Nº 278 (2022) – Soße

Nur eine Nebensache auf dem Teller?

To get a Google translation use this link.

 

Ich müßte mit der Frage beginnen, wie wichtig euch dieser Bestandteil eines Gerichtes ist: Soße. (Die wird im Erzgebirge umgangssprachlich auch Brühe genannt: „Gaab mr emol noch eweng Brieh!”)

Am liebsten mag ich ganz klassische Soßen, die mit Mehlschwitze gemacht werden. Die gibt es bei mir zu Gerichten mit Kartoffeln (in vielen Verianten), mit Klößen oder Knödeln, sogar zu Kartoffel- und Hirsebrei. Meist dunkle Soßen. So echte, mächtige, klassische Bratensoßen. Nein, nicht zu Bratkartoffeln, da nicht (aber manchmal sogar zu Schnitzel mit Pommes). Und wenn ich mir Soße koche, dann mache ich mehr davon, als notwendig wäre. Denn ich mag meine selbstgekochten, selbstgewürzten Soßen liebend gern mit dem Löffel pur schlürfen – die sind nämlich einfach lecker. Die Sättigingsbeilage darf gern in der Flüssigkeit „schwimmen” bei mir zuhause.

Was ich nicht mag, sind „Industriesoßen”. Die erinnern mich immer an die mit Stärke gebundenen in der Schulspeisung und der Mensa zu DDR-Zeiten (ich befürchte, diesen Geschmack werde ich nie vergessen). Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich so viel Aufwand betreibe für meine Soßen. Die Brühe zum Auffüllen nämlich bereite ich durchaus selbst zu, mit Röstgemüse, mit Geflügel­klein oder Suppenfleisch oder Knochen. Nicht immer, wenn ich koche, aber doch oft. Die einzige Ausnahme ist die Tomatensoße für meine Nudelgerichte, die entsteht (auch) aus Tüten-Tomatensuppe.

Lange Rede, kurzer Sinn: Für mich ist Soße ein sehr wichtiger Bestandteil des Essens. Manchmal brauche ich nicht mehr als Kartoffeln und Soße. Viel Soße. Im tiefen Teller, im Suppenteller. Das macht ein Zuhausegefühl im Bauch. Wie meine Soßen schmecken müssen, hab ich von meiner Mutter und von den Schwiegereltern gelernt. Nach Gefühl und Geschmack. Daher kenne ich keine detaillierten Rezepte, brauche sie auch nicht. Am Ende muß die Soße einfach nur schmecken, nach Heimat Zuhause, Gewohnheit, Geborgenheit, nach mehr.

Wie bitte? Danach muß eine profane Soße schmecken? — Ja, natürlich. Und sie ist keine Nebensache, nicht nur auf dem Teller, nicht für mich.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 06.10.2022 den aufgeschriebenen Traum, den Rosenkohl pur, die Zeit in der Badewanne.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Königin der Schwerter.

© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter 2022, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Nº 278 (2022) – Soße

  1. C Stern sagt:

    Essen ist eben auch Nahrung für die Seele!
    Daher kommt’s vielleicht auch, dass viele Menschen das Selberkochen gerade in den Pandemiejahren wieder mehr schätzen gelernt haben!
    Liebe Grüße,
    C Stern

  2. Sofasophia sagt:

    Das ist jetzt nicht meins, gar nicht. Hat wohl auch mit frühkindlicher Gewohnheit zu tun?

    (Natürlich sind meine Gerichte nicht trocken. Ich mache zum Beispiel eine Pfanne voll Gemüse, die dann mit Kokosmilch zu einer „saftigen Beilage“ zu Reis oder Polenta oder Pasta wird (und zwar nicht erst seit und wegen meiner Histaminunverträglichkeit). Oder ich mache Dips oder Vinaigrettes oder so.)

    „Leerlaufsaucen“ nannte meine Mutter deine Saucen, wenn es die mal auswärts gab oder auch mal bei uns, und vermutlich habe ich das von ihr geerbt. 🙈 Aber wenn ich dich so lese, ist es bestimmt kein Leerlauf, weil es deine Seele wärmt und nährt. Muss ja nicht immer alles auch noch ernährungstechnisch sinnvoll und gesund sein. Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

    • Der Emil sagt:

      Oh ja, ich glaube auch, daß da Gewohnheiten aus Kindertagen eine Rolle spielen. (Andererseits: Als Kind aß ich kein Rotkraut, heut‘ mag ich es …)

  3. Frau Momo sagt:

    Ich liebe Saucen. Natürlich koche ich die selber. Dafür habe ich immer extra Knochen im Tiefkühler. Bei Fischsauce bediene ich mich fertiger Krebsbutter, die dann aber verfeinert wird mit Sherry, Weißwein, Dill und anderem.
    Aber mit Heimat hat das für mich nix zu tun. Aber das ist eh so ein Begriff, mit dem ich mich extrem schwer tue.

    • Der Emil sagt:

      Da hab ich mich doch im Begriff vertan, statt „Heimat” sollte es (und tut es jetzt auch) „Zuhause” heißen.

      • Frau Momo sagt:

        Ist auch keine Assoziation, die ich mit Saucen verbinde, aber essen tue ich sie trotzdem gerne. Früher habe ich regelmäßig zu viel Wasser ins Gulasch oder zu den Rouladen gekippt, weil ich viel Sauce haben wollte. Ich kann auch Nudeln nur mit übrig gebliebener Sauce essen. Lecker 🙂

  4. Elvira Volckmann sagt:

    Ich bin mit Soßen groß geworden. Sie waren für unsere sechsköpfige Familie fast schon die Sättigungsbeilage. Kartoffeln und reichlich Soße, wenn das Geld wieder sehr knapp war. Nach der Wende reisten wir nach Thüringen, ein kleiner Ort direkt am Sperrgebiet zum Westen. In einer Gaststätte gab es Knödel, Braten und eine Soße, die alles ertränkte. Ich fand das herrlich, zumal sie auch schmeckte. Eben Kindheitserinnerung. Heute gibt es bei uns nur selten Soßen, niemand mag die so richtig.

  5. Pit sagt:

    Richtig schoene braune Sosse: LECKER!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert