2023/161 – Erbstück 011


Tagebuch A: Montag, 10. Januar.

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Zum Glück war diese Nacht mit den üblichen zwei Schlaf­un­ter­bre­chungen und den sehr, sehr verstörenden Träumen (von denen nur das Gefühl blieb, aber keine konkrete Erinnerungen) schon halb Neun vorbei. „Schon” … So richtig trifft das nicht zu, aber ganz falsch ist es auch nicht. Mein früher so regel­mäßiger Schlafrhythmus – schlafen von Drei bis Zehn oder halb Elf, das reicht aus – ist nämlich nicht mehr so konstant wie früher, merke ich. Vielleicht muß ich auch keinen so fest­ge­fügten Schlafrhythmus mehr haben, kann mir da (wie in viel jüngeren Jahren) wesentlich mehr Freiheit gestatten? Solange ich mich damit wohlfühle, sollte doch alles in bester Ornung sein. Da brauche ich doch nicht dieses vermaledeite schlechte Gewissen, das mich für meinen Geschmack viel zu oft kneift? — Hach, wenn es doch wenigstens eine einzige funktio­nie­rende Methode gäbe, mich davon ein für alle Mal zu befreien!

Wann habe ich hier zuletzt über das Wetter geschrieben? So ganz zufrieden bin ich gerade auch nicht damit, denn Winter sieht für mich weiß aus, bedeckt mit Schnee und Eis. Nun fielen heute vormittag zwar ein paar Flocken, aber davon blieb wenig, fast nichts liegen. Die Landschaft ist braun, grau und schmutziggrün, aber nicht winterlich, wie sie in meiner Vorstel­lung im Monat Januar auszusehen hat. Es ist nichteinmal kalt genug für Winter mit den vier bis sechs Grad Plus, die hier herrschen. Und dann war der Himmel heute den ganzen Tag grau, mittelgrau, mit ein paar dunkleren Wolken darin. Tageslicht, auch Tageslicht im Winter sieht nunmal in meinen Vorstellungen ganz anders aus. Jaja, ich weiß: Ich lebe nicht in meinen Vorstellungen, sondern in der Realität; und die ist nicht verklärt.

Der Rest des Tages? War uninteressant. Ich war für eine kurze Runde um den Block draußen, ich habe in mehreren Büchern zu lesen versucht. Die aufgeschriebenen Sätze scheinen es mir nicht wert, gesondert erwähnt zu werden. Und das Grübeln hat heute auch nicht funktioniert. (Ha, aber das ist doch gut?) Ein Tag, der – an seinen Ergebnissen gemessen – nicht wirklich stattgefunden hat.

Ich weiß nicht, ob eine Nacht je wieder eine gute sein kann, solange sie nicht wieder da ist.

 

 

Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notiz­bü­cher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift. Und es ist wirklich nicht mein Tagebuch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 10. Juni 2023 war ich zufrieden mit dem längeren Schlaf (bis halb Zwölf), mit den Wegen durch die Stadt, mit dem Sauerkrautsalat.

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Über Der Emil

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