Der Waldschrat und das Brennen in dem Auge
To get a Google translation use this link.
Es war einmal an einem Tag, den man heute “Gestern” nennt, da erwachte der bärtige Waldschrat viel zu früh.
Das war schon übel genug. Doch noch viel schlimmer war, daß er in seinem rechte Auge das Gefühl hatte, es läge die ganze große Wüste Arabiens darinnen. Es juckte und kratze zum Verrücktwerden. Der Waldschrat schaute in den Spiegel, wobei er gar furchterregend die Augen verdrehte. Aber nichts war zu sehen in seinem rechten Auge, was diese Pein hervorrufen konnte.
Da versuchte der Waldschrat mit Wischen und Spülen den Schmerzen ein Ende zu bereiten, aber nichts half. Das Auge quälte ihn so sehr, daß ihm nichteinmal sein Morgengebräu aus gerösteten und gemahlenen Bohnen mundete.
So entschloß sich der Waldschrat, zu seinem Lieblingszauberer Dr'med zu gehen, der stets alle seine Wehwehchen zu heilen verstand. Und wenn Dr'med nicht selbst helfen konnte, so verfaßte er flugs ein Schreiben zauberhaften Inhalts. Mit diesem Papier konnte der Waldschrat dann zu Zauberern, Hexen, Elfen und anderen Heilkundigen gehen, ohne weiteren Lohn aus seinem kargen Goldschatz geben zu müssen.
Aber der Lieblingszauberer war unterwegs auf einer verwunschenen Insel. Deren Bewohnern wollte er den Regen wiederbringen. Und nicht vor Ablauf von drei vollen Wochen würde Dr'med wieder in seinem Turm anzutreffen sein. So mußte der Waldschrat sich ohne das Zaubererpapier auf den Weg machen zu Schieler, dem Hobbit, der sich ausgezeichnet versteht auf das Besprechen der Augen.
Doch welch Schreck! Schielers Höhle war verrammelt und verschlossen. Nur am Fensterladen, von dem die grüne Farbe schon etwas abblätterte, hing ein Zettel. “Bin bei Ruluba im Auenland und kehre erst zum nächsten Vollmond zurück. Augenleidende können aber die Hexe Kruziblicka um Hilfe bitten.” Die darunter zu findende Wegbeschreibung prägte sich der Waldschrat ein, so gut als er es nur vermochte, und schritt fürbaß.
Nach einem Weilchen Stolpern duch die Schluchten und über die Steine im Halltal – er sah ja mit dem einen offenen Augen nicht gut, und das schmerzende hielt er geschlossen – erreichte er endlich das hühnerbeinige Haus der Hexe Kruziblicka. Wie groß war allerdings seine Enttäuschung, als er beim Näherkommen am linken Bein des Hauses ein Schild hängen sah.
Mühsam entzifferte der Waldschrat mit seinem einen offenen und tränenden Auge, daß Kruzblicka darniederliege, getroffen vom Fluch des bösen Gnoms Grippvir. Doch Hilfesuchende würde die Elbin Lidschlag empfangen und ihnen Linderung geben, so es in ihrer Macht stünde. Dem Waldschrat schmerzte sein Auge mittlerweile so heftig, daß er den auf dem Schild beschriebenen Weg weiterstolperte und endlich nach stundenlangem Suchen das Baumhaus der Elbin Lidschlag erreichte.
Wie ihr aber wißt, hatte der Waldschrat kein Papier von seinem Lieblingszauberer Dr'med dabei, und ohne dieses sollte ihm nur gegen klingende Dukaten geholfen werden. Seinen Goldschatz hatte er aber bis auf fünf Dukaten auch zuhause gelassen, im sicheren Versteck, denn im Lande trieben sich gar viele zweilichtige Straßenräuber in seltsam einheitlichen Kleidern herum.
Zuvörderst sollte der Waldschrat bei seinem Barte schwören, daß er das Zauberschreiben alsbald abliefern wird bei Lidschlag. Und damit er es nicht vergesse, sprach die Elbin eine Verwünschung über ihn aus: “Bringst Du mir nicht das Schriftstück binnen drei Wochen vorbei, so sollen Dir sogleich alle Haare an Deinem Kopfe ausfallen – auch die Deines Bartes. Und sie sollen für zwei ganze Jahre nicht wieder nachwachsen!”
So muß nun der Waldschrat unbedingt seinen Lieblingszauberer Dr'med aufsuchen und ein Schriftstück für die Elbin Lidschlag sich erstellen lassen. Und er muß dieses Schriftstück dann auch rechtzeitig abliefern, sonst wird ein glatzköpfiger Waldschrat ohne Bart für zwei Jahre zum Gespött der ganzen Welt.
Erst danach besahen sich Lidschlag und ihre Gehilfen das Auge des Waldschrats. Entweder sei ihm des Nachts ein Spinnenbein unter das Augenlid geraten. Oder er habe sich den Zorn des Gnoms Herpesvir zugezogen, welcher ihm daraufhin die quälenden Schmerzen schickte. Wenn es so wäre, würde der Schmerz morgen nicht vorübersein.
Doch Lidschlag schrieb nun auf, welches Tränklein die Hexe Apothekla, die berühmteste Kräuterfrau im Halltal für den Waldschrat bereiten sollte, um die vom Spinnenbein verursachte Pein zu lindern. Und wenn dies nicht helfe, so müsse der Waldschrat am Tag darauf nocheinmal bei Lidschlag erscheinen, damit etwas gegen Hepesvirs Zorn getan werden kann.
