112–2024: Legenden

Ganz persönliche, private, und keine großen.

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Da ist ein Anfang, ein Anfang von etwas, ich fühle das deutlich. Noch weiß ich nicht wovon. Und ich merke, daß ich schon längst nicht mehr auf einen neuen Anfang zu hoffen erlaubt habe. Genau heute vor knapp hundert Jahren wurde ein Mädchen geboren, das später lange Zeit Königin war. Vor zwei Jahren ist sie gestorben. Ob sie das auch kannte, die Ahnung von einem Anfang? Ob auch sie sich irgendwann nicht mehr erlaubte, nicht mehr erlauben konnte, nicht mehr erlauben durfte, auf einen neuen Anfang zu hoffen?

Anfänge gab es ziemlich viele in meinem Leben. Manche sind gelungen. Doch nicht nur aus denen entstanden die Legenden, die ich meinen Enkeln erzählen könnte. Die Enkel könnten auch lesen, was einem gelungenen Anfang zu verdanken ist: meine Tage­bücher. Und auch die Enkel selbst sind indirekte Ergebnisse zweier Anfänge, die ich machte – nur sind diese beiden nicht gelungen, führten zu großen Enttäuschungen. Ich sollte wohl anfangen, diese Erlebnisse aufzuschreiben, gesondert aufzuschreiben. Alle die großen und kleinen Erzählungen aus meinem Leben, an die ich mich immer wieder gerne erinnere. Aber … Ist das der auf mich zukommende Anfang, den ich spüre?

Wahrscheinlich werde ich das nicht tun. Weil ich mir nicht sicher bin, ob ich nur das wirklich Erlebte niederschreiben würde. Oder ob da auch die anderen Legenden meines Lebens auftauchen würden, die ich um mich errichtete, um nicht gesehen oder erkannt zu werden, um mitreden zu können. Jaja, die Lebenslügen. Die werden auch andere haben, aber wer schreibt die schon auf, wer macht es anderen Menschen so leicht, von denen entlarvt zu werden? Was wird irgendwann noch über die vor zwei Jahren gestorbene Königin bekannt werden?

Da ist ein Anfang, den ich spüre. Nein, es wird kein neues Schreiben werden. Ein Instrument zu spielen lerne ich sicher auch nicht mehr. Keine Ahnung, was da anfangen kann. Ich werde mich einlassen darauf. Aber erst, erst mache ich jetzt einen Abend­spazier­gang zum Wald hinaus.

 

 

Erinnerung des Tages:
Der Geschmack der Buttermilchgetzen: Einen Eierkuchenteig salzig mit Buttermilch anrühren und in der Pfanne mit kleinen Speckwürfelchen ausbacken, kein anderes Fett dazugeben. Eingemachte Blaubeeren dazu.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 21. April 2024 mit einem aufgestellten Plan, mit der Zeit am Schreibplatz, mit der großen Schüssel grünen Salats.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 112–2024: Legenden

  1. Elvira sagt:

    Anfänge gab es auch in meinem Leben einige. Dann kamen die Enden, manche sehr schnell, andere lassen noch auf sich warten. Aber viele Anfänge führten zu nichts. Ist Aufgeben auch ein Ende?

  2. „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“
    Wer kennt das nicht? In meinem 81-jährigen Leben gab es viele Anfänge und manche wenig schmeichelhafte Enden.
    So ist nun mal das Leben. Manchmal kann man wirklich etwas daraus machen!
    Grüße von Gerel

  3. Verbalkanone sagt:

    Besteht nicht jedes Leben auch vielen Anfängen und leider auch dem ein oder anderen unerwünschten Ende? Ich finde, wie wir damit umgehen, macht unser Leben aus.

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