Nº 279 (2022) – Kompott

Wissen aus Erfahrung: An solchen Orten paßt das.

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„Mache ma noch Zweehe un zwee Kompott!”

Außerhalb einer Kneipe (Garten- oder Vereinslokal, Trinkhalle, Büdchen, Eck­kneipe o.ä.) i. w. S. macht dieser Satz kaum einen Sinn. Und selbst dort wird dem Uneingeweihten, dem zufällig anwesenden Gast nicht klar sein, was das „Zweehe un zwee Kompott” genau bedeuten. Klar, ganz allgemein sollten das zwei Bier (Pils, Lager, Schwarzbier, Export usw.) sein und zwei Schnäpse. Aber es fehlen ja die Größenangaben und die Benennung der Sorten. „ Wo bleimdn die Zweehe un die zwee Kompott?” Wenn es nicht schnell genug geht, kommt eine dringender klingende Nachfrage hinten aus der Ecke. Dort ist zwar nicht der sogenannte Stammtisch (falls es überhaupt einen solchen gibt), aber dort sitzen die immer gleichen Gäste. Die das immer gleiche bestellen. Große Pils und Doppelkorn, doppelt bitte. Aso: zwei halbe Liter Pils gezapft, zwei doppelte Doppelkorn eingegossen und hingebracht zu den Durstigen. Es ist schon die dritte Lage heute.

Oh, das Geschrei letzte Woche war groß. Als der Doppelkorn ausgegangen war und es ab der zweiten Runde nur noch Wodka gab. Die haben den Unterschied sofort geschmeckt! Das wäre doch Betrug, meinten sie, schließlich hätten sie ja was anderes bestellt. Nun, da Kompott aber nicht wirklich dasselbe ist wie Doppelkorn, tranken sie schließlich auch den Wodka, weil der ja zum selben Preis zu haben war. Das war, so erzählten die beiden, das erste Mal nach über zehn Jahren, daß es kein Doppelkorn war, ihr Kompott. Mit dem sind sie eben sehr eigen. Das muß schon das Gewohnte sein. Und es muß ja nach zehn Jahren auch jeder wissen, was mit Kompott gemeint ist. Ist ja lange genug Zeit dafür, sich das zu merken. Kompott.

„Mache ma noch Zweehe un zwee Kompott un Kasse!” Jeden Donnerstag das Gleiche: Vier große Bier und vier Doppelte, dann zahlen sie und trinken aus und sind nach fünf Vier­tel­stunden wieder verschwunden. Bis es in der nächsten Woche am Donnerstag früh halb elf wie immer heißt: „Mache ma noch Zweehe un zwee Kompott!” Ja, das „noch” ist bei wirklich jeder Be­stel­lung dabei. Und auch das Kompott.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 07.10.2022 eine entspannte Fahrt, ein gutes Vorgefühl, nette Gespräche am Abend.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Sechs der Stäbe.

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Über Der Emil

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2 Kommentare zu Nº 279 (2022) – Kompott

  1. Nati sagt:

    Kompott für solche Getränke sagte mir bisher nichts. Liegt vielleicht daran dass ich es nicht trinke oder zum Stammtisch gehe. Lach…

  2. Elvira sagt:

    Ich vermisse die Kneipen! Nicht, dass ich Dauergast war, auch diese Order war mir unbekannt, aber die Berliner Eckkneipen gehörten in jeden Kiez. Ich meine, die originalen Kneipen, nicht die Zille-Stuben oder wie immer sie heißen, diese für Touristen herausgeputzten, obwohl sie gemütlich sind. Solche Beobachtungen, wie du sie beschreibt, wird man dort aber nicht machen.

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