Zwei Worte, ein Ding – und Gegend und Geschichte.
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Im deutschen Sprachraum gibt es (mindestens) zwei Worte für ein kleines, stehendes Gewässer: im Süden und Südwesten ist es der Weiher, andernorts der Teich. Ja, auch Tümpel wird verwendet, aber damit wird ja zumeist ein versumpfter, schlammiger, trüber Weiher oder Teich bezeichnet. Eventuell wäre es möglich, Weiher und Teich als mundartliche Eigenheiten anzusehen. Doch ich war – wie so oft – neugierig: Warum zwei so grundverschiedene Worte?
Nun, ich kenne aus dem Erzgebirge, aus der Gegend meiner Kindheit und Jugend, übrigens beide Bezeichnungen. Es gibt den Filzteich bei Schneeberg, eine der ältesten Talsperren (1483-1485 erbaut als Reservoir für Aufschlagwasser im Bergbau) des Erzgebirges. Und ganz in der Nähe gibt es zwischen Geyer und Ehrenfriedersdorf den Greifenbachstauweiher, eine noch ältere (wahrscheinlich seit 1396 existierende) Talsperre, auch dieses Wasser wurde im Bergbau genutzt.
Zwei alte Talsperren, eine wird Teich, die andere Weiher genannt. Und das liegt nicht an unterschiedlicher Größe. Es gibt wohl keine nachweisbare Erklärung für die unterscheidlichen Bezeichnungen. Vielleicht läßt sich die geografische Verbreitung beider Worte als Begründung dafür heranziehen: Die ersten Siedler und seßhaft werdenden Bergleute im Erzgebirge kamen im 12. Jh. aus Süddeutschland (Weihergebiet) und aus dem Harz (Teichgebiet). So haben die Leute für die von ihnen erbauten kleinen Gewässer wohl das ihnen geläufigere Wort genutzt. (Das Wort „Talsperre” gab es damals noch nicht, das taucht erst nach 1800 in der deutschen Sprache auf.)
Warum aber in der einen Gegend eine Entlehnung aus dem Lateinischen zum Wort für das kleine stehende Gewässer wurde (vivarium wurde im Lauf der Geschichte zum Weiher) und in der anderen Gegend eine Entwicklung aus urspünglich einen Damm oder Graben bezeichnender Worte (tīch, dīk, dīch wurden – übrigens erst bedeutungsdifferent im 18. Jh. – zu Teich und Deich) sich durchgesetzt hat und benutzt wird, das darf jede:r für sich selbst herausfinden, wenn Interesse daran besteht.
Ich gestehe, daß ich nachgesehen habe, nachlesen mußte. Im Wörterbuchnetz, im Digitalen Wörterbuch der Deutschen Sprache (DWDS) gibt es das Etymologische Wörterbuch des Deutschen, das ich sehr hilfreich finde.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 1. Juli 2023 war ich zufrieden mit vielen interessanten Gesprächen, mit einem Moskauer Eis, mit einem mir geschenkten Stück Handschrift.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Das hat mich ja jetzt doch neugierig gemacht und ich habe dies als erste Antwort im Netz erhalten:
https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/naturschutz/vielfaltleben/gemeindenetz/tipps/unterschied.html#:~:text=Ein%20Weiher%20ist%20ein%20langlebiges,Wasser%20des%20Weihers%20nicht%20ablassbar.
Meine beiden Beispiele sind BEIDE ablaßbar, stellten beide Wasser für die in der Nähe befindlichen Bergwerke bereit …
Dann ist es bei dir in der jeweiligen Region mundartlich!?
Ich kenne auch beide Begriffe, wobei ich eher Teich als Weiher sage.
Bis jetzt dachte ich stets ein Teich wäre freier von Bepflanzung und ein Weiher eher zugewachsen.
Nein, eher nicht mundartlich. Sondern nach der Sprache der Herkunftsgegend benannt, also mit dem Begriff, den die Zugezogenen in ihrer Heimat verwendeten. (Leider sind die beiden Worte im Atlas der Alltagssprache noch nicht aufgenommen.)
Also ich hab im Studium gelernt (manches behält man sich ja), dass ein Tümpel ein kleiner Teich ist, der im Sommer meist/oft/jetzt wohl immer austrocknet. Weiher ist für mich die süddeutsche Bezeichnung für Teich, komme definitiv aus einer „Teichgegend“, der Begriff „Weiher“ ist mir erst später begegnet.
Unabhängig von der Herkunft der Begriffe hab ich mich bloß immer gefragt: Was ist Teich und was ist See? Die Klärteiche (große Fläche) und gefluteten Tagebaue (groß und sehr tief) in meinem Heimatdorf heißen alle Teich, Schwimmen gelernt hab ich in einem Heidesee, der viel kleiner war…
Das Wetter hier produziert aktuell jedenfalls Pfützen. Endlich!
Ja, ich habe am Wochenende auch Regen erlebt (und fand ihn nicht besonders gut für das Markttreiben, aber ganz wunderbar für die Natur).
Ich werde sicher noch mehr über die zwei Worte herauszufinden versuchen.