2025 – 196: Nachts

Schlaflos unmüde umhergetrieben vom Denkicht.

 

Vielleicht klingt das Folgende etwas unverständlich, aber raus muß es. Seit 22.00 Uhr versuchte ich zu schlafen. Ging nicht. Dann war es nach Drei und ich habe die ganze Zeit wachgelegen. Ich habe: auf Regen gewartet (bis jetzt noch keiner, also ist auch das Fenster noch auf), ferngesehen (Schnulzenfilme), ein langweiliges Buch zu lesen versucht, etwas aufzuschreiben versucht (hat auch nicht funktioniert in der Kladde, dabei ging das gestern noch ganz gut). Ich konnte keinen Schlaf finden.

In meinem Denkicht kehrte keine Ruhe ein. Das Thema ist nicht neu, aber seit zwei Wochen (vielleicht auch nicht ganz so lang) ziemlich … Ja, was ist es denn: wichtig, bestim­mend, nervig, dringend, auffallend, schambesetzt, unaussprechbar, über­flüs­sig, unangemessen, unpassend, allgegenwärtig? Von all dem etwas, ja, eine sehr krude Mischung. Ich kann mich aber gut daran erinnern, was das standhafte Igno­rie­ren bisher für Folgen hatte: keine guten, jedenfalls nicht für mich. Meine Bedürfnisse und meine Bedürftigkeit wollen beachtet sein. (Nein, die erwähne ich jetzt nicht, denkt euch euren Teil.) Es gab – zum Teil kann das hier nachgelesen werden im Blog – Zeiten in meinem Leben, da war ich mit verdammt wenig „zufrieden” bzw. glaubte ich, keine Bedürfnisse zu haben oder haben zu dürfen, weil mir das alles, was über grundlegende Körperfunktionen hinausging, nicht zuzustehen schien. Es war nicht leicht zu lernen, die wieder zuzulassen, zu spüren, zu haben. Und ihre Befriedigung fällt mir heute noch ab und zu nicht leicht (weil ich eben ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich es tu; in jenen Momenten sind sehr alte, erlernte Muster aktiv). Dann treffen sich Minderwertigkeitsgefühl und Allmachtsphantasie zu einem sehr verwirrenden Tanz in meiner Denk- und Gefühlswelt.

Irgendwann gegen vier Uhr morgens setzte ich mich hin und tippte diesen Text direkt in den Rechner (völlig untypisch für mich, weil ich alle Texte handschriftlich verfasse, naja, fast alle). Nach den ersten beiden Absätzen fühle ich mich leichter. Es überkam mich eine kleine Müdigkeit. Und es zeigte sich wieder: Ich kann Dinge aus meinem Kopf herausschreiben. Warum das nicht in der Kladde, nicht auf dem Papier gelang, das weiß ich nicht. Nun, im Laufe des Tages werde ich das dann in die Kladde angeschrieben haben. Vielleicht versteht niemand, warum ich genau das tippte, was hier zu lesen ist. Vielleicht erkennt sich jemand – zum Teil – darin wieder. Und jetzt, 4.20 Uhr, gehe ich und versuche, doch noch etwas zu schlafen. Vorm Veröffentlichen muß ich noch die Sachen unten ergänzen – aber sonst ist der Beitrag fertig.

 

Doch dann habe ich tagsüber noch einiges erlebt: Kurz nach Neun stand ich auf und erledigte die üblichen Routinen. Während ich zwei aneinandergenähte Bettlaken voneinander auftrennte, wurde die Festplatte eines kaputten Notebooks kopiert (Akku und Tastatur defekt, unregelmäßige Abstürze während des Betriebs). Danach nahm ich das Gerät auseinander, entfernte die Festplatte und den Speicher (kann man ja noch brauchen). Als ich Hunger bekam, machte ich mir Couscous mit Mischgemüse am Nachmittag, den gab es auch zum Abendessen. Ein zweites altes Rechnerlein (packard bell ENTF71BM, 2015) wurde nach der Kopie der Festplatte mit einem Puppy Linux versehen, in das ich mich irgendwie einarbeiten muß in den nächsten Wochen (und eventuell ändere ich das auch noch in Sparky Linux). Nach dem Regen war ich auch noch etwa eine Stunde draußen und habe Wasservögel mit Haferflocken und Erbsen gefüttert.

Wenn ich mich umsehe, so denke ich, daß ich heute nicht viel geschafft habe. Doch ich weiß, daß ich die meiste Zeit beschäftigt war, gut beschäftigt war mit lange vor mir her geschobenen Arbeiten. Und ich hoffe, daß ich nachher gut schlafen kann.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Das eine, zerpflückte Notebook landete im Container für Elektronischrott.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 15. Juli 2025 war ich zufrieden mit mit den aufgetrennten Laken, mit den bearbeiteten Rechnern, mit dem Couscous warm und kalt.


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Über Der Emil

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3 Kommentare zu 2025 – 196: Nachts

  1. Hast du schon mal Antix Linux probiert? Damit hatte ich einmal einen uralt Laptop wiederbelebt und der lief dann fein.

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