2021,361: Im Dazwischen

Was soll einer dazu schon schreiben.

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Da sind wir wieder angekommen: Zwischen den Jahren. Aber waren wir nicht das ganze Jahr „irgendwie dazwischen”, zwischen Leben und irgendetwas Anderem. Aushalten vielleicht?

Ich verzichte diesmal sogar auf die Betrachtung der zwölf Rauhnächte, in denen die zwölf Monate des kommenden Jahres erkennbar sein sollen. Nein, ich möchte nicht wissen, was da wieder auf mich, auf uns alle zukommt. Zu schlecht sind meine Erfahrungen mit 2021 – aber halt, das stimmt ja nicht: Zu schlecht sind meine Erfahrungen mit einigen Menschengruppen, kleinen Gruppen zumeist, die viel zu laut sind und auf die sich ein viel zu großer Teil aller Aufmerksamkeit richtet. Außerdem bin ich zur Zeit sowieso mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Habe für Spekulationen ins Blaue hinein keine Kraft und nur sehr wenig Zeit. Was ich übrigens gerade sehr jetzt gut finde.

Ganz oben hier im Text steht ein Wort, mit dem ich zur Zeit beschäftigt bin, und auch der Grund für die Beschäftigung damit ist in meiner rhetorischen Frage versteckt. Dazwischen. Das ist nicht ganz hier und nicht ganz da, das ist etwas, das auch übersehen werden kann. Das kann unangenehm sein, dort, zwischen zwei Stühlen. Zwischen Hoffen und Bangen. Zwischen Start und Ziel. Zwischen Mahlzeit. – Moment. Zwischenmahlzeit paßt nicht zu der von mir begonnen Aufzählung, ist aber auch eines der Dazwischen. (Oder, weil Genitiv: der Dazwischens? Okay, jaaaa, ist schon gut.) Zwischen Himmel und Hölle. Gerade bei diesen Antagonisten fällt mir auf, das der positiver bewertete Begriff sehr häufig als erstes der beiden Dinge benannt wird, zwischen denen man oder etwas sich befindet. Na, wer weiß diesmal, warum das so ist? Und was ist mit dem, der die oder das zwischen Baum und Borke …

Dazwischen. Ein sonderbarer, ein bemerkenswerter, ein sehr seltsamer Begriff zur zeitlichen und örtlichen und emotionalen Positionsbestimmung. Wieder­ein­mal kann ich nur von mir ausgehen und sagen, daß für mich das Dazwi­schen zwischen zwei Gefühlen das schwierigste aller Dazwischen ist. Wenn ich nicht weiß, was ich gerade fühle oder fühlen kann und sollte und darf. Das dazwi­schen ist noch unangenehmer für mich als das ständige hinundherspringen zwischen zwei Zuständen. Weil es mir eben im Dazwischen unmöglich ist, mich zu entscheiden. Gruselig, das Ganze.

Zwischen den Jahren. Für viele ist das trotz allem noch immer die Zeit, in der auf das vergangene Jahr geschaut wird. Öffentlich werde ich das für 2021 nicht tun. Privat aber, für mich ganz allein, wird es doch geschehen. Geschieht es gerade. Und ja, so schlecht war es am Ende dann doch nicht …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 27.12.2021 waren positiv sehr intensive Erinnerungen, acht gerippte CDs, ein Gang durchs dunkle Dorf an den beleuchteten Fenstern vorbei.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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5 Antworten zu 2021,361: Im Dazwischen

  1. Myriade sagt:

    Ich fand es letztlich auch nicht so schlecht. Wenn man sich ein geeignetes Objekt zum Vergleich sucht, kann alles „noch ziemlich gut“ werden …

  2. Roswitha sagt:

    hört sich gut an bei dir, lieber emil. und es ist ja auch unsere zeit, eine andere haben wir nicht. machen wir für uns, soweit es geht, das passende draus. auch ich fühle mich manchmal „zwischen den stühlen“ sitzend. alles gute, gruß roswitha

  3. Frau Momo sagt:

    Dazwischen ist es ja nicht wirklich. Noch haben wir das alte Jahr, ab Samstag dann ein neues. Ich habe diesen Begriff „zwischen den Jahren“ nie wirklich verstanden.
    Ich persönlich fand es ein sehr anstrengendes Jahr. Dieses Virus wabert einfach über allem. Da ist auch immer etwas Angst dabei, auch wenn wir geboostert sind. Da ist viel Sorge um Freunde und Familie, die sich schlecht schützen können. Es gab Tote und Erkrankte. Und auch die, die laut schreien und mitnichten in der Mehrheit sind, sind anstrengend, sie machen mich wütend und mürbe.
    Es hat auch persönliche Cuts gegeben, Freundschaften haben nicht stand gehalten. Aber letztlich war das Jahr nicht so anders als andere auch. Wir waren nicht verreist, aber das ist ja nun wahrlich zu verschmerzen. Wir haben es gut, wir haben uns, wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben gut zu essen und müssen uns wenig Sorgen machen. Und letztlich bin ich bei all dem Chaos und all den falschen und zu späten Entscheidungen doch dankbar, dass wir uns hier impfen lassen können und das unabhängig von Einkommen und Status.
    Wie so oft… für die einen ist das Glas halb leer, für die anderen halb voll. Ich bemühe mich, immer ein halb volles zu sehen.

  4. Sonja sagt:

    Leider kann ich mit den Raunachtsachen nix anfangen, doch irgendwie fühlen sich diese Tage nach Übergang und Brücke an. Die Brücke ist allerdings noch recht wacklig, eine Art Hängebrücke über tiefes Tal.
    Aber wir schaffen das!
    Gruß ins Dazwischen von
    Sonja

  5. Gudrun sagt:

    Durch das dunkle Dorf wäre ich gerne mitgekommen.
    Ich finde das Dazwischen gar nicht so schlecht, weil man eben entscheiden kann, was gut oder weniger gut für einen ist.
    Eine gute Zeit wünsche ich dir in der Heimat.

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