Mein Gewächshausgleichnis.
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Seit einiger Zeit versuchen ich, jeden Tag nochmal 30 min zu sitzen und einfach aufzuschreiben, was mir da grad durch den Kopf geht. Meist erscheinen dann Sachen, die ich lieber nicht öffentlich zeigen möchte. Manchmal, gestern zum Beispiel, ist es anders.
Dieser immer wieder auftretenden Wunsch nach dem GROSZEN Format und der anderen Schrift. Und in dem Moment, da ich hier zu schreiben beginnen, bin ich schon unzufrieden. Mit der FORM dessen, was hier aufs Papier kommt. Denn oft kann ich mit dem Inhalt (noch) nicht unzufrieden sein, es ist ja noch kein Inhalt da. Und wenn meine Schreiblust – wie so oft – wegen des nicht gefallenden Aussehens (Papierformat, Schrift, Schriftfarbe) weiter nachläßt, dann werde ich auch schnell wieder … Aber nein, heute mag ich nicht aufgeben, nicht an der von mir gewählten Form scheitern. Meine Wahl sollte auch meinen Sinnen und meinem Herzen gleichermaßen erträglich, willkommen sein. Denn … Denn wenn ich das nicht zuwegebringe, wäre es wohl schon längst oder bald vorbei mit meiner Schreiberei.
DISZIPLIN also. Disziplin und Durch- und Aushaltevermögen gegen mich selbst – oder für mich selbst? – oder UND für mich selbst? Disziplin und Durch- und Aushaltevermögen für mich selbst und mir selbst gegenüber kann ich damit üben, daß ich mich vom Mißfallen der Form nicht ablenken lasse und am Inhalt unbeirrt weiterschreibe. Am Inhalt, also am Inhalt meines Denkapparartes. Aber tu ich meinem Denken nicht unrecht, wenn ich es als einen Apparat ansehe? Ist Denken nicht mehr, freier vor allem als ein Apparat? OOOH! NEIN. Ich weigere mich, jetzt von der Kaldde mich zu lösen und nach der Natur, nach der Definition von Apparat zu suchen. Was ich – hoffentlich korrekt – erinnere, ist die Konstruiertheit eines Apparates, die grundsätzliche bewußte Menschgemachtheit (und in manchen Wissenschaftsgebieten die strikte Zweckgebundenheit eines Apparates). Trifft das auch auf mein Denken zu, ist das tatsächlich BEWUSZT menschgemacht? Also: Wurde mein Denken von den Menschen gemacht, die mich in dieser oder jener Weise erzogen und (aus-)gebildet haben? Oder habe ich mein Denken alleine gemacht? Ich weiß, es gab schon solche “Versuche”, in denen Kinder isoliert, ohne Menschenkontakt, aufwachsen mußten. Entwickelten diese Denken und Sprache – oder dachten sie, hatten aber keine Möglichkeit, keine Fähigkeiten, ihre Gedanken auszudrücken? Hatten sie ein Denken?
Mein Denken mir als Apparat vorzustellen fällt mir schwer. Ich will nicht glauben, daß mein Denken, das, wovon ich denke, was mich ausmacht, von anderen Menschen und von mir “künstlich” geschaffen ist, ein Konstrukt ist. Denn ich denke (oh ja, da steckt mögliche Widersprüchlichkeit drin) und bin mir sicher, daß mein Denken auch einen großen Teil (den größeren!) “Gewachsenes” ausmacht. Vielleicht wie die nicht von den Menschen in ein Gewächshaus gesäten “Beikräuter”. Und ich, ich hoffe, daß ich in meinem Leben niemals so versessen und geschickt beim Jäten war, daß in meinem Denken kein Wildwuchs hätte entstehen können.
