Tagebuch A: Sonntag, 30. Januar.
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Also … Der Traum war schräg. Ich fuhr mal wieder das Auto, das ich beim Wehrdienst fuhr. An einem Strand. Mit den Rädern der Fahrerseite im Wasser. Und das spritzte hoch auf. Vorm Auto lief ein Hund, seine Schlappohren flatterten im Wind. Und im Unterschied zur Zeit des Wehrdienstes hatte das Auto ein Radio mit einem Kassettenteil. Ich hörte beim Fahren laut Schlager aus den 70ern. Hach!
Kaffee und Keks, Rechner und die erste Zigarette. Nach ungefähr einer Stunde war ich fertig damit. Vom nebenher laufenden Fernsehprogramm hab ich nur wenig mitbekommen. Naja, so wirklich mochte ich die Katholische Variante des Fernsehgottesdienstes heute nicht, die war mir zu modern und zu laut gewesen. Manchmal, sogar ziemlich oft mag ich Dinge eher traditionell, zumindest nicht in aufgepeppten, dem Zeitgeist angepaßtem Ablauf.
Ich mag es auch nicht, wenn in einem Laden übers Wochenende scheinbar grundlos umgeräumt wurde.
Seit meine Frau nicht mehr hier ist, habe ich einen Sessel, der als allgemeine Ablage funktioniert. Soll allerdings nur vorübergehend die Stelle sein, an der etwas zu finden ist. Und immer wieder wächst der Haufen auf dem Sessel über eine von mir gewünschte Höhe hinaus, weil das, was ich da hinlege, von mir nicht wie vorgesehen eingermaßen schnell weggeräumt wird (werden kann). Heute nahm ich mir die Zeit dazu, eben diesen Sessel komplett leerzuräumen. Wäsche in den Schrank bzw. den Korb im Bad, Altpapier an seinen Platz, Bücher ins Regal (oh, dort ist es schon sehr eng). Ich habe unter all dem, was auf dem Sessel lag, sogar etwas wiedergefunden, das ich seit Tagen vermißte: meine Wasserpumpenzange. Ich bemerke, daß ich alleine einige Ecken viel zu selten aufräume; ich nehme mir vor, das zu ändern. Irgendwann schaffe ich das auch, das weiß ich.
Geschrieben habe ich heute über die innere Unordnung, über Verwirrung und viel zu viel Nachdenken. Über den oft verhängnisvollen Übergang vom Denken zum Grübeln. Zur Grübelspirale, die nur die eine Richtung kennt: „abwärts”. Es ist eine Sache, das ohnmächtig auszuhalten, erleben zu müssen. Eine ganz andere Sache ist es, Gedanken dazu aufzuschreiben. Innere Unordnung. Erinnert mich an die Schrankwand in der tiptop aufgeräumten Wohnung. Aber wenn man eine der Schranktüren öffnet, dann sieht man ganz anderes: Unordnung, Chaos, wild Gewachsenes. Das fällt einem nicht aus dem Schrank entgegen wie die sprichwörtliche Sammlung von Tupperzeugs, aber es ist chaotisch: Nichts erscheint regulär, vieles aber irregulär, irr- oder surreal. Und ganz egal wie unordentlich es mir in mir vorkommt: Außerhalb allen Gewohnten gibt es nichts Wesentliches. Manchmal denke ich, das kennt wirklich Jede und Jeder.
Es wird wohl Zeit fürs Bett. Ich bin beinahe zu müde zum Schlafen. Vielleicht erhole ich mich bis zum Aufwachen von den Erlebnissen und vor allem von den Gedanken, die mich heute weit über Gebühr belastet haben. Oder … Oder bin ich nur zu empfindlich geworden gegenüber dem, was Menschen alltäglich beansprucht, was sie leisten müssen? — Ich bin jetzt auf dem Weg ins Traumland.
Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notizbücher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.
Erinnerung des Tages:
Bei Wetter wie heute versuchte ich einst, vor Ummanz in der Ostsee zu schwimmen – bei 50 bis 60 cm Wassertiefe war das schwierig.
Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.
P.S.: Zufrieden war ich am 7. September 2024 mit der gelungenen Zelteinrichtung, mit den Gesprächen mit vielen Bekannten, mit der Erbsensuppe vom offenen Feuer.
© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Was ist eine Wasserpumpenzange?
Eines der Universalwerkzeuge – Klempner können nicht ohne.
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