Tagebuch A: Sonnabend, 8. Januar.
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Sonnabend nenne ich auch meinen Haushaltstag – wenn kein Feiertag ist. Also begann ich auch heute nach dem Kaffee mit den haushaltstypischen Arbeiten. Wäsche waschen und aufhängen, Bad und Küche wieder auf Vordermann bringen, Staubsaugen. Ach ja: Selbst wenn die Tüten nicht voll sind, wird am Sonnabend der Müll rausgebracht. Altpapier, Plastegelump, „Rest-”Müll. Biomüll lohnt sich bei mir kaum, ich hab ja nur Kaffeesatz, der regelmäßig anfällt. Der Abwasch ist auch erledigt, und vom Schreibtisch habe ich einen Schwung Zettel durchgesehen, aussortiert und (nachdem ich sie forografiert habe) weggeschmissen, in kleine Schnipsel zerrissen und weggeschmissen. Irgendwann habe ich bestimmt die Zeit dazu, all die Bilder anzusehen und all das, was mit der Zeit unwichtig und überflüssig wurde, zu löschen. Es gibt vieles, das mit der Zeit an Bedeutung verliert, unwichtig wird. Aber wird es dadurch auch überflüssig? Und gebügelt und die fertige Wäsche weggeräumt habe ich auch.
Nach und nach habe ich im vergangenen Jahr aufgehört zu fotografieren. Meist war ich zu faul, die Kamera in die Hand zu nehmen (nein, es fehlte mir einfach die Kraft dazu). Aber ich habe auch immer mal wieder ein Motiv einfach nur genießend betrachtet, aufmerksam betrachtet, ohne vom Fotografieren davon abgelenkt zu sein. Ich verstehe auch die Unsitte nicht, daß viele Leute alles, was sie erleben, mit einem Handy filmen müssen. Sind die nicht in der Lage, den Moment zu erleben, im Moment zu leben? Und schaffen sie es überhaupt, sich all diese Filmchen irgendwann wenigstens einmal anzusehen? Als ich noch Kind war, waren selbst Fotos etwas besonderes; und meist waren die Bilder „nur” schwarzweiß. Ein Film mit 24 oder 36 Aufnahmen brauchte manchmal sogar länger als ein Jahr, ehe er voll war und zum Entwickeln und Abziehen gebracht wurde. Gut, nach so langer Zeit entdeckte man auf Bildern Menschen und Dinge, an die man sich kaum noch erinnern konnte. Und heute? Heute kann sich wegen der Digitalkameras und wegen der Handys mit Kamera kaum noch jemand vorstellen, ein gemachtes Bild nicht sofort zu sehen, sondern einige Geduld (und die, die eventuell selbst entwickeln, auch einige Arbeit) aufbringen zu müssen. Und heute, nach der ersten Woche im neuen Jahr, stelle ich fest, daß ich im vergangenen Jahr das Fotografieren nach und nach aufgegeben habe.
Das ist mir heute aufgefallen. Und natürlich denke ich darüber nach, ob da noch mehr ist, das ich nicht nehr tu. Von den Dingen, die ich aufgeben wollte, habe ich noch nichts weglassen können. So habe ich es auf einen Zettel geschrieben, eine Liste gemacht von Sachen, die ich gerne wieder tun würde, bei denen ich mich nicht mehr daran erinnern kann, wann ich das zum bisher letzten Mal tat. Im Chor singen gehört jedenfalls dazu. All das andere muß ich mir in Ruhe ansehen, dazu auch in den Kalendern blättern, allen 13 hier liegenden Kalendern. Doch vor der Größe, vorm Umfang dieser Nachseharbeit graust es mir schon, wor allem die absehbare Langwierigkeit schreckt mich davon ab. Zumindest weiß ich, daß ich mich von den neuesten zu den älteren Kalendern durcharbeiten werde. Heute nicht mehr.
