Nº 237 (2022) – Schnellwachsend

Ein Abendessen sammeln.

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Die Bäume lassen noch immer Tropfen fallen. Wasser glitzert auch am Unterholz. Es war noch längst nicht genug Regen, um die Trockenheit auszugleichen. Aber ich folge dem Geruch. Das lernte ich vom Großvater, vor vielen Jahren: Da, wo es nach Pilzen riecht, sind auch welche zu finden. Vielleicht sind sie noch zu klein und werden übersehen. Vielleicht geben sie sich auch nur durch diese typische Anhebung des Waldbodens zu erkennen. Mit etwas Glück aber sind genug Pilze zu finden für eine leckere Pfanne voller gebratener Pilze oder für ein Ragout oder einen Pilzgulasch. Immer dem Geruch nach. Allerdings nicht in Gummistiefeln wie früher mit dem Großvater.

Wie angenehm doch die Luft im Wald ist nach dem Regen. Kühler als draußen. Und hier herrscht eine wundervolle Ruhe, die nicht still ist. Vögel und Insekten sind zu hören; die Mücken nerven, ja, aber auch sie gehören zum Wald. Ich muß weiter nach links, der Geruch kommt von dort, glaube ich. Ja, er wird intesiver, aber ich sehe nicht einen einzigen Pilz. Ich drehe mich um mich selbst, mit geschlosssenen Augen. Dann suche ich kreuz und quer zwischen den Bäumen. Und finde dann schließlich.

Herausdrehen aus dem Boden. Nicht einfach nur oberhalb des Bodens abschneiden. Aber vor Ort noch vom gröbsten Dreck befreien. Mit dem scharfen Taschenmesser, das um Himmels Willen nicht aufgeklappt im Korb oder Beutel liegen soll! Das waren jetzt sieben oder acht Graue Wulstlinge. Wo die stehen, sollte noch mehr zu finden sein. Also wieder dem Geruch nach. Und dann doch noch ein paar Butterpilze, die auch Maronen­röhr­linge sein können, alles mit braunem Hut und gelbem Röhrenfutter hieß früher beim Großvater Butterpilz. Naja, eine Stunde bin ich jetzt im Wald, das Körbchen ist halbvoll. Auf dem Heimweg gehe ich ziemlich geradeaus. Trotzdem finde ich noch einige Pilze, von denen ich weiß, daß sie eßbar sind, von denen ich aber nur die Bezeichnungen kenne, wie sie der Groß­vater verwendete. Ziegenlippen und Ziegenbart zum Beispiel. Auch zwei Steinpilze und noch ein paar „Champig­nons”, also graue Wulstlinge.

Der Korb ist fast voll, nach dem Putzen bleiben ungefähr zwei­einhalb Pfund übrig. Einen Teil davon werde ich mir nachher braten. Und den Rest auf einen Faden auffädeln oder auf Back­papier auf ein Backblech legen, um sie zu trocknen. So habe ich nach knapp zwei Stunden im Wald auch noch eine gute Zeit in der Küche zu tun. Zwiebeln, Pilze, Butter in die Pfanne und dazu nachher ein Butterbrot. Und natürlich ein Bier dazu. Oder zwei.

Wie gut, daß nach einem Regen die Pilze so schnell aus dem Boden schießen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 26.08.2022 die fabulierten Bilder für diesen Text, die Abkühlung (leider nur mit sehr, sehr wenig Regen), die zwei Hefeweizen (die ich noch trinken werde).
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Drei der Kelche.

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Über Der Emil

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10 Kommentare zu Nº 237 (2022) – Schnellwachsend

  1. Nati sagt:

    Ob es auch Pfifferlinge zu finden gibt?

  2. Lin sagt:

    Da kriege ich richtig Lust auf eine schöne Pilzpfanne! Danke für die anschauliche Schilderung.

  3. Frau Momo sagt:

    Pilze muss ich kaufen, selber sammeln könnte bei meinem Unwissen sehr gefährlich werden 🙂

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