Nº 227 (2022) – Absage

Und ein sehr schlechtes Gewissen.

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Und dann wird die Angst vor der eigenen Courage doch zu groß, könnte ich sagen. Obwohl: Das ist es nicht. Jedenfalls hatte ich heute schon fast alles im Rucksack, was ich am Wochenende dabeigehabt hätte haben müssen (schon­wieder ein „hätte”). Aber jetzt weiß ich, daß ich aller Wahrscheinlichkeit nach, mit ziemlicher Sicherheit morgen alles wieder auspacke und an seinen ange­stammten Plätzen verstaue. Und daß ich heute noch Bescheid geben muß, daß ich das lange Geplante einfach nicht zu schaffen glaube. (Gut, die Absage habe ich bereits geschafft.)

Der Kopf. Der Kopf ist nicht frei für das, was erlebt werden könnte. Und ich habe deshalb durchaus ein schlechtes Gewissen.

Wieso das denn, werden sich manche fragen. Also: Wieso ist denn der Kopf nicht frei? Und wäre an dem Wochenende nicht vielleicht DIE Gelegenheit gekommen, den Kopf freizumachen? Wieso denn jetzt auch noch ein schlechtes Gewissen? Außerdem ist es doch schön warm und sonnig draußen, also könnte ich ja einfach mal öfter rausgehen und dann würde es mir ja besser gehen und das hilft ja auch gegen depressive Verstimmungen und macht sowieso gute Laune und bessert das Wohlbefinden allgemein. Wäre doch am Wochenende wirklich die wunderbare Möglichkeit dazu?

Ha. Ha. Ha.

Solche Worte und Ratschläge sind wenig hilfreich, denn mir ist es zu warm, zu sonnig, zu schwül, und echte Begegnungen mit echten Menschen überfordern mich gerade. Leider. Und daher kommt das schlechte Gewissen: Weil ich auch Menschen treffen wollte, sogar immernoch treffen will – und ich habe bemerkt, daß ich das gerade einfach nicht schaffe, nicht schaffen kann, mich heillos überfordern würde.

(Ja, so sieht es in mir aus, das ist, was ich im Normalfall verstecke und nicht der Öffentlichkeit mitteile.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 16.08.2022 die gebügelte und weggeräumte und gewaschene Wäsche, die Kraft zur Absage.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte XV – Der Teufel.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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8 Kommentare zu Nº 227 (2022) – Absage

  1. Nati sagt:

    Aber du schaffst es abzusagen, dass ist schon viel.
    Es ergibt sich bestimmt noch andere Möglichkeiten für ein Treffen.

  2. Stefan Kraus sagt:

    Kein Ratschlag. Absolutes Verstehen.
    (Brauchst nicht antworten. Absolut okay.)

  3. WolfganH sagt:

    Puh hört sich nicht gut an Emil. Rat kann ich dir keinen geben, nur pass auf dich auf

  4. Gudrun sagt:

    Die dich ein bisschen kennen, wissen und respektieren das. Es erfordert viel Mut, so offen darüber zu reden oder zu schreiben.
    Grüße von nebenan.

  5. Andrea Sophie sagt:

    Wie ich das kenne.
    Der innere Kampf um die Absage.
    Oder doch, Augen zu und durch…

    Jedenfalls ist die geschaffte Absage ein guter Weg.

  6. Elvira sagt:

    Du hast etwas entschieden, was dir wichtig ist, weil du dir wichtig bist.

  7. Sonja sagt:

    Geht doch!

  8. LaLuna sagt:

    Versteh ich voll.
    Habe ich leider auch zuoft diese Zustände…
    Ein furchtbares inneres hin und her.
    Aber bringt ja nix. Wenn man sich zu irgendwas quält.
    Gute Besserung!

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