2025 – 208: Sonntags braucht es Ruhe

Immer nur Leistung ist nicht machbar, es braucht Pausen.

 

Ach, es ist wundervoll, einen Plan zu haben. Noch wundervoller ist es, den ohne schlechtes Gewissen nicht umzusetzen. Genau das tat ich heute. Statt unterwegs zu sein und mir Gegend anzusehen, blieb ich zuhause. Immer wieder lag ich auf meiner Schlafstatt und döste und dämmerte vor mich hin, immer wieder einnickend. Oh ja, ich träumte, sogar luzide Träume – aber ich kann mich an keinen mehr erinnern. Selbst dann, wenn ich die Kladde aufgeschlagen bereitliegen und einen Stift in der Hand hatte, konnte ich mich nicht dazu aufraffen, etwas zu notieren. Ich fand und finde das heute vollkommen in Ordnung. Durchs Fenster zu meinen Füßen warfe ich ab und an einen Blick auf den Himmel. Ziemlich viele Wolken zogen dahin, nur selten sah ich die Sonne. Es regnete mehrmals; doch die Unwetterwarnungen vor schwe­rem Gewitter waren überflüssig, wenigstens für HaNeu überflüssig. Donner war zu hören, zwei- oder dreimal über den Nachmittag verteilt, eher aus der Entfernung. Blitze sah ich keine. Und wieder stelle ich fest: Die Schwüle bleibt nach dem gewittrigen Wetter erhalten, ist nicht weg, wie sie früher nach einem Gewitterchen schon weg war.

Ja, ich empfand die Luft wieder als schwül. Und das macht mir das Denken schwer, langsam, wie gedämpft. Deshalb auch mein Dämmerzustand, in den ich bei solchem Wetter oft verfalle. Denn wenn schon der Gedanke an Bewegung, an Anstrengung auch des Geistes Schweißausbrüche verursacht, dann …

Zu lesen versuchte ich auch. Doch nun bin ich in vier Büchern an Stellen angelangt, wo mir die gelesenen Sätze gar bedeutungsvoll erscheinen und ich nicht weiterlesen möchte oder kann, ehe ich nicht den Grund für mein Stocken gefunden habe. Denkfutter für eine ganze Weile, es ist möglich, daß hier irgendwann etwas davon zu lesen ist. Um selbst etwas zu fabulieren, zu phantasieren oder zu verdichten, fehlte mir heute wirklich die Lust, der Antrieb, die Konzentrationsfähigkeit. Zustand: schlaff wie ein fast luftloser Fahrradschlauch. Oder ganz luftlos? Nun, zumindest schaffte ich es ja noch, diese Sätze über den heutigen Sonntag zu formulieren.

Ganz ehrlich: Sollte ich morgen wieder so motiviert sein wie heute, dann ist das eben so. Ich werde meine Faulheit genießen, mich so gut es eben geht erholen. Fünfe gerade sein lassen. Der „verschwendeten Zeit” nicht nachtrauern. Denn ich kann nur die Möglichkeiten ausschöpfen, die ich wirklich habe.

 

Erinnerung des Tages:
Trotz der wenigen Kraft holte ich heute einige DIN A4-Kladden aus dem Schrank und las, was ich vor Jahren darinnen notierte.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 27. Juli 2025 war ich zufrieden mit dem Dahindämmern, mit dem Ausruhen, mit den gelesenen Sätzen.


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Über Der Emil

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