Heute Nacht (Nº 240 #oneaday)

… ist nichts «normal» und vieles schwer.

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Ich habe versucht “vorzuschlafen”. Das hat nicht funktioniert.

Zu vieles spukt mir durchs Hirn. Denn hier liegen zwei angefangene Briefe. Das eine Schreiben kommt nur sehr langsam voran: Zum einen kann ich manche Frage nicht beantworten – ich habe Erinnerungen konsequent unterdrückt, bis ich wirklich vergessen habe – und zum anderen sind manche Sätze ziemlich schmerzhaft, wenn ich sie aufschreiben soll, sogar schon, wenn ich sie denken muß. Der andere Brief enthält auch einige meiner Ideen für eine Zukunft – so ungewiß und unwahrscheinlich manches davon erscheinen mag.

Das alles zu formulieren ist weitaus schwieriger, als ich dachte. Schreiben kann ich ja, auch dann, wenn ich sehr berührt oder betroffen bin. Alledings scheinen einige Aussagen sich der Formulierung zu widersetzen, sehr heftig zu widersetzen. Und so drehen sich einige meiner Gedanken weiterhin im Kreis.

Gibt es ein probates Mittel, dieses Kreisen zu durchbrechen, die sich widersetzenden Gedanken doch zu bannen auf ein Papier oder meinetwegen (und ausnahmsweise) auch direkt in eine Datei? Hilfe! Selbst Stichwortsammlung und Positiv-Negativ-Listen versagen bisher.

Ich weiß, wenn die Zeit reif ist, dann drängen die Sätze von selbst heraus – nur: Jetzt ist die Zeit dazu, jetzt erscheint es mir nötig.

Zum Teil, um mich davon zu befreien. Zum Teil, um endlich einige Versprechen einzulösen. Zum Teil, um wieder “heil” zu werden (ein Ganzes, aus den Bruchstücken wieder zusammengesetzt). Und aus noch so vielen anderen Gründen und Vorwänden.

Nun, heute Nacht bin ich zumindest abgelenkt. Heute Nacht bin ich beim Verein, dessen Mitglied ich bin, im Arbeitseinsatz. Hoffentlich lassen sich trotz des Latrinen- Laternenfestes auch einige Leute dort sehen, wo ich heute Nacht bin. Dann würde ich nicht umsonst und überflüssigerweise 'rumstehen.

Ich nehme das Schreibzeug mit – kann ja sein, die Muse küßt mich trotzdem heute Nacht …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 27. August 2011 waren zwei weitere Absätze in dem einen, eine weitere Seite in dem anderen Brief und – mal wieder – Nachricht von der Familie.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

240 / 365 – One post a day (WP-count: 357 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Heute Nacht (Nº 240 #oneaday)

  1. freidenkerin sagt:

    Das klingt jetzt vielleicht etwas unbedarft, aber es wird oft gesagt, wenn man Schwierigkeiten hat, etwas zu formulieren, dann solle man sich vorstellen, man schreibe an einen guten Freund…

  2. Follygirl sagt:

    Hoffe Du findest den Ausgang…
    LG und hab eine guten Tag heute, Petra

  3. sucherin sagt:

    Bin ja gespannt, ob Dich die Muse nun geküßt hat – ich wünsche es Dir.

  4. ladyschaft sagt:

    Manchmal hilft es, einfach etwas ganz anderes aufzuschreiben. Oder einen Text über irgendwas zu verfassen, was man gerade vor sich sieht. Was geht Dir zum Beispiel durch den Kopf, wenn Du Deine Schreibischlampe anschaust? Das Buch auf dem Nachttisch? Das Stück Tapete mit dem Fleck …? Oder: Was fällt Dir zu Deinem Nachbarn rechts ein? Zu dem Menschen, dem Du heute Nacht beim Arbeitseinsatz begegnet bist? Zu der Frau, die auf der Bank sitzt und wenint … Da kannst Du Geschichten schreiben, und der Rest, auch Verbindungen zu Dir selbt, kommt dann von ganz allein. Und wenn nicht: Dann ist vielleicht doch noch nicht die Zeit dafür da.

    Und was Musen betrifft: Die sind ja bekanntermaßen flatterhafte Wesen. Nie da, wenn man sie braucht, zum Küssen oft zu faul, und wenn sie doch mal kommen, muss man garantiert gerade etwas anderes erledigen … Kein Verlass auf die Gutsten. Würde ich mich auf die verlassen, ghäb’s noch keinen einzigen Text von mir, geschweige denn Bücher 😉

    Alles Liebe schickt Dir
    Petra

  5. der_emil sagt:

    Die Muse hat mich in der vergangenen Nacht nicht wirklich geküßt. Aber das war garnicht so schlimm, denn ich fand dafür heute etwas in meinem Schrank, in einem Hefter, in den es nicht hineingehörte …

    Die Tips, werte Ladyschaft und werte Freidenkerin, werde ich mir für’s nächste Mal merken.

  6. Ameleo sagt:

    Ich hab diesen Post erst heute Morgen gelesen und dachte, dieses – möglicherweise zunächst stammelnd erscheinende – Suchen nach Worten, also dieser Post bzw. ein Teil davon, könnte doch Bestandteil eines Briefes sein an eine hoffentlich verständnisvolle Person. Ich jedenfalls finde die Worte sehr berührend.

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