2020-101 — Luxus

Dabei ist es doch nur gesundes Verhalten.

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Ich habe eine »neue Angewohnheit« entwickelt. Etwas, zu dem ich mich trotz meiner schon lange vorhandenen Möglichkeiten dazu bisher nur selten überwinden konnte: Schlafen genau dann, wenn ich müde bin. Manche halten das für einen Luxus … Was aber, wenn das nicht luxuriös, sondern sogar – ich sag jetzt mal: gesund ist? Wenn die Disziplinlosigkeit nicht darin besteht, die formalen Regeln der Achtstundenarbeit zu durch­brechen? Sondern das Ignorieren der eigenen Bedürfnisse disziplinlos ist? Was dann? Ich jedenfalls muß nicht ein Gutteil meiner Konzentration darauf verwenden, einfach nur wachzubleiben und weiter zu funktionieren. Wenn die Erschöpfung so groß ist, daß ich müde werde, dann reagiere ich darauf und mache einfach eine Pause mit einem Nickerchen, schlafe also. Nicht lange, nein, das ist meist nicht nötig. Nennt es ruhig Luxus, daß mir genau das möglich ist. Ich habe ja »sowieso keine Arbeit und daher keinen Streß«. Viele, die damit keine Erfahrungen haben, scheinen exakt so zu denken. Aber vielleicht lernen einige Menschen gerade, daß das Unvor­stell­bare möglich ist und ein Leben ohne »Arbeit« (Gelderwerbs­ar­beit) und mit ziemlich wenig Geld sehr schnell sehr anstrengend und ermüdend ist.
 
Erspart uns die Diskussion darüber, daß ich ja durchaus »Arbeit« finden könnte, wenn ich nur wollte …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

 

P.S.: Positiv waren am 10.04.2020 Musikhören, Frakturschriftübungen, das den ganzen Tag offene Fenster (es war draußen leise genug dazu).
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Antworten zu 2020-101 — Luxus

  1. Corinna sagt:

    Mit dem Thema „Nickerchen“ habe ich mich tatsächlich erst vor ein paar Tagen aufgrund eines interessanten Hörtextes beschäftigt. Hier in Süditalien hat man ja ohnehin kein Problem mit dem Mittagsschläfchen, aber im asiatischen Raum soll es noch drastischer gesehen werden: Wer da mittags nicht schon das erste Mal rechtschaffen müde und bereit für ein Nickerchen ist, hat einfach nicht genug gearbeitet.

    Also… immer hoch mit den Beinen! In diesem Interview wurde auch gesagt, dass zwischen 10 und 30 Minuten völlig ausreichend ist, um für den restlichen Tag 60% leistungsfähiger zu werden.

    Arbeiten kann jeder. Aber hoffentlich gelingt es dir, etwas zu finden, dass dich erfüllt UND bezahlt wird. 🙂

    • Sofasophia sagt:

      Nein, nicht jede und jeder kann arbeiten. Manche „verdienen Geld“, arbeiten aber nicht dafür, andere arbeiten viel (zum Beispiel an sich selbst oder für andere) ohne Geld zu bekommen.
      Dem Schlaf um leistungsfähiger zu werden stelle ich den Schlaf, um sich wohlzufühlen gegenüber.

      Einfach nur als gedankliche Anregung.

      Sich Gutes tun, einfach so, weil wir es wert sind.

      • Corinna sagt:

        Ich fühl mich wohl, wenn ich leistungsfähig bin, wenn ich alles schaffe, was ich will und muss, weil ich nicht nur für mich allein verantwortlich bin, und dann noch Zeit für mich übrig bleibt. Von daher kann doch jeder aus dem Grund schlafen, aus dem er will. Fakt ist, Mittagsschlaf ist gut und kein Grund dafür, sich zu schämen oder rechtfertigen zu müssen.

        Wenn du die Arbeit an sich selbst sowie die Arbeit für andere ohne Bezahlung auch als Arbeit siehst, dann sind wir völlig einer Meinung. Das meinte ich damit, dass jeder arbeiten kann. Davon ausgenommen sind vielleicht Komapatienten. Das Abschalten von der Arbeit wird einem jedoch schwerer gemacht als das Zugeständnis der Arbeit. Womit wir wieder oben beim Thema Mittagsschlaf wären.

  2. Sofasophia sagt:

    Das unterschreibe ich alles genauso. Meine Rede! Und das mit dem Schlafen-wenn-müde kann ich zum Beispiel auf dem Einsamen Gehöft ganz wunderbar dank meines dort lebenden diesbezüglichen Vorbildes. 🙂

  3. Xeniana sagt:

    Radio Corax ist keine Arbeit?Ich sehe das mit dem Arbeiten so wie Sofasophia

    • Der Emil sagt:

      Deshalb ja in Klammern Gelderwerbsarbeit.

      Corax, Transkription, Schreiben mit Federn, selbst das Bloggen — all das ist Arbeit. Sicher.

  4. wildgans sagt:

    Diese poetischen Denkgewänder, wenn man sie bei anderen trifft, hach…

  5. Frau Momo sagt:

    Zwei Sätze, zu denen ich mich nie hinreissen lassen würde…. „ein Leben ohne „Erwerbsarbeit“ ist nicht anstrengend“ und „jeder findet Arbeit, wenn er nur will.“
    Erwerbsarbeit ist oft mehr als nur das Geld verdienen und ich merke jetzt im home office (ein Glück, das das bei uns möglich ist), wie sehr mir auch die sozialen Kontakte zu den KollegInnen fehlen. Es ist zwar gar nett, mal Morgens nicht gleich unter die Dusche und los zu müssen, aber ich freue mich schon wieder darauf, ins Büro zu können.
    Und wie anstrengend das Leben mit wenig Geld ist, habe ich auch mehrere Jahre erlebt. Mich hat das zeitweise ziemlich mürbe gemacht. Gearbeitet habe ich auch in Zeiten sog. Erwerbslosigkeit meistens, ehrenamtlich halt, aber Arbeit ist das natürlich auch. Und was alles wegbricht, jetzt wo viele Ehrenamtliche sich zurückziehen mussten, sieht man ja… in Hamburg z.B. ist quasi die gesamte Obdachlosenbetreuung zusammengebrochen, überall haben viele Tafeln geschlossen, etc.
    Ich bin ja schon lange für das bedingungslose Grundeinkommen

  6. laluna80 sagt:

    Danke. SO hab ich das noch nicht gesehen und hilft mir ein wenig mich nicht immer zu schimpfen, wenn ich mal mich nochmal hinlegen muss.
    Ich pusche mich eh schon viel zu viel. und meistens dann in eine Depression hinein.

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