Bockwürste mit Senf und Brötchen hatte ich zum Abendessen. Ich hatte, weil sie so viel billiger ist als es die Bockwürste sind, vor einiger Zeit einmal Fleischwurst stattdessen versucht. Aber bääääh! Das war der einzige Versuch, nie wieder. Und nun bleibe ich sogar bei den Bockwürsten vom Fleischer auf dem Markt oder bei den Halberstädtern, auch wenn die sogar im Angebot ziemlich teuer sind. Aber dieser Geschmack ist mir das Geld wert. Vor kurzem konnte ich auch „echten” Grusinischen Tee kaufen. Von dem hatte ich mir eine Kanne gekocht, also aufgebrüht. Damit hab ich auch heute wieder meine vier Liter Flüssigkeit geschafft. Klar, ich geh deswegen ziemlich oft aufs Klo, aber es geht mir gut damit – viel besser als mit weniger Trinken, denn dann bin ich bei Weitem nicht so gut in der Lage, mich zu konzentrieren.
Heute habe ich nur in Büchern geblättert, nicht wirklich gelesen. Irgendwie fehlt mir das Buch, ein Buch. Aber jetzt bin ich zu müde dazu, zu müde zu allem. Deshalb höre ich jetzt auch auf zu schreiben – obwohl ich noch viel, sehr viel schreiben könnte. Hoffentlich habe ich bis morgen nicht alles vergessen. Und wenn doch, kann ich das nicht ändern. Ich muß jetzt schlafen, noch immer alleine.
Mit diesem Text wird das geerbte Tagebuch fortgesetzt. Alle Teile der Erbkladden-Serie sind in diesem Link in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge (neueste zuerst) zu finden. Über eines der Notizbücher erzählte ich ja schon vor langer Zeit, im November 2012. Ich tippe die kleinen blauen lateinischen Buchstaben ab, immer mal wieder. Erst jetzt nämlich darf ich abschreiben aus den „von einem Freund geerbten” Kladden mit dieser winzigen Schrift.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 8. März 2023 war ich zufrieden mit der winterlich weißen Landschaft draußen, mit dem Mittagsschlaf, mit der angefangenen Vorbereitung auf die Marktsaison.
© 2023 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ich habe heute eine 36 Bilder s/w Film zum entwickeln gebracht. Ich brauchte glaube ich auch ungefähr Jahr gebraucht, um ihn vollzuknipsen.
Ich darf nicht verraten, vor wievielen Jahren „mein Freund” das schrieb. Aber ich werde bald einen Rollfilm zum Entwickeln bringen (6 cm x 9 cm Negativformat), dessen zwölf Bilder ich am Wochenende belichten werde (so das Vorhaben).
Dann wünsch ich viel Erfolg dabei.
Meine Beirax (1952) freut sich schon …
Das glaub ich. Ich hatte mal eine Exakta Nullautomat. Die war toll, leider war dann der Schlitzverschluß verharzt.
Ich hatte auch mal eine Exakta während meiner Lehrzeit in der „PGH Die Camera“ in Dessau Anhalt. Die hat mir dann ein Sammler für 500 Mark der DDR abgekauft, das war für einen Lehrling ein riesiges Glück.
Ja, das war sine gute Kamera, feinste Mechanik.
Das glaub ich. Ich hatte mal eine Exakta Nullautomat. Die war toll, leider war dann der Schlitzverschluß verharzt.
Ich vermute ja, dass du das Tagebuch von einem früheren Alter Ego geerbt hast. Aber, pssst, das erzähl ich nicht weiter. Diesen Kommentar musst du nicht freischalten. ☺️
Psssssst! Über solche Dinge spekuliere ich besser nur ganz, ganz leise.
@deremil Ha, ja, ich kann mich noch guuut daran erinnern, wie lange es manches mal gedauert hat, bis 1 Film voll gewesen ist. Der lag dann auch mal mindestens noch n 1/2 Jahr herum :DMhm, Kalender aufbewahren, weil ja noch 1 wichtige Notiz o Tel-Nr. drin sein könnte 😉 Inzwischen mache ich das nicht mehr.
Remote-Antwort
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