertragungen werden während der Übertragung der Bilder in Echtzeit eingearbeitet!).
Und bei all dieser technischen Mitteilerei geht das Geschichtenerzählen verloren. Sowohl die sprachlichen Fähigkeiten des Erzählens als auch die Fähigkeit des Zuhörens.
Immer weniger auch der Familienerinnerungen bleibt erhalten. Schaut doch mal nach: Hab ihr noch Photographien von euren Großeltern? Eigene Schulanfangsfotos? Nein? Damals wurde alles auf die VHS-Kassette aufgenommen? Schaut sie euch doch wiedermal an! Geht nicht mehr? Kein Abspielgerät – oder kaum noch was zu erkennen auf dem Band?
Oder denkt an eure Jugendweihe, Konfirmation, erste Hochzeit. Und dann laßt eure Erinnerung kommen. Erählt mal wieder eine Geschichte, an die ihr euch erinnert. Nicht hier, erzählt sie einem neben euch sitzenden Menschen.
Übrigens: Gestern erst war die Erinnerung auch Thema bei Frau Quadratmeters "Weißt du noch?" Den Text für diesen Blog hier schrieb ich schon am Dienstag, ich mußte ihn jetzt nur noch um den Verweis ergänzen.
Zufälle gibt’s, die gibt’s garnicht.
Der Verfasser des Blogs schleicht erinnerungsschwer davon und dankt für’s Lesen.
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Tach Emil, ich bin ein Sammler und erinnere mich gerne. Habe Bilder der Grosseltern
auf denen sieKonfirmation (geb, 1906) Hochzeit,Silberhochzeit haben,Babyfotos
meiner Mutter,ebenso Hochzeitsfotos. Leider auch Fotos ihrer Beerdigung weil sie
leider mit 25 starb. Die Grosseltern haben mich adoptiert und meine Einschulungsfotos find ich zum brüllen. Oma,die ja da meine Mutter war und der
Uropa. Ja wir hatten nur einen Fotoapparat und ich hüte diese Bilder…soll sie mal ein anderer wegwerfen. Es sind so viele……… Gruss von Illo.*****
Ach Illo. Wir sind da wie Dinosaurier. Ich denke da an die heute 25-/30jährigen, denen solche Bilder fehlen; ich denke an die Halbstarken, die sowas nicht mehr selbst erfahren haben.
Trivialliteratur wird unterschätzt. Wie immer kommt es auf die Einstellung an, mit der man sich selbst damit auseinandersetzt, anstatt sich nur berieseln zu lassen. Lass dir nicht immer einreden, du denkst zu viel. Du denkst soviel, wie es für dich notwendig ist, und fertig. Wenn das anderen unbequem ist, braucht man sich nicht schuldig zu fühlen, – jeder soll, wie er kann und muß. Wer nicht kann, läßt es auch nicht freiwillig.
Es redet mir niemand ein, daß ich zuviel denke. Manchmal glaube ich das nur von mir selbst. Und dann äußere ich es, um mich – ja, um mich schon im Voraus zu entschuldigen / mich zu erklären. Ich weiß, daß das überflüssig, ja sogar „schädlich“ ist – aber es ist eine (schlechte) Angewohnheit.
Es ist gar nicht so einfach, sich von diesem automatischen Nettigkeitssyndrom zu befreien und nur noch zu erklären, wenn man möchte. Aber es tut verdammt gut, auch mal mitleidlos kryptisch zu sein.
Ich bin zuversichtlich bezüglich der Erinnerungen. Ob es nun Fotos sind, Videos, Geräusche, Gerüche, Musik … Wir speichern unsere Erinnerungen ja ganz automatisch. Die Technik hilft uns beim Archivieren und Hervorholen. Das heißt, wir machen das nicht aktiv und bewusst, sondern das macht unser Hirn mit uns. Und wie werden wir dabei von unserem Gehirn getäuscht. Das ist gar nicht mal ein „lügen“. Unser Gehirn speichert Gefühle ab. Und wie wir eine Situation empfinden, hat viel mit uns selbst zu tun. Habe vor einiger Zeit einen Post dazu geschrieben, als ich mich selbst dabei erwischt habe, das manche Erinnerungen trügerisch waren: http://mayarosasweblog.wordpress.com/2010/11/14/erinnerungen/
Habe gerade so eine kühne Idee: Was passiert wohl, wenn man jemandem ein Kindheitsfoto von ihm/ihr zeigt von einer Situation, die es gar nicht gab. Ist mit Photoshop ja ein Klacks. Ich meine, es gab sogar mal genau so eine Untersuchung.
Ja, da gab es mal eine Zwillingsstudie (WIMRE) …
So langsam glaube ich, daß «Erinnerungen» ein unerschöpfliches Thema sein können …