148–2024: Tagebuch

Was heute meinen Tag ausmachte.

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Ideenlos sitze ich vor dem Papier. Ich glaube, daß das früher sogar öfter der Fall war als jetzt. Dennoch läßt mich das wie so oft unzufrieden sein, läßt mich das an mir selbst zweifeln. Puh! Nach Verstreichen der von mir selbst festgelegten Zeitspanne für das erste Schreiben des Tages greife ich zu einem Buch und lese. Phantastische Erzählungen aus der Zeit um 1970 etwa. Und stelle schnell fest: Das alles kenne ich doch schon, das habe ich doch mit Sicherheit schon einmal gelesen, vielleicht in einer anderen Ausgabe. Also versehe ich das Buch mit einem Kennzeichen und lege es zu denen, die ich bald freilassen werde. Die Waschmaschine ist fertig, ich kann meinen Schlafsack zum Trocknen aufhängen. Und auch den Abwasch erledige ich. Ob ich heute koche? Ich weiß es noch nicht. Brot und diverser Belag ist ja auch vorhanden, wie ich beim Blick in den Kühlschrank feststelle. Gut, des Nachsehens hätte es nicht bedurft, ich weiß recht gut, was vorhanden ist. Aus dem Paket mit Büchern bleibt ein einzges Buch erstmal hier, die anderen wandern in den Öffent­li­chen Bücherschrank. Irgendwann ging ich raus, ohne Bücher, erledigte dies und das im Quartier. Was nach einem Wochenende eben so üblicherweise zu erledigen ist bei mir. Traf Menschen, mit denen ich mich für ein Viertelstündchen verquatschte. Wälzte unterwegs Pläne und Ideen und notierte mir einiges in der Immerdabeikladde.

Spät am Nachmittag, am frühen Abend sogar, fällt es mir wieder ein: Es „muß” noch ein Text enstehen. Jaja, das ist … Egal. Wieder sitze ich ideenlos vor dem Papier. Nun, dann schreibe ich eben meinen Tagebucheintrag für heute. Moment mal, wieso fehlt der gestrige Tag? Hab ich da nichts erlebt? Doch doch, ich war ja beim Hansefest und mußte mir mehrere Stunden anhören, wie jemand wirklich ganz unterschiedliche tolle Lieder vollkommen verhunzt. Und den Igel hab ich gekauft. Hm, ich habe keine Lust, etwas nachzutragen, also notiere ich den heutigen Tag: Mut zur Lücke!

Und dann noch: Mut zum Alltag. Denn das, was jetzt hier zu lesen ist, ist nichts anderes als das, was etwas detaillierter im Tagebuch steht. Ganz zufrieden bin ich noch immer nicht, empfinde das als Notlösung, als unbefriedigende Notlösung. Ich hätte lieber einen „wertvolleren” Text verfaßt für mein Blog (oder: für meinen Blog?), als nur über meinen Alltag zu erzählen. Hab ich aber nicht, na und?

 

Erinnerung des Tages:
In einem der aussortierten Bücher wurde vorn notiert: Für [mein Name] als Anerkennung zum 2. Platz bei der Lagermeisterschaft im Schach. Pionierferienlager [Name, Ort] August 1977. Mit Stempel und Unterschrift.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 27. Mai 2024 mit den zum Wegbringen bereitgelegten Büchern, mit erledigter Hausarbeit, mit einem unerwarteten Schwatz unterwegs.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 148–2024: Tagebuch

  1. Elvira sagt:

    Was ist wertvoller als das Leben, auch wenn es alltäglich erscheint?

  2. Hallo Emil, vielen Dank für den Einblick in deinen Tag, der war ja doch ganz abwechslungsreich, sogar mit Sozialkontakten! 🙂
    Was ich nicht verstehe:
    „das, was jetzt hier zu lesen ist, ist nichts anderes als das, was etwas detaillierter im Tagebuch steht. “
    Du führst daneben noch ein „analoges“ Tagebuch? Was ist dein Motiv dazu?

    Meine Tage sind zu langweilig bzw. gleichförmig, um darüber zu bloggen. Statt dessen blogge ich über Ereignisse in der Welt, die mich beeindrucken. Grade hat mich ein „Gespräch mit Claude“ richtig vom Hocker gerissen, wenn du magst:

    https://www.claudia-klinger.de/digidiary/2024/05/27/gespraech-mit-claude-wie-eine-ki-sich-selbst-und-die-welt-erlebt/

    • Der Emil sagt:

      Ja, ich versuche, mir jeden Tag etwas zum Tag zu notieren, um mich irgendwann einmal erinnern zu können … Und dabei stelle ich auch immer wieder fest, daß meine Tage gar nicht so langweilig sind, wie sie oft scheinen.

      Als ich anfing zu computern – nein, etwas später, ich hatte eine sechsstellige ICQ-Nummer (148 xxx), versuchte ich mit „Eliza” zu chatten. Das war eine Umsetzung eines schon 1966 entwickelten Computerprogramms. Nein, ich mag das nicht, was heute AI oder KI genannt wir, denn das hat noch lange nichts mit I zu tun.

  3. Gudrun sagt:

    Lieber Emil, dein „Alltag“ macht dich aus. Er beschreibt dich und das ist doch schön. Und damit ist der Text wertvoll. Ich habe ihn gerne gelesen. (Im Gegensatz dazu sind Texte von Menschen, die ständig schreiben, wie toll und wertvoll sie sind. Sowas langweilt mich und stimmt auch oft gar so nicht.)
    Grüße aus der Stadt nebenan und hehe, bei uns regnet es endlich mal.

    • Der Emil sagt:

      Heut Nacht hat es heftig geregnet hier. Und ich war schlaflos bis nach vier.

      Das „wertvoll” war ein unzulässig verkürztes „literarisch wertvoll” …

      Danke, Gudrun.

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