Eine der sonderbaren Ideen, die im Denkicht Runden drehen.
Ich will mir aus Worten mein Leben zurückholen. Nein. Das stimmt ja überhaupt nicht. Das ist ja ganz anders.
Ich lese. Wie fast immer drei Bücher parallel. Immer mal wieder zwei oder drei der „Briefe aus Schulzenhof” von Eva Strittmatter (oh, wie sehr ich manchmal die Briefe vermisse, auf die sie da antwortet). In denen finde ich so viele Sätze, die zu meinem gelebten Leben passen: Sie schreibt ja in auch meiner Vergangenheit über meine Vergangenheit bzw. über die Vergangenheit, die ich damals miterlebte. Mit diesen Sätzen aus wohlbekannten Worten versuche ich, Lücken in meinen Erinnerungen mir wieder zugänglich zu machen – es gelingt aber nur selten.
Ich will mir mit Worten meine Erinnerungen zurückholen. Aber ich will auch noch mehr.
In anderen Büchern suche ich … Ja, was denn? Ich möchte eine Vorstellung finden, einen Traum. Wie hätte mein Leben sein können, wie würde ich mich an mein Leben erinnern, wenn … Wenn ich diese oder jene Entscheidung getroffen, anders getroffen oder nicht getroffen hätte? Wenn ich da weggelaufen und dort dortgeblieben wär? Wenn ich da unabhängiger gewesen und hier viel enger verbunden gewesen wäre? Wenn ich da mehr und dort weniger gedrängt hätte? Meine Phantasie ist gefragt und doch überfordert.
Deshalb suche ich Worte, Sätze, Szenenbeschreibungen. In und mit denen ich all die Hiers und Dorts zumindest im Denkicht durchspielen kann. Ziel des Ganzen: Ich bestätige mir meine Überzeugung, daß alles Andere als mein gelebtes Leben zwar anders gewesen wäre, aber eben doch nicht meins. Und ich habe keine Handhabe, um festzustellen: So wäre es besser, so wäre es schlechter gewesen. Doch ich will mit Worten durchspielen, was wie für mich denkbar und möglich gewesen wäre.
Eine meiner sonderbareren Ideen, nicht wahr?
Erinnerung des Tages:
Ich bereue nicht, daß ich vor langer Zeit Geld ausgegeben habe, um besondere Erfahrungen zu machen.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden machten mich am 05.11.2026 NuMiRoSo, der echte Mittagsschlaf, das noch immer andauernde Wohlgefühl.
© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

