2021,275: Sonnabend

Ich trage Erinnerungen zusammen und vergleiche mit heute.

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Jaja, dieser Streit um die richtige Bezeichnung dieses Tages: Sonnabend oder Samstag. Aber der soll hier nicht Thema sein. Auch nicht die Tatsache, daß ich durch meine gesamte Schulzeit und sogar noch während des Studiums am Sonnabend regulären Lehrbetrieb erlebte.

Es gab in dem Umfeld, in dem ich aufwuchs, einige Rituale, die damals allgemein üblich waren (so dachte und denke ich jedenfalls). Häufig war der Sonnabend Badetag. Nein, damals duschte nicht jede und nicht jeder täglich, damals waren unter der Woche Waschlappen und Seife ausreichend. Sonderbar, wie die Menschen damals gestunken haben müssen, nicht wahr? Und nun, die ihr alt genug dafür seid, das auch noch so erlebt zu haben: Stanken wir damals wirklich? Am Sonnabend wurde im Westfernsehen die Programmvorschau für die kommende Woche ausgestrahlt. Wenn die Gelegenheit dazu war, wurden während dieser Sendung wirklich handschriftlich auf einem Zettel einige der interessant scheinenden Filme und sonstigen Sendungen notiert. Sonnabend war auch der einzige Tag, an dem wir Kinder und Jugendlichen einmal länger aufbleiben durften, um vielleicht “Ein Kessel Buntes” oder eine Untehaltungsshow oder einen Film (Indianerfilm z. B.) im Westfernsehen bis zum Ende anschauen zu können. Und als ich dann 17 Jahre alt war, ging ich zur Dorfdisko im Volkshaus. Manchmal auch in den Nachbardörfern. Allerdings endeten die regelmäßig um Mitternacht …

Sonnabends liefen meine Großeltern oft die fünf Kilometer zu ihrem Wochenendhaus am Waldrand im Nachbardorf. Manchmal ging ich mit ihnen, besonders in den Zeiten, da Blaubeeren und Pilze in den Wäldern zu finden waren. Knapp fünf Kilometer Fußweg zu einem Ziel. Ja, meine Großeltern hatten kein Auto, meine Eltern damals auch noch nicht. Wozu auch, es fuhren ausreichend Busse auch auf den Dörfern, auch spätabends und auch am Wochenende. Aber knapp fünf läppische Kilometer ging man damals oft noch zu Fuß.

Am Sonnabend waren fast alle Geschäfte geöffnet. Aber nur bis elf oder zwölf Uhr. Als der Schulweg noch an der Arbeitsstelle der Mutter vorbeiführte, an einem HO-Geschäft, wartete ich hin und wieder bis zu ihrem Schichtende. Dann gingen wir (zu Fuß) gemeinsam nach Hause.

Als die reguläre Arbeitszeit von 48 Wochenstunden auf 40 Wochenstunden reduziert und der Sonnabend regulär arbeitsfrei wurder (außer im Handel, im Gesundheits- und Transportwesen usw. usf.), gab es noch immer die allseits beliebten Subbotniks. Freiwillige Arbeitseinsätze, in denen zum Beispiel Garagen in den Betrieben gebaut wurden oder Zäune, es wurden Baumstubben gerodet, Bäume gepflanzt. Für den Einsatz im Subbotnik gab es keine Bezahlung, manchmal aber einen Verpflegungsbeutel.

 

Sonnabend. Hier stehen jetzt ein paar der Erinnerungen, der sehr lückenhaften und teilweise unsicheren Erinnerungen an die Samstage meiner Kindheit und Jugend. Ich habe ein paar Seiten am Ende meiner aktuellen Kladde reserviert für weitere Erinnerungen an Wochentage. Ich bin neugierig, was ich da alles noch “ausgraben” kann. Mir wird noch mehr einfallen zum Sonnabend. Und für mich vergleiche ich das Damals mit dem Heute und frage mich, ob das Heute wirklich so viel besser ist.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 02.10.2021 waren positiv das frühe Aufstehen, viele Gespräche und Begegnungen auf dem Markt, geleistete Soforthilfe mit einer schnellen Transkription.
 
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals (Geduld beweisen und auf den richtigen Moment warten).

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Über Der Emil

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6 Kommentare zu 2021,275: Sonnabend

  1. Nati sagt:

    Den Badetag an den Samstagen kenn ich auch noch, sonst gab es die berühmte Katzenwäsche. Und gestunken hat man trotzdem nicht.
    Es ist auch keiner verhungert wenn die Geschäfte an den Samstagen zur Mittagszeit schlossen.😉

  2. Der Emil sagt:

    Wie konnten die Menschen nur so lange überleben?

  3. Regine sagt:

    Schöne Erinnerungen hast Du da aufgeschrieben und einiges habe ich ähnlich erlebt. Früher war ich jung, das war besser. Aber die Zeit damals an sich hatte genau wie die Gegenwart ihre Licht-und Schattenseiten. Heute ist nicht besser, nur anders.

  4. Frau Momo sagt:

    Ich weiß nicht, ob es besser war, es war halt anders und wir haben auch überlebt. Aber heute arbeiten die Menschen auch anders und für viele sind die längeren Öffnungszeiten schon auch ein Segen. Ich bin selber ganz froh, wenn ich den Sonnabend etwas ruhiger angehen kann, früh aufstehen muss ich die ganze Woche.
    Wir haben uns auch noch mit Waschlappen und Seife gewaschen und natürlich hat niemand gestunken. Sich mit dem Waschlappen abzuseifen ist ja vielleicht sogar gründlicher als sich unter die Dusche zu stellen. Aber ich gebe zu, ich dusche lieber und am Wochenende gönne ich mir hin und wieder mal ein Vollbad, vor allem im Herbst und Winter.
    Besondere Samstagsrituale gab es bei uns nicht. Wir waren ja oft auf Eiderstedt in unserem Ferienhaus, aber das war mehr Wochenend-denn Samstagsritual.

  5. Gudrun sagt:

    … und montags gab es immer Makkaroni in der Schulspeisung. Wenn man nicht beizeiten da war, erhielt man einen Klumpen.
    Donnerstags kam der Bierlaster aus Köstritz. Die haben die Kästen gar nicht erst in den Konsum getragen, sondern vom LKW verkauft. Da meine Eltern arbeiten mussten, war das meine Aufgabe, nachmittags um Viere mit einem klapprigen Wägelchen das Bier zu holen. Einmal hatte ich es vergessen und habe dann im Laden einen Kasten A***b** gekauft. An dem Abend glühte bei uns zu Hause die Luft. Dass ich von dem Bier trinke war unwahrscheinlich. Da hat schon das ganze Dorf aufgepasst.
    Danke, für die Erinnerung. 🙂

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