Nº 245 (2022) – Verdrängtes

Eine Innenschau überraschte mich ein wenig.

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Ich suchte letzthin nach meinen verdrängten Sehnsüchten und stellte fest: Die meisten von ihnen sind noch da und scheinen frisch und unverbraucht. Doch mittlerweile kann ich mich ihnen nicht mehr so leicht ergeben, wie ich es in jüngeren Jahren wahrscheinlich gekonnt hätte. Das mag an Ängsten liegen, die mit dem Alter nicht kleiner wurden, oder an den spürbaren körperlichen Verän­derungen, die mit dem Alter einhergehen. Aber was bliebe denn übrig von meinem Leben, wenn ich keine Sehnsüchte mehr hätte (selbst, wenn ich die meisten davon aus meinem Bewußtsein verdrängt habe)?

Es gehört so vieles zum Leben dazu, das dennoch nie im Leben umgesetzt, verwirklicht, sich erfüllen wird. Weil es nie eine Möglichkeit dazu gibt. Muß ich deswegen traurig sein? Nein, doch ich bin es, ein klein wenig. Und diese Art der Traurigkeit gehört für mich zu den unerfüllten Sehnsüchten dazu …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 03.09.2022 die mit (Auf-)Schreiben verbrachte Zeit, das „Den-lieben-Gott-einen-guten-Mann-sein-Lassen”, die zugelassene sanfte Traurigkeit.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Bube der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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2 Kommentare zu Nº 245 (2022) – Verdrängtes

  1. Elvira sagt:

    Doch, du darfst traurig sein! Manchmal, wenn einem so knallhart klar wird, dass sich manche Sehnsüchte in diesem Leben nicht mehr erfüllen werden. Das sind, jedenfalls bei mir, keine Sehnsüchte, die an den Finanzen scheitern (doch, davon gibt es auch einige, aber deren Unerfülltheit macht mich nicht so richtig traurig), sondern es sind die, für die ich mehr Zeit bräuchte und auch die Unbeschwertheit und Leichtigkeit der Jugend. Dieses Wissen, dass diese Sehnsüchte niemals gestillt werden können, ja doch, das erfüllt mich mitunter mit großer Traurigkeit.

  2. C Stern sagt:

    Hallo Emil,
    Deinen aktuellen Eintrag habe ich über Nacht auf mich wirken lassen. War auch ein bisschen fasziniert, dass Ähnliches zur gleichen Zeit in Gedanken kreist.
    Innenschau ist etwas, das ich für unerlässlich halte. Sie gehört zu einem Menschenleben – fördert sie doch vieles zutage, Seelenfreude wie Seelenschmerz. Manchmal eben auch lange Zurückgedrängtes, Verstecktes, Verlorengeglaubtes, usw.
    Ein Sehnen, wer kennt das nicht, wer wäre denn nicht auf der Suche?
    Die Suche kippt leider nur allzu schnell in (lebenslange) Süchte und davor möchte ich mich nach Kräften selbst bewahren. Ich scheue mich davor, verbinde ich doch mit „Sucht“ unangenehme Nebenwirkungen, eben für mein Wohlbefinden. Und dennoch muss ich mir eingestehen, dass sie auch vor meiner Seelentüre nicht halt machen, gewisse SehnSüchte – oder auch Hoffnungen.
    Ich glaube, dieses Sehnen tritt auch dann vermehrt zutage, wenn es in Verbindung mit Entwicklungen steht, die möglich sind, aber aus unterschiedlichen Gründen an den eigenen Gaben gezweifelt wird oder diese vielleicht gar nicht erkannt werden. Doch dann gibt es diesen Ruf der Seele, der einen erreichen möchte. Es ist unterschiedlich, wie wir damit umgehen – ob wir den Kreislauf des Verdrängens wieder aktivieren oder doch nach Möglichkeiten suchen, dem Drängen in passender Form Freiheit zu verleihen.
    Mit Sicherheit gibt es „das“, was einem nicht möglich ist. Doch es gibt auch „jenes“, das jenseits aller Unsicherheiten und Ängste möglich ist. So zumindest kenne ich es aus meinem Erleben. Derzeit beschäftigt mich dieses Thema intensiv, „es“ benötigt auch Mut und Ausdauer, das „Dranbleiben“.
    Diese „sanfte“ Traurigkeit kann ich nachempfinden!

    Ist die Sehnsucht auf einen anderen Menschen gerichtet, dann kann sie sehr schmerzhaft sein, auch das kennen viele Menschen aus ihrem Leben. Eine besondere Herausforderung, damit umzugehen!

    Auf weiteres Inspirierendes hier freue ich mich,
    liebe Grüße!

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