Nº 079 (2019): Laut nachgedacht

Zufriedengeben, Motivation, Zufriedenheit.

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Es ist schon sonderbar mit diesem Ding, das Zufriedenheit heißt.

Natürlich kann ich mich mit dem zufriedengeben, was ist. Dann brauche ich keine Anstrengungen zu unternehmen, um etwas zu schaffen, zu erreichen, zu bekommen; aber es ist anstrengend, das Ungenügende auszuhalten und trotzdem Zufriedenheit zu fühlen. Dankbarkeit geht schon eher, Dankbarkeit dafür, daß es mir nicht noch schlechter geht, daß die Schmerzen noch auszuhalten sind, daß das Geld zum Überleben reicht. Und doch: Immer wieder nagen dann Zweifel, ob es nicht doch schöner, besser, beruhigter, gesünder wäre, wenn … Die Zweifel also, die gegen die Zufriedenheit sprechen, die gibt es.

Für mich (!) ist es ziemlich schwierig, aus diesen Zweifeln einen Antrieb zu schaffen, der mich zu Anstrengungen befähigt, ja beinahe zu Anstrengungen zwingt. Zweifel ist für mich etwas, das … Zweifel kann ich nicht uneingeschränkt als gut bewerten. Echt nicht. Doch genau das brauche ich zum Handeln, diese uneingeschränkt gute Gefühl. Ja, ich brauche Gefühle, gute Gefühle, um tätig werden zu können und tätig werden zu wollen.

Wenn etwas oder jemand mich zu motivieren versucht, dann bitte positiv und nicht mit Drohungen und Hinweisen auf negative Folgen des Nichthandelns oder Handelns. Sonst geht nämlich gar nichts. Gut ist es, wenn ich eine extrinsische Motivation übernehmen und in eine intrinsische wandeln kann. Wenn tatsächlich ein Wollen entsteht in mir. Aus diesem heraus schaffe ich es beinahe täglich, irgendetwas zu tun, und sei es “nur” Hausarbeit. (Wer schon länger mitliest, weiß den Grund dafür.)

Immer wieder fällt mir auf, daß ich, wenn ich anderes schaffe, hinterher ziemlich zufrieden bin mit mir, mit meiner Leistung, mit dem Erreichten, Geschafften. Ja, das ist ein wunderbares Gefühl. Wirklich. Ich hätte es auch gern viel öfter. Aber. Aber. Da ist genau dieses Aber, da sind die notwendigen Anstrengungen. Es ist Kraft, Energie nötig, die beiden Dinge, an denen es mir oft mangelt. Vielleicht gebe ich zuviel davon in das Zufriedengeben mit dem, was ist? Aber Dingen hinterherzuhecheln, die ich mit meiner Antriebs-, Kraft- und Energielosigkeit bei fehlender Motivation sowieso nicht erreichen werde … Hm.

Ach, wenn ich nur wüßte.

Gerade arbeite ich mich an der Zufriedenheit ab: Wie kann ich aus dem “Zufriedengeben-mit-dem-was-ist” Zufriedenheit entwickeln? Kleine Schritte, seit Jahren schon. Immer wieder. Und immer wieder das Zurückschrecken vor der notwendigen Anstrengung, weil ich das ja sowieso nicht schaffe. Und immer wieder meine Versuche, trotzdem zu machen, trotzdem zu schaffen, mehr als nur Haushalt und Blog. Wie heute mit dem Zettelwerk. Trotz all meiner Enttäuschungen von mir selbst.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 20.03.2019 waren positiv wieder frühes Aufstehen, der Vortrag zum Zettelwerk, selbstgemachter Zwiebelquark am Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist Der Ritter der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Nº 079 (2019): Laut nachgedacht

  1. Sofasophia sagt:

    Ach du. Ja, ich kenn das.
    (((Fühl dich gehalten.)))

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