Diesen nichtkonstruierten Teil, diesen Wildwuchs meines Denkens mache ich zumindest für einen Teil dessen verantwortlich, was da aus meinem Kopf herauskommt und dann auf Papier oder in Dateien gelangt. Diese Vorstellung kommt auch daher, daß die wild wachsenden Pflanzen so wunderbar anzusehende und riechende Blüten und Blätter (weil aus der Eintönigkeit herausragende) treiben. Wenn ich mir dann erlaube, bei dem Bild eines Gewächshauses für mein Denken zu bleiben. Was ich hiermit getan habe. Und damit, nun also übertrage ich dieses Bild auch auf das Denken anderer Menschen (aller?). In einem wachsen Gemüse, in einem Blumen, in einem werden nur Setzling gezogen; hier wachsen Sukkulenten, dort Sumpfpflanzen. Diese Gewächshäuser produzieren Nützliches und Verwertbares, jene “nur” Schönheit. Und wenn nicht zu heftig auf den erwünschten Ertrag hingejätet wird, so gibt es irgendwann in allen verschiedenen Gewächshäusern ein klein wenig Wildwuchs, zunächst kaum feststellbare Mutationen – generell vollständige Anpassung aller Pflanzen an das zugehörige Gewächshaus halte ich allerdings für nicht besonders wünschenswert. Wie beim Denken auch: Das darf nicht nur der herrschenden Meinung folgen, da MUSZ Querdenken, Neudenken dabeisein.
In einem (perfekten) Apparat gibt es keine Abweichungen vom durch die Konstruktion vorherbestimmten Ablauf. Deshalb hoffe ich, daß mein Denken nicht nur ein Apparat ist.
So heruntergeschrieben in der vergangenen Nacht in dreißig Minuten (Handschrift in einer Kladde liniert DIN A4, GROSZSCHREIBUNGEN wie im Manuskript). Am Stück (und nur an einer einzigen Stelle habe ich hier einen einzigen Buchstabendreher korrigiert). Und daß mein Wissen um den Apparat nicht ganz richtig war: Nun, das tut meinem Denken darüber keinen Abbruch.
Gut, da waren böse, böse Tipfehler, die ich beim Korrekturlesen übersah.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 26.11.2019 waren positiv zwei erledigte Termine, zwölf gefundene Bücher, Mut zum Zeigen.
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Kelche.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Aber nicht korrigiert hier reingesetzt? 🤔
Das „i“ in der Überschrift hab ich hier erst vergessen. Und bis auf einen einzigen Buchstabendreher habe ich nichts verändert.
Schau mal im 4. Abschnitt, direkt der erste Satz: Mein Denken mir als Apparat…
Oh, das sind böse, böse Tipfehler … *schamesrot*
Alles gut, so etwas springt mir immer direkt ins Gesicht.
(Ich hab das so oft falsch geschrieben, daß die Rechtschriebkorrektur von Quanta das nicht mehr sieht. Es ist peinlich, sowas muß doch auffallen beim Korrekturlesen spätestens …
Manchmal hat man selbst ein Brett vor dem Kopf. sz hast du aber bewusst geschrieben, oder?
Ja, mach ich bei Majuskeln immer so, weil es ja (in den meisten Fonts) kein großes ß gibt und ich auf dem Papier zwischen MASSE und MASZE unterscheiden möchte. War füher in der DDR bspw. im TELEX auch üblich.
Sieht für mich ungewöhnlich aus, weil ich es so nicht kenne.
Das war sogar noch zu nntp:// -Zeiten (Newsgroups) üblich, also bis 96/97
Und: Vielen Dank für den Hinweis!
Gerne Emil.
Wo findet man zwölf Bücher?
Hier in der Stadt auf dem Weg zur AOK auf vier Erdgeschoß-Fensterstöcken eines Hauses und in einer Bananenkiste am Boden davor. Ich hab mir von den vielleicht 100 bis 120 Büchern (plus einige VHS-Kassetten) nur die zwölf rausgesucht, die mich reizten.
Hier in der Stadt gibt es solche Aktionen immer wieder: Da stehen Bücher auf Fensterstöcken und Mauersimsen, in Kisten und Kartons. Sehr oft ist ein Schild dabei: Zu vesrchenken. Oder: Zu Mitnehmen.
Ich hab Fotos gemacht: https://twitter.com/der_emil/status/1199361168483266560
Kleine Nebenbeifrage: Warum ist das mit dem GROSZEN Format so merkwürdig geschrieben?
Das ist in der Handschrift schon so, eine Angewohnheit, bei Großbuchstaben zwischen ß und ss zu unterscheiden.
Aha! DANKE