Und der auf den Traum folgende Tag war so:
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[07.07] Ich schrecke aus einem Traum hoch, von dem nur diffuse, verstörende Fragmente verblieben. Ich bin einen Moment lang verwirrt. Wenn ich schonmal wach bin, kann ich etwas trinken und den Druck der Blase loswerden. Ich darf ja noch fast zwei Stunde weiterschlafen.
[07.12] Vorm Haus nimmt ein Freischneider mit Benzinmotor seine Arbeit auf. Ich schließe das Fenster. Dennoch bleibt das Motorengeräusch allgegenwärtig.
[07.15] Schlafen geht nicht mehr. Grummelnd schleiche ich in die Küche und präpariere die Kaffeemaschine, die bald ihr beruhigendes Röcheln beginnt.
[07.20] Am Schreibplatz sitzend nehme ich meine Pillenration ein, esse einen Keks und schlürfe den ersten Kaffee.
[07.32] Ich habe in ein angefangenes Projekt vor mir liegen und starre kreative Löcher in die Luft.
Es dauerte also keine halbe Stunde vom Wachwerden bis zum … doch, ja, ich nenne es „Arbeitsbeginn”. Ungewöhnlich, weil die Tagesroutine üblicherweise mit einer Stunde am Rechner beginnt. Nachdem dann eine anderthalbe Seite geschrieben sind, verliere ich ein wenig die Konzentration auf das Schreiben, denke angestrengt nach über eine Formulierung, die mir nicht rund genug erscheint. Zwischendurch erledigte ich, was Mensch so am Morgen erledigt. Auf einem Schmierzettel versuche ich andere Varianten, die aber noch schlechter zu sein scheinen – es bleibt also der aufgeschriebene Satz unverändert.
Ist es ein Fehler des Lebens, daß es mehr zu versprechen scheint als es je halten könnte – oder sind das falsche Hoffnungen, die wir Menschen uns machen?
[10.13] Nachdem ich über 30 min kein weiteres Wort zu Papier brachte, nehme ich mir eine andere Kladde her. Ich könnte ja schon etwas für des Adventskalender schaffen, denn Weihnachtsstimmung geht bei mir immer.
[10.45] Ich hatte zwar drei Ideen, aber die sind erstmal nur auf kleine Zettelchen notiert und in die Kladde eingelegt.
[11.38] Es geht nicht weiter, ich wechsele an den Rechner. In Blogs und Mail finde ich nicht viel Neues, im Fediversum werde ich eine Weile bleiben.
Noch immer gibt es kein warmes Wasser aus der Leitung. Für den Abwasch brauche ich heute den Wasserkocher. Wie bequem das Leben doch sonst ist. Auch andere Haushaltssachen werden erledigt. Ich vergesse darüber mein Vorhaben, heute für alles, was ich tu, die Zeiten festzuhalten. Ich denke: Sche∗∗ drauf.
Ich machte heute trotz des frühen Aufstehens keinen Mittagsschlaf. Ich fing an, Strittmatters „Ochsenkutscher” zu lesen und fand den Einstieg in das Buch sehr schwer. Später am Nachmittag versuchte ich weiterzuschreiben, wurde dabei vom Telefon gestört. Doch ich freute mich über den Anruf, denn der letzte Kontakt liegt schon sehr weit zurück. Dementsprechend lang plauderten wir auch miteinander. Und nach dem Gespräch hatte ich nichts besseres zu tun, als aufzuschreiben, was mir währenddessen sehr oft durch den Kopf ging.
Noch immer glauben Menschen (auch aus meinem Bekanntenkreis), daß eine Wahrheit aus der Welt zu reden oder zu schweigen möglich ist, obwohl die Geschichte immer und immer wieder das Gegenteil bewies und beweist.
Und dann bleibt ja noch der Satz, den ich gestern von einer Freundin auf Mastodon als Antwort erhielt (zum Thema Freiheit), der seitdem in mir herumgeistert: „Vielleicht ist der Tod die ultimative Freiheit …” Ausgangspunkt dafür war dieser Trööt.
Das ist genug Denkfutter. An den drei Sätzen werde ich mich noch einige Zeit abarbeiten. Und das alles neben den alltäglichen Sorgen und Ängsten.
[19.10] Ich sitze am Rechner und beginne diesen Eintrag abzutippen.
[19.55] Ich klicke auf „Planen” und gehe wieder an den Schreibplatz.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 15. Juni 2023 war ich zufrieden mit der Entscheidung zum frühen Aufstehen (auch wenn ich zuerst sehr genervt war), mit dem Geschriebenen, mit dem doch noch gelungenen Einstieg in den „Ochsenkutscher”.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