So zog der Waldschrat von dannen. Weil er aber noch immer nicht recht sehen konnte und ihm vom vielen Wandern schon die Füße wehtaten, ließ er sich vom Schienenlindwurm bis zu Apotheklas Hütte fahren. Dort erhielt er auch das Tränklein, von dem er mehrmals täglich einen Tropfen in das Auge träufeln sollte. Und für das winzige Fläschlein, das nicht mehr wog als eine Locke aus seinem Bart, mußte er noch fünf ganze Golddukaten bezahlen.
Kaum hatte er Apotheklas Hütte verlassen, so tat er auch schon den ersten Tropfen in sein rechtes Auge. Der Schmerz wurde augenblicklich geringer. Welch eine Wohltat, wie freute sich da das Herz des Waldschrats! Und wenn er sich jetzt an Lidschlags Anweisungen hielte, so würde der Schmerz bald ganz vorüber sein.
Doch wenn er auch morgen noch die Qual im Auge habe, so ginge er erneut zu Lidschlag und holte dort die Rezeptur für das andere Tränklein. Auch dieses würde ihm Apothekla um viele Dukaten verkaufen, auf daß er damit dann den Zorn des Gnoms Herpesvir besänftige.
So oder so wird es wohl geschehen sein. Der Waldschrat wird bestimmt ohne Augenschmerzen in seinem Baum sitzen, dessen hohlen Stamm er schon vor hundert Jahren zu seiner Wohnstatt machte, und wird sich seines Lebens freuen.
Und wenn er nicht vergißt, ein Schreiben von seinem Lieblingszauberer Dr'med zur Elbin Lidschlag zu bringen, so wird auch niemand zwei Jahre lang über sein bartloses Gesicht und seine Glatze lachen können.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28. Juli 2011 war, daß die Vertretung der Vertretung dann endlich sich meines augenärztlichen Problemes annahm und es gelöst zu sein scheint.
210 / 365 – One post a day (WP-count: 985 words)



Hach mein/e allerallerallerliebste/r Freund/in,
das ist mal wieder ne Geschichte die das breite Grinsen in’s Gesicht treibt.
Einfach richtig schöööööön. *seufz*
Aber es ist schade um den armen Waldschrat, dass dieser solch Schmerzen erleiden muss.
Ich hoffe ihm geht es doch schon deutlich besser.
Sollten diesem Waltschrat doch die Schmerzen zu heftig sein, kann er ja seinen Engel herbeirufen und sich zu einer weiterem Fee zur Heilung bringen lassen.
Jaja, ich habe doch genug bunte Murmeln im Kopp! 😉
Oh sehr schön! Ich stelle mir gleich ein Kinderbuch vor. So eins, wie es sie früher gab, mit DinA4 großen, sehr anspruchsvollen Grafiken. Grafiken, nicht comics!
Gute Besserung für den Waldschrat und das er das Schreiben des Zauberers nicht vergessen möge
Danke für die Wünsche! 😉
Moin lieber Walds…äääh Emil, vergess das schreiben nicht,mach die Zaubertropfen ins
Auge und Du bist bald wieder heile… Wunderschöne Gescichte,bis auf die Schmerzen..
Ganz liebe Grüsse von Illo.*****
Das hast du wunderbar beschrieben. Gute Besserung!
… Emil… du schreibst wunderbar!!!….
Für die, die es wissen möchten: Der Waldschrat war heut nicht nocheinmal bei der Elbin Lidschlag, das Tränklein hilfet gar vortrefflich …
Ja, es hat mich interessiert,und freut mich sehr für den Waldschrat…..Gute Elbin !!!!
Lieber Emil,
eine herrliche Geschichte – und leider nur zu wahr.
Ich lese hier immer wieder, wenn ich auch aus Zeitgründen nicht immer kommentieren kann.
Ich finde Deine Posts einfach genial.
Liebe Abendgrüße sendet dir
Irmi
Und für alle, die mich hier (über den grünen Klee) loben: Dankeschön.
Kennt jemand ein zuverlässiges Mittel gegen heftiges Erröten?
Nö, warum auch? Nur keine falsche Bescheidenheit! Ein schönes „Märchen“. Gute Besserung, lieber Emil!
Ach, lieber Emil, erröte nur mal einwenig. Es nützt nichts, du hast toll geschrieben.
Gute Besserung wünsche ich dir.
Liebe Grüße von der Gudrun
Gemahnt mich an die unselige Episode vor ca. genau einem Jahr, als mir im rechten Auge aus völlig unerklärlichen Gründen ein Äderchen platzte, und ich mit einem leuchtend blutunterlaufenen Augapfel über sieben Stunden in der NOTFALLAMBULANZ !!! einer Münchner Fachklinik saß, ohne dass sich irgend Jemand meiner – und sehr vielen anderen Wartenden und Leidenden! – annahm!
Pingback: Der Emil – Ein “Waldschrat”-Märchen (Nº 210 #oneaday) und Triloff | Germanys next Kabinettsmitglieder
Pingback: 23. Türchen (Nº 357 #oneaday): Ein Weihnachtsmärchen | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen