Ein Abendessen sammeln.
To get a Google translation use this link.
Die Bäume lassen noch immer Tropfen fallen. Wasser glitzert auch am Unterholz. Es war noch längst nicht genug Regen, um die Trockenheit auszugleichen. Aber ich folge dem Geruch. Das lernte ich vom Großvater, vor vielen Jahren: Da, wo es nach Pilzen riecht, sind auch welche zu finden. Vielleicht sind sie noch zu klein und werden übersehen. Vielleicht geben sie sich auch nur durch diese typische Anhebung des Waldbodens zu erkennen. Mit etwas Glück aber sind genug Pilze zu finden für eine leckere Pfanne voller gebratener Pilze oder für ein Ragout oder einen Pilzgulasch. Immer dem Geruch nach. Allerdings nicht in Gummistiefeln wie früher mit dem Großvater.
Wie angenehm doch die Luft im Wald ist nach dem Regen. Kühler als draußen. Und hier herrscht eine wundervolle Ruhe, die nicht still ist. Vögel und Insekten sind zu hören; die Mücken nerven, ja, aber auch sie gehören zum Wald. Ich muß weiter nach links, der Geruch kommt von dort, glaube ich. Ja, er wird intesiver, aber ich sehe nicht einen einzigen Pilz. Ich drehe mich um mich selbst, mit geschlosssenen Augen. Dann suche ich kreuz und quer zwischen den Bäumen. Und finde dann schließlich.
Herausdrehen aus dem Boden. Nicht einfach nur oberhalb des Bodens abschneiden. Aber vor Ort noch vom gröbsten Dreck befreien. Mit dem scharfen Taschenmesser, das um Himmels Willen nicht aufgeklappt im Korb oder Beutel liegen soll! Das waren jetzt sieben oder acht Graue Wulstlinge. Wo die stehen, sollte noch mehr zu finden sein. Also wieder dem Geruch nach. Und dann doch noch ein paar Butterpilze, die auch Maronenröhrlinge sein können, alles mit braunem Hut und gelbem Röhrenfutter hieß früher beim Großvater Butterpilz. Naja, eine Stunde bin ich jetzt im Wald, das Körbchen ist halbvoll. Auf dem Heimweg gehe ich ziemlich geradeaus. Trotzdem finde ich noch einige Pilze, von denen ich weiß, daß sie eßbar sind, von denen ich aber nur die Bezeichnungen kenne, wie sie der Großvater verwendete. Ziegenlippen und Ziegenbart zum Beispiel. Auch zwei Steinpilze und noch ein paar „Champignons”, also graue Wulstlinge.
Der Korb ist fast voll, nach dem Putzen bleiben ungefähr zweieinhalb Pfund übrig. Einen Teil davon werde ich mir nachher braten. Und den Rest auf einen Faden auffädeln oder auf Backpapier auf ein Backblech legen, um sie zu trocknen. So habe ich nach knapp zwei Stunden im Wald auch noch eine gute Zeit in der Küche zu tun. Zwiebeln, Pilze, Butter in die Pfanne und dazu nachher ein Butterbrot. Und natürlich ein Bier dazu. Oder zwei.
Wie gut, daß nach einem Regen die Pilze so schnell aus dem Boden schießen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Gut fand ich am 26.08.2022 die fabulierten Bilder für diesen Text, die Abkühlung (leider nur mit sehr, sehr wenig Regen), die zwei Hefeweizen (die ich noch trinken werde).
Für morgen zog ich die Tageskarte Drei der Kelche.
© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ob es auch Pfifferlinge zu finden gibt?
Ach, wenn ich doch mal wieder Edelreizker finden würde – aber die gibt es hier in der Gegend nicht.
Von denen habe ich noch nie gehört.
Lactarius deliciosus.
Panieren, braten (höchstens medium). Mit Butterkartoffeln genießen.
Das ist besser und zarter als Kalbfleisch. Dagegen sind Pfifferlinge gedünstete Bierfilze.
https://de.wikipedia.org/wiki/Edel-Reizker
Ich bereite um diese Zeit immer ein bis zwei Mal ein Kartoffelgratin mit Pfifferlingen zu. Ein Rezept aus dem Schwarzwald. Sehr lecker und einfach. Allerdings auch teuer.
Da muß ich wieder mal einen meiner Lieblingscartoons anbringen: https://twitter.com/Oblomow15/status/1563995586373849091
Hahaha, damit kommst du nicht weit.
Hier schwankten die Marktpreise zwischen 32 und 38€ das Kilo.
Da kriege ich richtig Lust auf eine schöne Pilzpfanne! Danke für die anschauliche Schilderung.
Und es geschah nur in meinem Kopf …
Danke für dieses wundervolle Kompliment.
Pilze muss ich kaufen, selber sammeln könnte bei meinem Unwissen sehr gefährlich werden 🙂