Man benutzt ja die unterschiedlichsten Dinge dafür.
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Was benutzt ihr denn so als Lesezeichen? Wahrscheinlich könnten Bibliothekarinnen ganze Abhandlungen darüber verfassen und darin sogar eine „worst of”-Lesezeichen-Liste erstellen. Nun, bei mir sind es in Notfällen auch einmal Toilettenpapierblätter oder Zigarettenpapier. Meist aber habe ich Lesezeichen, die als solche hergestellt wurden, oder aber zerschnittene Ansichtskarten (zum Teil sogar laminiert) in den Büchern liegen – oder stecken sie in den Büchern? Doch das ist jetzt egal. Auf einer halben Postkarte, die seit Jahrzehnten in einem meiner Bücher als Lesezeichen fungiert, notierte ich vor vielen Jahren einmal das Folgende:
Handle besonnen, ist die praktische Seite von: Erkenne dich selbst. Beydes darf weder als Gesetz noch als Forderung betrachtet werden; es ist aufgestellt wie das Schwarze der Scheibe, das man immer auf dem Korn haben muß wenn man es auch nicht immer trifft. Die Menschen würden verständiger und glücklicher seyn wenn sie zwischen dem unendlichen Ziel und dem bedingten Zweck den Unterschied zu finden wüßten und sich nach und nach ablauerten, wie weit ihre Mittel denn eigentlich reichen.
Die Suche nach der Quelle führte mich diesmal sogar zur frei ansehbaren Abbildug eines Originals: Digitalisat der Briefseite, Bestandteil eines Biefes, den Johann Wolfgang von Goethe am 23. November 1829 „An Herrn Hofrath Rochlitz nach Leipzig” schrieb (schreiben ließ, er diktierte wohl meist nur). In der Abbildung der ersten Seite (Digitalisat Nr. 167) sind eigenhändige Korrekturen und Anmerkungen Goethes zu erkennen, hier wurde nur ein „kann” gestrichen und durch das „darf” ersetzt. Ich bedaure außerdem sehr, daß die Klassik-Stiftung Weimar in ihrem Digitalisate-Archiv leider keine Bildbeschreibungen gemacht hat.
Eine halbe Postkarte. Die Adreßfeld-Hälfte einer bunten Ansichtskarte aus der Sowjetunion, es könnte eine von der Krim sein. Dort befand sich ja das größte Pionierferienlager der Welt, und ich hatte zwei- oder dreimal Brieffreunde bei den Leninpionieren/Komsomolzen. Die Karte war nicht beschrieben, vielleicht einem Brief beigelegt – oder fand ich sie irgendwo, gab sie mir gar mein Leiningrader Raumteiler im Studentenwohnheim damals in Karl-Marx-Stadt? All das weiß ich nicht mehr. Es stand bei diesem Zitat nur dabei: Goethe Brief an Rochlitz, Nov. 1829. (Und es steht noch etwas anderes auf diesem besonderen Lesezeichen, deshalb gibt es kein Bild davon.)
Auf den Lesezeichen, die ich mir heute aus Ansichtskarten fertige, ist für so viel Text kein Platz mehr. Denn aus einer normalen Ansichtskarte schneide ich mir parallel zur Längskante fünf Streifen. Natürlich notiere ich mir auch darauf immer wieder Sätze (mit Quellenangabe). Und ein beschriebenes Lesezeichen muß ich austauschen, das kann ich nicht mehr in einem Buch leigenlassen. Denn die meisten Bücher gebe ich ja nach dem Lesen weiter, und die Sätze möchte ich behalten. Auf diese Weise verbrauche ich Monat für Monat etwa eine bis zwei Ansichtskarten. So mancher dieser Streifen kann, wenn er beschrieben wurde, sich später auswachsen zu einem Text. Ich muß nur genügend Denkfutter im Zitat finden.
Ich benutze seit Jahren – wenn nicht gar seit Kindertagen! – nichts als Lesezeichen, das im Buch Spuren zurücklassen könnte: keine Wurstpelle oder -scheibe (noch nie!), nichts, das dicker als ist als zwei oder drei normale Buchseiten, nichts, das eventuell meine Adresse oder ähnliches enthält. Gut: Manche Bücher sind zeitweise mit diesen Textmarkierhaftzettelchen übersät, die beim zweiten Durchlesen nach und nach wieder verschwinden. Aber immer, auch bei vorhandenem Lesebändchen, benutze ich meine schmalen Lesezeichen im Buch.
Im übrigen fällt es mir tatsächlich nicht besonders schwer, diesen Brief von Goethe so zu lesen, wie er handschriftlich verfertigt wurde. Da macht sich jahrelanges Üben bezahlt.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 19. Januar 2023 war ich zufrieden mit meiner Stimmung am Morgen, mit notiertem Biografischen (immer wieder gut, wenn etwas vom Verdrängten zurückkehrt), mit den sechs ins Öffentliche Bücherregal gestellten Büchern.
© 2023 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


@deremil sämtliches Papier, dass da so in der Nähe ist 😅
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@deremil Ich habe eine (viel zu große) Sammlung an Lesezeichen. Auf allen sind Kaffeetassen… ☕
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Naja, um schnell was rauszuschreiben aus dem Buch, sind mir meine Ansichtskartenstreifen ganz recht.
Ich benutze auch nichts, was dem Buch schadet, wie Eselsecken oder etwas zu Starkes zwischen den Seiten. Elvira hatte mir mal ein Lesezeichen genäht. Das habe ich meistens. Ich habe auch schon Lesezeichen gefilzt, manchmal mit einer Schar Kinder. Meine habe ich aber immer verschenkt. Gut, dass du mich an die Zeichen erinnert hast. Ich könnte mal wieder so etwas machen.
Deinen Beitrag habe ich jetzt gerade gelesen, denn jetzt ist Emil-Zeit. Bei euch ist es aber schon gleich um Fünfe. Schlaf gut, Emil.
Ach ja … Die gefilzten Lesezeichen. Ich glaube, darüber las ich mal bei Dir (bin aber jetzt zu faul zum Suchen).
Ich habe eine ganz Menge hochoffizielle Lesezeichen, manche davon handgestaltet. Manchmal Notizzettel, auf denen ich mir manchmal Seitenzahlen notiere. Wenn es Bändchen hat, nehme ich diese. Eselohren mache ich nur, wenn das Buch aus einem Bücherschrank oder Antiquariat kommt und eh schon zerfleddert ist, aber nur im äußersten Notfall, also absolut selten.
Das Goethezitat gefällt mir sehr gut. Vielleicht schreibe ich es mir auch auf. Danke.
Eselsohren … Nein, niemals! Ich bügle die sogar aus den Büchern raus, soweit das geht.
Oh, echt jetzt? Das ist herzig. Ich glaube, Büchern ist es egal. Vielleicht mögen sie diese kleinen Liebeserklärungen sogar?
Ja, ich mach das wirklich.
Anstreichungen in Büchern mache ich auch, mit einem 6B-Bleistift (und dann kommt so ein Klebezettelchen dran). Aber auch die sind weg, wenn ich ein Buch weitergebe.
Hallo Emil,
ich nutze seit vielen Tagen diese „hochmodernen“ Klebe-Lesezeichen. Male in Büchern die neueren Datums sind auch herum, allerdings mit Buntstiften, Druckbleistiften Koh-I-Noor aus Tschechien. Die gibt’s wieder in guter Qualität …