040.2026: Zu verstörend

Und es fehlt der spezielle Klang des Wortes aus diesem Mund.

 

 

Da sitzt sie in ihrem Lehnstuhl – ja, wirklich in einem sehr altmo­di­schen Lehnstuhl – und denkt nicht zum ersten Male darüber nach, das Draußen mit all den beschissenen – ein anderes Wort ist nicht mehr angemessen – Nachrichten auszusperren aus ihrem Leben. Radio und Fernsehgerät nicht mehr einzuschalten. Den Zugang zum Internet zu kappen, die Zeitungs- und Zeitschriften­abonne­ments zu kündigen. All dieses auf sie Einstürmende ist mittlerweile zu verstörend. Sie könnte sich doch auf das eigene Leben beschränken, auf ihre inneren Welten, von denen sie so viele hat, daß sie darüber schreiben muß, erzählen will.

Das eigene Leben … Ja, aber was ist dann – ohne das alles – noch ihr eigenes Leben? Fehlt von eben jenem Leben dann nicht viel zu viel? Und sie denkt an ihre Urgroßmutter, die sie als Kind zum Glück noch kennenlernen durfte. Wilfriede, die zu jedem, wirklich jedem in ihren Augen modischen Schnickschnack immer nur sagte: „Ach, Erdmutchen, als ich noch jung war, lebten wir sehr gut ohne diesen Tingeltangel.” Sie hatte sich nie erlaubt, nach der Bedeutung dieses Wortes zu fragen. Später hatte Tante Erdmute nachgelesen, was es bezeichnet. Aber ohne den Klang der urgroßmütterlichen Stimme blieb Tingeltangel Zeit ihres Lebens leer und gestaltlos.

 

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 040.2026: Zu verstörend

  1. anneeulia sagt:

    Man kann ganz klasse ohne Internet leben.
    Also ich nicht, aber die Kriegsgeneration meiner Eltern kann das super auch wenn es schwieriger wird von Jahr zu Jahr.
    Meine Eltern haben definitiv nicht vor sich mit 87 und 85 Internet oder einen Computer anzuschaffen.

    • Der Emil sagt:

      Ich konnte das auch, bis ich 24 war. Dann gab es an der TH die ersten, streng geregelten Zugänge zu dem, was später allgegenwärtig wurde. Ich erlebte auch noch die TLD .dd und später die Anfänge per gopher:// …

  2. anneeulia sagt:

    Ich hab auch erst mit mitte 20 einen ersten Computer gehabt, aber ich wusste auch immer dass mich dieses Medium schnell süchtig machen konnte, gerade das Internet.
    Somit ist das etwas kompliziert.
    Aber das Leben meiner über 80 Jährigen Eltern wurde es definitiv gerade jetzt so mitten auf dem Land leichter machen.
    Aber die wollten das definitiv nie genauso wenig wie Sie nie einen Videorecorder hatten oder eine Microwelle.
    Meine Mutter schreibt ihre Geschäftsbriefe für alles immer noch mit Durchschlag mit der guten alten Schreibmaschine.

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