2021,171: Nachtwerk

Einmal mehr träumte jemand einen unruhigen Traum.

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In der Nacht ist es möglich, das Hirn leerzuschreiben. Die Ventila­toren an, die Fenster weit geöffnet. Drei flackernde Kerzen auf dem Tisch spenden anfangs gerade ausreichend Licht für Tinte, Feder und Papier. Später ist die Schreibtischlampe notwendig. Im Glas wurde Wein mit Wasser vermischt, ein Eiswürfel schmilzt darin funkelnd dahin. Am Boden sammeln sich neben dem Tisch schon einige zerknüllte Seiten. Nein, nicht aus dem Notizbuch herausgerissen, sondern verworfene Blätter von einem Block. Die entsorgten Sätze schienen seltsam unge­lenk, eckig schief – also weg damit. Auf dem Tisch finden sich die losen Seiten mit den Texten, die als gelungen gelten können:
»Ein kraftvolles Wort sollte es sein, das ihren Aufsatz abschloß. Eines, dessen Größe und Wirkung die Leser bestärken würde in ihren Bestre­bungen. Und dann endete der letzte Satz mit dem Wort “haltlos”.«

Was passiert mit den weggeworfenen Zeilen? Bleiben sie für alle Zeit ungesehen? Tauchen sie wieder auf, in anderen Momenten, und stellen sich dann als doch nicht so schlecht heraus? Es wird in jedem Falle wieder geschehen, was immer geschieht. Ist genug Tinte geflossen, so werden die zerknitterten Blätter aufgehoben, glattgestrichen so gut es eben geht und in eine Mappe sortiert. In genau diese, aus der auch heute Ideen entnommen wurden. Ja, zwei oder drei der früher ungenü­genden Textstellen erhielten heute Wörterumgebungen, in denen sie zufriedenstellend aufgehoben sind.

Das Gedankenkarussell verlang­samt sich nach fünf Stunden und drei Gläsern verdünnten Weines und hält an. Es ist Zeit, jetzt auszusteigen aus den eben noch rasenden Umkreisungen des Unsagbaren, weil für den Moment genug davon niedergeschrieben wurde.

Was ist der Unterschied zwischen Niedergeschriebenem und Aufge­schrie­benem? Mit diesem Gedanken bricht die Morgendämmerung an.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 20.06.2021 waren positiv Erdbeeren mit Zwieback in Milch (da war doch noch welcher in meinen Vorräten), in das Gefrierfach geschobene Erdbeeren, Abkühlung in der Wanne.
 
Die Tageskarte für morgen ist das Ass der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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