Ein verschwindendes altes Wort, weil leider nur noch das zugehörige Verb substantiviert verwendet wird.
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Mein Großvater mähte das kleine Getreidefeld direkt am Hof noch mit der Sense. Daran kann ich mich erinnern (aus den Jahren 1968 bis 1972). Nicht aber an den Drusch. Erst das Stroh in der Scheune und die Körner auf dem Dachboden über dem Stall sehe ich wieder vor mir. Hauptsächlich waren die Hühnerfutter, Tierfutter. Und ich sehe ihn, den Großvater, wie er aus einem Tuch vor seinem Körper mit der Hand in weiten Schwüngen säend über den Acker ging im Frühjahr. Aber das gehört jetzt nicht hierher, denn ich muß, mich daran erinnernd, nocheinmal von eben jener Mahd schreiben: Da gehört ein ganz besonderer Klang dazu. Wenn die Sense durch trockenes Getreide fährt. Dieser Klang ist ganz anders als der beim Mähen von Gras bei der Grasmahd. Vielleicht hörte ich neben dem Schnitt auch das Aneinanderreiben der Getreidehalme, ihr Aufeinanderfallen? Und dann hatte der Großvater zum Mähen zu den Mahden der Gerste und des Hafers so einen sonderbaren Bügel unten am Sensenbaum, damit sich das gemähte Getreide nämlich in sauberen Schwaden niederlegte. Außerdem schienen all seine Bewegungen von ganz alleine zu geschehen, sobald beide Hände den Sensenbaum richtig gegriffen hatten.
Ja, ich fand die Mäh- und Dreschmaschinen und auch die Mähdrescher auch interessant. Bei weitem interessanter aber war das Mähen die Mahd mit der Sense. Diese gleichförmige Drehbewegung mit den kleinen Schritten und das fallende Mähgut: faszinierend. Immer wieder holte der Großvater den nassen Wetzstein hervor und strich damit am Sensenblatt entlang. Und ab und zu konnte ich ihm auch zusehen, wie er das Sensenblatt dengelte, also »kalt schmiedete«, durch Hammerschläge das Blatt auszog. Ja, ich durfte mit sieben oder acht Jahren auch selbst probieren. Die Schneide des Sensenblattes immer vom Körper weg aufgelegt auf den Dengelbock, damals. Später übte ich bei anderen Familienmitgliedern weiterhin dengeln, auf unterschiedlichen Dengelböcken und sogar auf einem »normalen« Amboß. Und heute kann ich es noch immer, sowohl dengeln als auch mähen. Nur habe ich noch nie trockenes Getreide mit der Sense geschnitten, sondern immer nur Gras gemäht damit. Zum allerersten Mal eben damals als Kind mit viel zu großer Sense unter den wachsamen Augen dieses alten Mannes.
Wie kam ich heute nur auf dieses Thema? Sense. Mähen. Will es schon Sommerende, gar schon Herbst werden? Obwohl: Wird die Ernte nicht schon lange eingebracht, je nach angebauter Frucht auf den Feldern? Da fällt mir ein: Sommerende war für mich lange Zeit, wenn die Kartoffelfelder gestoppelt wurden … Ach: Irgendwo im Radio wurde das Wort Mahd verwendet, heute. Hach.
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 08.08.2021 waren positiv Linseneintopf mit Würstchen, durchgesehenes Papier der Ritterschaft, viel echte Stubnmusi im Radio.
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Stäbe.
© 2021 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Ach, ist das ein schöner Beitrag, einer der Erinnerungen weckt, aber auch ein bisschen traurig macht. Herbstgefühle hatte ich heute auch und traurig bin ich, weil ich den Sensenkurs beim Nabu nie besuchen kann. Mit einer Mahd wird es nichts mehr, aber auf der Suche nach Alternativen bin ich immer noch oder besser wieder.
Gruß von nebenan.
Es hat dieses eine Wort gereicht, um mich in die Kindheit zu versetzen.
Und Mitte August war mir bisher nur selten herbstlich, am Wetter alleine kann es nicht liegen, dessen bin ich mir sicher.
Mal sehen, ob ich irgendwann mal wieder den Sensenmann geben darf, auf einer Wiese … (Ich habe mir in den vergangenen Tagen auch wieder so einen Obstpflücker herbeigewünscht, weil ich Mirabellen und Birnen gesehen habe weit oben an den Bäumen.) Und ich wünsch Dir, daß Du fündig wirst!
Ob ich fündig werde, weiß ich nicht. Aber wenn ich aufgebe zu suchen, ist ausgeträumt. Und das will ich nicht.
Jetzt, wo ich viel Zeit habe, finde ich ganz viel, was ich machen könnte, und zwar gern. Nur gibt es jede Menge Einschränkungen und halbe Portionen braucht keiner.
Diese Obstpflücker kenne ich auch noch, habe sie aber selber nie genutzt.
Du magst den Herbst, gell? Ich so gar nicht.
Den Herbst als Vorspiel zum Winter. Ja.
Ich dachte, Mahd sei ein schweizerdeutsches Wort.
Als Teenie hab icb vom Vater Sensemähen gelernt. Braucht viel Konzentration und Kraft.
Und sah bei meinem Großvater so unanstrengend und routiniert (automatisch) aus.
Mahd ist ein altes, deusches – und damit auch Schwizerdütsches – Wort, das heute durch das „Mähen“ ersetzt ist. Im Schweizerdeutschen ist es allerding auch das wort für das, was da gemäht wurde, las ich heut (https://de.wiktionary.org/wiki/Mahd).
Genau, das „Produkt“ heißt hierzulande Mahd(li). 😉
Danke fuer diesen lehrreichen Beitrag!
Ich vermute, auch Du kannst mit Sensen umgehen?