Nº 046 (2022) – Gaeilge

Was Irgendwo so alles sein kann.

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Selten geworden ist er, der Wunsch, Irland zu besuchen. Noch viel seltener erin­nere ich mich an meine Idee, dort mich niederzulassen. Irgendwo im Gaeltacht, in der Gegend, in der noch Irisches Gälisch gesprochen wird, eben Irisch, Gaeilge, und nicht Englisch. Irgendwo im Westen der Insel ist das, irgendwo auf der Amerika zugewandten Seite des Landes. Irgendwo. Áit éigin.

Lange Zeit war das mein Synonym, mein Wort für „in Ruhe und in Frieden”, dieses Irgendwo. Und es hieß zugleich immer auch Irland, Eire. Welch glück­liche Phantasien hatte ich von streunenden Katzen, Schafen auf postkarten­grünen Wiesen zwischen postkartengraubraunen Mauern aus unbehauenen Steinen, von einem unter einen postkartenblauen Himmel geduckten Haus ganz aus Steinen aufgeschichtet von vielen, vielen Jahren, Jahrhunderten gar, und in dem Haus mußte es unbedingt einen richtigen offenen Kamin geben. Nie machte ich mir Sorgen um die fremde Sprache, um Strom, Wasser, um ein richtiges Klo oder Geld, um Brennstoff für Kamin und Küchenherd, um Inter­net­zugang und andere Alltäglichkeiten. Blauäugig nenne ich heute, was ich dachte bzw. träumte. Aber: Es war eben „immer nur” ein Wunschtraum; vielleicht ist es in einem solchen zulässig, alles sorglos sich vorzustellen. Blauen Himmel, weiße Wolken, grüne Wiesen, schwarze Schafe. Ja: Und einen braun-weißen Hund mit Schlappohren.

Wenn ich mich an meinen Traum oder an den Wunsch erinnere, dann sehe ich all das wieder vor mir. Und ich verschwende keinen Gedanken an den Regen, die Einsamkeit und all die andere Unbill, die es dort sicher geben wird. Wenn ich das nur bei meinem realen Leben auch so machen könnte …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Gut fand ich am 15.02.2022 über zwei Stunden zu Fuß in der Stadt unterwegs gewesen zu sein, die sieben in ein öffentliches Bücherregal gestellten Bücher (und einige Musik-CDs dazu), den gekochten Linseneintopf (gibt es ab morgen).
 
Für morgen zog ich die Tageskarte Acht der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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3 Kommentare zu Nº 046 (2022) – Gaeilge

  1. Gudrun sagt:

    In Irland gibt es mehr Schafe als Menschen.🙂 Und viele Schafe der in Irland typischen Rassen haben helle Wolle. Ich lese immer noch viel über Schafe, Schafhaltung und die Länder, wo sie noch eine große Rolle spielen.
    Bewahre dir deine Träume, lieber Emil. Ab und an die Realität vergessen ist doch nichts Schlechtes. Und vielleicht findest du hier einen Ort, der deinem Traum nahe kommt. Ich wünsche dir das.

  2. Sofasophia sagt:

    Oh, du auch? Ich war sogar dort und fühlte mich sehr wohl. Später hat sich der Traum nach Skandinavien verschoben und wurde ein paar Mal gefüttert.

    Könnten wir morgens aufstehen ohne solche Träume, so naiv sie auch sein mögen?

  3. Bess sagt:

    vielleicht gelingt es in einem Wunschtraum, nur die wirklich wichtigen Dingen zu sehen.

    Ob man das für die Wirklichkeit üben kann?

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