Nº 117 (2022) – Fraktalähnlich

Chaos, das geordnet erscheint. Vereinsleben eben.

To get a Google translation use this link.

 

Und dann löste sich das befürchtete Chaos, das ich durch meine freiwillige Meldung für etwas Notwendiges zu verursachen befürchtete, im Laufe des heutigen Tages doch weitgehend in Wohlgefallen auf. Gut, ich hatte gestern jemandem mein Herz ausgeschüttet. Und diese Person fragte dann bei jemand anderem, der auch von meiner Entscheidung betroffen ist, etwas genauer nach. Obwohl ich jenem Menschen immer wieder sagte: „Nein, das ist nicht deren Schuld, ich hab mich ja freiwillig gemeldet.” Das Ganze Ding ist viel zu kompliziert, um es hier in ein paar Worten zu erklären. Jedenfalls biete ich mich immer gerne an, wenn andere grade noch arbeiten sind, die anstehenden Fahrten mit dem Fliewatüt (ein uralter Transporter, rostig-orange gefärbt) für den Verein zu unternehmen. Und an diesen Touren hängt üblicherweise immer auch Ausrüstungsschlepperei dran. Vereinsleben eben, dachte ich. Mir wurde heute gesagt, ich solle mich nicht immer anbieten. Und das wurde sogar korrekt begründet. Aber von klein auf habe ich gelernt: Wenn's niemand anders machen kann und Du grad Zeit hast, dann mach's einfach. Genau so handele ich noch heute. Da ist es mir ziemlich gleich, wie erschöpft oder unwillig ich bin, ich biete meine Hilfe an. Dummes Verhalten, ich weiß. Genau das wurde mir heute auch wieder gesagt. Ich würde in solchen Situationen viel zu wenig auf mich selbst, auf meine Gesundheit (sehr eingeschränkt) und auf mein Wohlbefinden achten. Ja. Treffer. Versenkt. Mir wurde die Wahrheit gesagt, die ich zwar selbst auch kenne, aber geflissentlich ignoriere. Ich wiederhole: Dummes Verhalten, ich weiß. Dementsprechend wurde jetzt vereinbart, daß ich ab sofort bei solchen Entscheidungen über Arbeit für den Verein mich erst absprechen werde mit dem Menschen, dem ich gestern einfach so mein Herz ausschüttete.

Apropos Verein: Mir macht das so verdammt viel Spaß, #MarktMönch #BruderEmil zu sein. Jaja, es ist ein Ehrenamt – und tatsächlich fühle ich mich geehrt, das tun zu dürfen, was ich als eben jener eben so tu. Ein wenig wundert es mich nur, daß bisher noch niemand vorbeikam, der mich vom Blog oder von anderswo „aus dem Netz” kannte (bzw. daß ich mich an keinen solchen Besuch erinnern kann). Die nächste Gelegenheit dafür besteht in Roßlau (Dessau-Roßlau) in der Burg. Für das kommende Wochenende – Walpurgis und Tag der Arbeit – habe ich schon heute alles vorbereitet: Klamottenbeutel mit Hocker, Freß- und Sauf- und Ausrüstungskiste, Pilotenkoffer mit dem Schreibzeug. Die Kutten sind gebügelt. Irgendwann brauch ich ein neues Zingulum, geflochtenes Hanfseil wäre mir am liebsten. Und neue Gänsefedern brauche ich unbedingt (das mit dem ganzen Flügel hat leider nicht geklappt). Ach, Wasserschleifpapier oder einen der Poliersteine muß ich auch mitnehmen, dann kann ich meine venezianische Glasfeder wieder in Form bringen.

So viel zu tun. Ich weiß, es wird mir wieder Kraft geben und Freude bringen, am bevorstehenden Wochenende eine solche Zeitreise zu machen. Und falls wirklich jemand in der Gegend ist: Quatscht Sprecht mich doch einfach an, ich beiße nur, wenn es ausdrücklich gewünscht wird.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 27.04.2022 das Beladen am Lager, die entwirrte Verwirrung, die erhaltenen Rückmeldungen.
 
Für morgen zog ich die Tageskarte IV – Der Herrscher.

© 2022 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
Dieser Beitrag wurde unter #BruderEmil, 2022, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Kommentare zu Nº 117 (2022) – Fraktalähnlich

  1. Nati sagt:

    Manches (rücksichtsvolle) Verhalten hat man so verinnerlicht, dass es einem selbst gar nicht in den Sinn kommt dies zu ändern. Weil das Gegenteil sich mehr als falsch anfühlt und man sich oft fragt, wenn man das Gegenteil bei vielen anderen wahrnimmt, warum sie nur so sind.

  2. Dessau-Roßlau klingt weit weg.
    Schade.
    Wir kennen einen feinen Keramiker, der ist 2,5 h Fahrt weg. Das schaffen wir nicht.
    Wäre es eine halbe Stunde, dann schon.

  3. Elvira sagt:

    Mmh, Hilfe anbieten und zupacken, wenn es gebraucht wird und ich Zeit (und Kraft) habe, habe ich immer gemacht und werde es auch weiter machen. Mir bescheinigte mal ein Psychologe, dass ich wohl an einem Helfersyndrom leide. Dem musste ich widersprechen. Denn ich suche zum einen nicht zwanghaft nach Gelegenheiten, um meine Hilfe anzubieten, und kann zum anderen sehr gut erkennen, wann ich ausgenutzt werde. Was ich aber wirklich lernen musste, bis ich Letzteres erkannte, ist Nein zu sagen. Das war sehr, sehr schwer!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende mit vielen wissbegierigen Besuchern.
    Liebe Grüße,
    Elvira

    • Der Emil sagt:

      (Manchmal ist es auch ein Unbedingt-Dazugehören-Wollen, daß mich antreibt.)

      Ich werde jetzt auch lernen, nicht immer Hier zu schreien. Eerstmal Schweigen lernen, ehe ich zum Nein übergehe.

  4. Gudrun sagt:

    So schnell komme ich nicht über den großen Teich, aber der Sommer ist lang und da wird es schon mal klappen, den Bruder Emil zu besuchen. Und wenn mir jemand einen Flederwisch geben kann, dann bekommst du ihn.
    Mit dem Helfen ist das so eine Sache, denn es gibt immer welche, die das ausnutzen. Da kann man anfangen mit dem Nein- Sagen. Und bei den eigenen Einscghränkungen. Die muss man lernen zu akzeptieren. Das ist mir besonders schwer gefallen.
    Hier fängt gerade der erste richrige Besuchstag an.
    Grüße aus 9.337,31 km Luftlinie.

Antworte auf den Kommentar von Nati Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert