190.2026: Uferlos

Fluß und Lied und Zeit und Liebe und Regen.

 

 

Bei der Hitze in den letzten Wochen hatte ich es nie bis hierher geschafft. Und auch heute hätte ich … Aber nur beinahe. Bei dem sanften Landregen, so dachte ich, geht das schon. Deshalb sitze ich jetzt hier unter dieser Kastanie auf der Bank und schau aufs Schwarz­wasser, das gerade noch so über die Steine in seinem Bett fließen kann. Na, vielleicht sorgt der Regen dafür, daß sich die Lage der Flüssen entspannt, wieder ausreichend Naß vorhanden ist. Es muß ja nicht gleich Hochwasser kommen! Dann säße ich jetzt nicht nur im Regen hier, sondern auch mit meinem Arsch im Wasser, wie es vor ein paar Jahren gewesen wäre. War kein schöner Anblick, hat mir sogar Angst gemacht. Damals war die Bank hier komplett unter Wasser, waren über zweieinhalb Meter Hochwasser im Fluß. Ich hab es mir nichtmal von der Brücke aus ansehen dürfen, die war damals auch gesperrt. Die Spuren am Baum sind längst wieder verblaßt – ich hätte sie damals markieren sollen …

Heute, hier im Regen, unter dem Baum und unter meinem großen Regenschirm, beobachte ich das Schwarzwasser, wie es vorbeifließt. Und ich stelle mir vor, wir könnten die Zeit auch so fließen sehen. Ob das unseren Umgang mit ihr verändern würde? Wäre ich erschrocken über diese schiere Urgewalt, die ich da an mir vorbei­rasen sähe? Oder würde ich verzweifelnd auf wenige winzige Tröpfchen schauen, die schon auf ihrem Weg an mir vorbei zu verschwinden scheinen? Wie „die Zeit” wohl aussehen würde, welche Farben sie wohl hätte. Vielleicht wäre sie geschwin­dig­keits­abhängig getönt?

Der Regen hat aufgehört. Plötzlich habe ich dieses Sommerlied im Ohr, das ich aus meiner Jugendzeit noch kenne …

 

 

Wer dieses Sommerlied nicht kennt: Das „Liebeslied” (auch bekannt als „Leicht und uferlos”) der Klaus Renft Combo gibt es dort in der Version von 1994.

 

Erinnerung des Tages:
Klassenfahrt, Ende der 7. Klasse, auf dem Darß. Vor der Unterkunft tauchte eine Kawasaki Z1000 auf, manche von uns durften hinter dem italienischem Besitzer eine Runde übern Platz mitfahren (ich nicht).

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden machten mich am 20.08.2026 mein Ausschlafen, ein bearbeitetes Bild, der erledigte dringende Einkauf (Toilettenpapier).


© 2026 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2026, Geschriebenes, Miniatur, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert