2021,035: Ein Zeichen der Stärke?

Wie aus Müssen erst Wollen und dann wieder Müssen wird.

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Es gab Tage, da wollte er auf sein Bewußtsein verzichten, freiwillig, ganz. Sich für eine Weile abschießen, ausknipsen, einfach nichts mehr mitbekommen müssen. (Genau: Dieses Müssen war das, was ihn daran am meisten störte.) Sich für eine Weile aus allem anstrengungslos heraushalten können, weil er von Nichts auch nicht das kleinste Fitzelchen mitbekommt. Ja, es hat manchmal geklappt, immer seltener geklappt – aber das Danach war nie schön, nie angenehm, nie wirklich erträglich. Nach dem Leiden, vor dem er in sein privates Nimmerland floh, folgte immer die Erkenntnis, daß genau dieses Leiden noch da war und noch ein oder zwei andere Leiden dazukamen. Schöne Scheiße war das.

An jenem Morgen gab er sich selbst ein Versprechen und goß alle Reste weg. Schwer war das. Noch schwerer war es, auf dieses wohlige Brennen in der Kehle zu verzichten. Das Schwerste aber blieb seither, alles aushalten zu wollen (und doch wieder: zu müssen). Alles.

 

 

Ich bin ihm ähnlich, sicher. Nur weiß ich noch nicht, in welchen Bereichen, denn er entwickelt sich weiter. Aber er ähnelt mir … Und bei mir, bei mir ist in dieser Hinsicht auch alles in Ordnung. Schwierig zur Zeit, ja, ziemlich schwierig, aber in Ordnung.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Am 04.02.2021 waren positiv eine kleine Rundfahrt, sechs weggebrachte Bücher, Selbstbeherrschung.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Naun der Kelche.

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Über Der Emil

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2 Antworten zu 2021,035: Ein Zeichen der Stärke?

  1. Stefan Kraus sagt:

    Du hast große Stärke, Emil.

  2. RRisch sagt:

    Wenn ich saufe, bin ich schwach. Darüber ehrlich berichten ist wiederum stark. Wie geht das zusammen? Ich denke, man muss dahinter schauen. Saufen ist Sucht. Physiologisch bedingt. Bekennen ist dagegen der Psyche geschuldet, also nicht der Physis. Die Sauferei ist also auf zwei getrennten Ebenen angelegt – so geht das zusammen. War mir so nicht klar. Danke für den Trigger!
    Gruss Roland

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