045–2024: Aussichtsturm

Ein Anfang ist gemacht. Weiter geht es nicht.

To get a Google translation use this link.

 

 

„Gesundheit!” Huch, woher kam das denn, grad war ich doch noch ganz allein hier oben?

Hinter mir lagen etwas über eine Stunde Fußweg, der mich von zuhause hierher, hoch auf den Berg gebracht hatte, und 221 Stufen einer falschherum laufenden Wendeltreppe, die – von oben gesehen – im Uhrzeigersinn sich dreht. Das hätte früher niemand so gebaut, denn die Verteidiger wollten mehr Platz haben für ihr Schwert in der rechten Hand: Alte Wendeltreppen drehen sich von oben betrachtet gegen den Uhrzeigersinn, nicht nur in Burgen und Wehrtürmen, sondern überall. Ich wurde auf dieser Treppe immer langsamer, mußte zweimal schnaufend innehalten. Und dann trat ich aus dem Treppen­haus hinaus auf die umlaufende Plattform. Ich blickte direkt in die Sonne – und das löste mein Niesen aus. Woraufhin dieses Wort erklang.

Ganz geheuer war's mir nicht, als ich mich umdrehte. Schließ­lich hatte ich bisher nicht bemerkt, daß ich nicht alleine bin im Turm. Die Frau stand wohl bis zu diesem Moment auf der Rückseite des Ausstiegs, im Schatten.

… … …

… …

 

 

Puh. Und dann? Tja, da schlug meine Höhenangst zu. Selbst beim Schreiben kam ich heute nicht wirklich an ihr vorbei. Ich machte eine Pause. Kritzelte Stichworte (Vorstellung, Smalltalk Wetter, Woher-Wohin, was am Horizont zu sehen ist bzw. zwischen Turm und Horizont, Vögel). Versuchte, die völlig bescheuerte Situation – Na hör mal, ich hab beim Schreiben einer Geschichte über ein Treffen auf einem Turm Höhenangst! – zu ignorieren, zu beenden. Wollte weiterschreiben. Hatte das Gefühl, im Sitzen nach links mich zu neigen, zu fallen. Holte mir eine Tasse Kaffee. Versuchte es wieder.

Nee. Half alles nichts. Meine Phantasie, nur meine Phantasie sorgte für dieses irrationale Gefühl der Höhenangst. Boah. Ich faß es nicht. Am späten Nach­mit­tag begann ich, den Ort des Geschehens an ein Gewässer zu verlegen. Aber da funktioniert die Idee nicht so recht. Ich laß den Anfang einfach mal eine Weile liegen, vielleicht kann ich mich irgendwann irgendwie so überlisten, daß das Weiterschreiben möglich wird.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich brachte heute 15 Bücher und 12 CDs in den öffentlichen Bücherschrank.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 14. Februar 2024 mit dem süßen Hirsebrei, mit den weg­ge­brach­ten Büchern und CDs, mit dem zur Hälfte abgeräumten Fen­ster­brett (brauch ich gleich wieder, leg ich mal kurz da hin).

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2024, Erlebtes, Geschriebenes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Ein Kommentar zu 045–2024: Aussichtsturm

  1. Pingback: 047–2024: Aussichtsturm II | GeDACHt | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert