Das ist mein 16. Blog-Adventskalender. Beim Schreiben denke ich oft an die, die krank sind oder Unterstützung benötigen, an alle, die einsam oder allein sind. Möge allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit beschieden sein. Meine Kerzen brennen auch in diesem Jahr für alle Menschen und Tiere, vor allem für die, die Hoffnung und Trost brauchen, und für die, die Freude an dieser Zeit haben.
Ein sonderbares Kaffeetrinken am Nachmittag, ein sehr sonderbares.
Sie weiß nicht so recht, wieso sie ihm für heute nachmittag freigegeben ha. Ja, er murmelte zwar etwas von „Besorgungen” machen für das bevorstehende Fest – aber wäre das nicht auch zu zweit möglich gewesen? Das ist für morgen sowieso vorgesehen, was will er also heute besorgen?
Wenigstens hat er den Nachmittagskaffee vorbereitet. Eine Schale mit Spekualtius, Lebkuchen und Printen, der Kaffee ist in der Thermoskanne, der Tisch gedeckt. Für zwei. Das macht er sonst nie, ohne daß sie ihn lange darum bitten muß, bei ihr zu sitzen. Ach, und wenn sie jetzt noch so lange darüber nachdenkt: Auf diese Weise wird sie nicht erfahren, was er sich dabei gedacht hat. Außerdem ist es höchste Zeit für ein paar Leckereien. Sie schenkt ihre Tasse voll, kann sich gerade noch vom Einschenken auch in die zweite Tassen zurückhalten. Die Kerzen auf dem Adventskranz zündet sie auch an.
Es ist still im Zimmer, still sogar im ganzen Haus. Nur das Ticken der Uhren erinnert an das Verstreichen der Zeit. Sie gönnt sich eine zweite Tasse Kaffee und höchstens noch einen Butterspekulatius. Hoffentlich kann sie dann abends einschlafen, nach so viel Koffein. Oder hat er etwa wieder diesen kastrierten Kaffee gemacht, den koffeinfreien? Der schmeckt ihr nicht, wirklich, das ist doch kein Kaffee, das ist Plörre oder – wie es ihre Verwandten aus Leipzig immer nannten – Muckefuck. Oh, Vorsicht: Die beiden „u” müssen auch als „u” gesprochen werden, nicht daß da jemand auf falsche Gedanken kommt!
Oder hat er vielleicht erwartet, daß am Nachmittag jemand sie besuchen kommt? Unangekündigt, oder nur ihm im Vertrauen mitgeteilt? Nein, das glaubt sie nicht, so würde er sie nie hintergehen. Aber was will er alleine „besorgen”, was nur? Versteckt sich dahinter eventuell ein Arztbesuch, von dem sie nichts wissen soll, weil er schwer und unheilbar krank ist? Ach, jetzt macht sie sich doch ein paar Sorgen.
Draußen dämmert es schon. Sie löscht die Lichter vom Adventskranz, räumt ihr Geschirr und die Schale mit dem Gebäck in die Küche. Mehr traut sie sich nicht zu tun, denn die Küche ist mittlerweile sein Reich. Sie hört die Tür gehen. Und läßt ihm Zeit, geht ihm nicht entgegen um auszuspähen, ob und was er besorgt hat. Er braucht zwei Minuten länger als sonst, um zu ihr zu kommen. Er sieht recht zufrieden aus und Tante Erdmute spricht ihn an: „Wie schön, daß Du wieder da bist. Möchtest Du vielleicht hier bei mir eine Tasse Kaffee trinken?” Während er Platz nimmt, krempelt sie ihr gesamtes mehr oder weniger gemeinsames Leben um, nur dadurch, daß sie ihm den Kaffee einschenkt. Kurz denkt sie darüber nach, doch dann weiß sie wieder: Bald ist Weihnacht, und es ist sowieso eine besondere Zeit im Jahr. Da wird ihm das hoffentlich nicht so deutlich auffallen. „Ach, darf ich das Gebäck für Dich holen?” Und schon ist sie auf dem Weg in die Küche …
Tja, da hat sich Tante Erdmute doch noch eingefunden in meinem Adventskalender. Was hat sie nur so durcheinandergebracht an diesem Nachmittag, alleine zuhause? Was hat er denn besorgen müssen, hat er nach dem Heimkommen vielleicht etwas versteckt, ehe er zu ihr ging? Wer weiß, ob ich das, ob wir das je erfahren werden …
Gestern weggegeben bzw. entsorgt:
Als ich am Nachmittag losging, um jemanden zu treffen, deponierte ich zwei große (je 7×2 m) Stücke Markisenstoff im Haus, der jetzt fast 20 Jahre in meinem Schrank lag.
Ich schleiche mich davon und wünsche eine schöne Advents- und Weihnachtszeit.
P. S.: Gestern, am 17. Dezember 2025 war ich zufrieden mit im JC abgegebener Post, mit dem kurzen Treffen im Bahnhof, mit einem wirklich unerwartet angekommenen Paket.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Schön! Die Tante Erdmute mag ich sehr.