Der Klang ist so charakteristisch: Das große Orchestrion.
Draußen wird es dunkel, der Sonntag geht seinem Ende entgegen. Wie jeden Abend sitze ich da und überlege, was ich heute alles „geschafft” habe. Aufstehen, Schreiben, etwas Scannen, zwei Stunden anwesend sein beim Vereinstraining – bei dem ich nichts zu trainieren habe, aber Informationen bekomme und loswerde.
Einmal mehr wundere ich mich darüber, daß die Zeit auch beim scheinbaren Nichtstun so schnell verrann und verrinnt. Dabei bin ich mir sicher, heute nicht getrödelt oder Zeit verträumt zu haben. Und doch scheint einiges davon vergangen zu sein, ohne daß ich (bewußte) Erinnerungen daran habe. Deswegen werde ich dennoch nicht anfangen, mir alles akribisch aufzschreiben, aufzulisten. Wobei sollte mir das helfen können? Eben, bei nichts, das wirklich von Bedeutung ist.
Daran bleibe ich hängen: was wirklich von Bedeutung ist. Ich versuche, mir dazu Notizen zu machen. Aber wie kann ich all die Dinge beschreiben, die mir in den Kopf kommen. Und zählt „Blowjob” tatsächlich dazu oder „Klopapier”? (Entschuldigung, aber das waren die ersten beiden notierten Begriffe.) Ich bin weder mit der Frage noch mit irgendeiner Art von Notizen als Antwort darauf fertig und werde beides mit in den Schlaf nehmen, denke ich.
Die schweren Brocken fallen mir zumeist abends zu. Und es dauert dann länger, einschlafen zu können, weil das Karussell im Kopf sich mit lauter, nach übergroßem Orchestrion klingender Rummelmusik noch dreht. Nachher schick ich den, der mit seinem Hund in der Nacht auf dem Rummelplatz Wache hält, zum Hauptschalter; der kümmert sich hoffentlich darum.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
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