2023/162 – Dort


Längst beantwortete und neue – krude? – Fragen.

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Karl Ove Knausgård. Ein weiteres Zitat. Es kann sein, daß viele, die schreiben, die dem Schreiben verfallen sind, das ähnlich auch bemerkten, dachten und veröffentlichten. Auch ich stelle mir immer wieder Fragen, wenn ich vorm Papier sitze und während ich Worte niederschreibe. Hier aber sind zunächst Knausgårds Sätze:

 

 

Schreiben heißt, das Existierende aus dem Schatten dessen zu ziehen, was wir wissen. Darum geht es beim Schreiben. Nicht, was dort geschieht, nicht, welche Dinge sich dort ereignen, sondern es geht um das Dort an sich. Dort ist der Ort und das Ziel des Schreibens. Aber wie kommt man dorthin?

Karl Ove Knausgård: Sterben. S. 251 (Genehmigte Taschenbuchausgabe btb 2013)
© 2011 Luchterhand Literaturverlag München, ISBN 978-3-442-74519-7

 

 

Ich war – außer in der Zeit meiner ersten „Gedichte” – ehrlich gestanden noch nie in der Lage zu schreiben, OHNE Fragen zu stellen an mich und an mein Schreiben. Und in dieser Lage bin ich auch heute noch nicht, werde ich wohl auch nie sein. Manche fragen jetzt: Aber warum denn, warum quälst Du Dich mit Fragen zu einem Hobby, das keinerlei Ertrag bringt?

Hinter dieser Frage steht für mich eine andere, für mich weitaus wichtigere: Warum schreibe ich? Und diese Frage habe ich für mich hinreichend präzise beantwortet: Weil es mir ein Bedürfnis ist zu schreiben. D. h., darüber denke ich nicht mehr nach; ich schreibe eben und das ist völlig in Ordnung. Andere brauchen Sport oder Meditation oder DiesDasJenes – ich aber brauche das Schreiben. Und eine weitere Frage und die Antwort auf diese weitere Frage sind mir mittlerweile ebenfalls in Fleisch und Blut übergegangen: Und für wen schreibe ich? Zuallererst für mich und danach für eventuelle Leser; und selbst, wenn niemand außer mir Notiz nehmen würde von dem, was ich schrieb– zuerst schreibe ich für mich.

Daß ein paar Fragen und die Antworten dazu mich nicht mehr … Ich muß anders anfangen. Um ein paar Fragen und Antworten brauche ich mich also nicht mehr zu kümmern. Die sind für mich geklärt und samt Antwort ver­in­ner­licht. Das heißt aber nicht, daß ich mir gar keine Fragen mehr stelle zum Schreiben, zu meinem Schreiben. Und so finde ich hin und wieder bei Schrift­stellerinnen und Schriftstellern, bei den Menschen, die veröffentlichten was sie schrieben, weitere Fragen, Fragen, die dann in mir bohren, rumoren, mich in Unruhe versetzen wie diese, die Karl Ove Knausgård (in der Übersetzung aus dem Norwegischen von Paul Berf) da stellte:

»Wie kommt man dorthin?«

 

Krude Gedanken, die mir beim zweiten Lesen des Buches an dieser Stelle kamen. Ach. Hhätte ich doch schon vor 35 Jahren so über mich und mein Schreiben denken können!

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. Juni 2023 war ich zufrieden mit dem sehr ruhigen Morgen, mit der Anwesenheit beim Training, mit der Zeit an der Saale.

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Über Der Emil

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Ein Kommentar zu 2023/162 – Dort

  1. Sofasophia sagt:

    Beim Schreiben kann ich am besten denken und schreibend zugleich Fragen stellen und vorläufige Antworten finden, es ist Suchen und Finden zugleich und ja, es ist vermutlich dieses knausgård’sche Dort, wo sich diese Gedanken aufhalten, ein Dort, das sich zugleich zutiefst in mir als auch universell und kollektiv befindet, wenngleich nicht statisch, eher sehr fließend, flüssig, flüchtig.

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