Auferstanden aus Ruinen (#132)

Davon, wie gut es tut, wenn es mir langsam wieder beträchtlich besser als sterbenselend geht

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Eigentlich.

Eigentlich? Eigentlich sollte ich ja auch gestern noch im Bett bleiben. Aber irgendwie – irgendwie fühlte ich mich schon so viel besser als die Tage zuvor. Außerdem mußte ja die Arbeitsunfähigkeitbescheinigung zum Amt. Und weil beides auf dem Weg dahin liegt, besuchte ich auch gleich noch die Spaßrkasse. Und fragte bei –,wirklich nach meiner kleinen Kamera, die zur Garantiereparatur eingeschickt worden war.

Siehe da, mein Konto lächelte mich sehr freundlich an, war also durchaus im erwarteten Saldo. Und meine Kamera war auch schon fertig. Herrlich. Ich bestückte das Dingelchen schnell mit Batterien und Speicherkarte, machte am Tresen noch vier oder fünf Bildchen, war zufrieden und verließ den Laden.

Draußen – also schon noch im Neustadt-Center, aber eben nicht mehr bei –,wirklich – setzte ich mich auf eine Bank, baute alles wieder an und stellte meine Einstellungen wieder her. Sprache, Auflösung, Belichtungsmessung, ISO usw. usf. Ziemlich viel. Als ich damit fertig war, schoß ich noch zwei Testbilder schnapp – und beim Ansehen der beiden wurde das Display wieder schwarz.

Nichts reagierte mehr. Das Objektiv wurde nicht versenkt, die “Power-LED” schimmerte grün vor sich hin. Kein Druck auf irgendeine Taste bewirkte etwas. Nichtmal die Betätigung des Ausschalters führte zu irgendeiner Reaktion des Gerätes. Deshalb öffnete ich das Batteriefach, unterbrach damit auch die Stromversorgung, entnahm die Speicherkarte und schloß das Fach wieder in der Annahme, daß sich am Zustand des Gerätes etwas ändern würde. Ja: Die “Power-LED” leuchtete wieder auf. Mehr geschah nicht. Auch nicht beim erneuten Ausschaltversuch. Oh.

Ich ging zurück in den –,wirklich-Markt, stellte die Kamera auf den Tresen und kramte die Papiere wieder hervor. Die nette Dame von vorhin war anderweitig beschäftigt (schade, denn ein wenig hatte ich mit ihr geflirtet). Die diesmal um mich bemühte Mitarbeiterin hörte sich mein Problem an, nahm mein Gerät, entfernte die von mir eingesetzten No-Name-Batterien, setzte ein paar nigelnagelneue Pananyocells aus einer extra herbeigeholten Viererpackung ein, drückte mir meine Kamera in die Hand und sprach: “Woll’mer wetten? Jetzt gehtse!” “Aber nicht ohne Speicherkarte” erwiderte ich, setzte eine ein und drückte zweifelnd den Poweronoff-Knopf.

Ha! Die Wette hätte ich glatt verloren. Ich muß ziemlich verdattert ausgesehen haben, denn nach etwa zwei Minuten meiner Herumspielerei an und mit meiner Kamera legte mir die Frau die angebrochene Packung Pananyocells auf den Tresen und verabschiedete mich mit einem lächelnden Grinsen und den Worten: “Die zwei Batterien schenk ich Ihnen auch noch dazu. Auf Wiedersehen bei ihrem nächsten Einkauf hier!”

Da war ich ganz baff. Mit offenstehendem Mund drehte ich mich um und ging … (Bei Gelegenheit werde ich nach ihrem Namen sehen und mich bei der Geschäftsleitung lobend über sie äußern.)

Auch beim nächsten notwendigen Weg erreichte ich mein Ziel erstaunlicherweise und entgegen all meiner Befürchtungen völlig problemlos. Zum Abschluß besuchte ich noch das Kundencenter meiner Krankenkasse, um mich für den Rest des Jahres von den allfälligen Zuzahlungen befreien zu lassen, und war damit ebenfalls und sehr schnell erfolgreich. (Oh, Depression, ich hörte Dich trapsen! Aber dieser Tag gestern, der war so verdammt erfolgreich, daß ich Dir wieder von Ferne zuwinken kann.)

Wow.

Testbild mit der reparierten Kamera

Erdbeerblüten zwischen Maiglöckchen

Ach – ich befinde mich tatsächlich auf dem Weg der Besserung. Ich werde auch aufpassen, daß ich von diesem nicht abkomme. Meine Kamera hat das doch auch geschafft.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. Mai 2012 waren zuallererst der dicke Brief mit den Postkarten aus der Schweiz (Danke, Sofasophia und Helferin!), die aus Ruinen wiederauferstandene Kamera (Elektronik erneuert, eingemessen, Firmwareupdate durchgeführt: Danke an die Werkstatt und die Mitarbeiter bei –,wirklich), die Zuzahlungsbefreiung der Krankenkasse (sehr schnell, danke), eine weitere erledigte wichtige Sache (Danke an den verständnisvollen und kulanten Bearbeiter), das wesentlich gebesserte Befinden (nicht mehr Ruine, aber durchaus noch Sanierungsbedarf: Danke, Doktorchen), ein herrlich entspanntes Schaumbad, daß ich schreibe wie Rainald Goetz, mein Bullshit-Index bei nur 0,15 liegt und natürlich wie jeden Tag, aber heute wieder viel mehr genossen als gestern, die Gespräche mit der Liebsten (Dir natürlich ganz besonderen Dank dafür, daß Du mir täglich den Rücken stärkst). — Eine erkleckliche Menge, ich glaube, die macht Montag bis Mittwoch wieder gut.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Auferstanden aus Ruinen (#132)

  1. Follygirl sagt:

    (0,07 !!! und „Theodor Fontane“—ja bin ich mit zufrieden.)
    Schön, das es aufwärts geht…. und schön, das Du guter Dinge bist.
    LG, Petra

  2. Elvira sagt:

    Aufgestanden als Ruine – nun, Sanierungen sind heute nichts ungewöhnliches mehr, und Du hast ja etliche gute Restauratoren gefunden. Wobei ich mich frage, ob wir vielleicht auch nur die falschen Batterien eingesetzt bekamen? Wenn das auch so einfach zu lösen wäre. Ein neues Viererpack öffnen, schwupp, schon funktionieren wir zur allgemeinen und der eigenen Zufriedenheit bestens.
    Ich wünsche Dir weiterhin gute Besserung und viele Lichtblicke!
    Liebeb Grüße,
    Elvira

    • der_emil sagt:

      So einfach ist es glücklicherweise nicht. Denn dann würden wir jegliche Individualität verlieren, befürchte ich …

      Selbst wenn diese vielen schönen Sachen durch meine von der wesentlich verbesserten Befindlichkeit rosarot eingefärbten Weltsicht verschönert wurden: Es tat einfach richtig gut, so viel auf einmal zu haben.

  3. april sagt:

    Wie schön, wenn mal alles positiv verläuft.

  4. Frau Momo sagt:

    Freut mich zu lesen, das es Dir wieder besser geht und das dann auch noch gleich alles so gut fluppt am ersten Tag wieder unter den Lebenden.

  5. mayarosa sagt:

    Freut mich. Behalt‘ dir das in Erinnerung…

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