Nº 313 (2019): Verzählt

Das ist bei mir heute wichtiger als ein 30 Jahre altes Erleben.

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Ja. Heute vor 30 Jahren war ich 26 Jahre alt, aus der SED ausgetreten und “auf eigenen Wunsch” exmatrikuliert, hatte ein paar Wochen lang Geld von der Abteilung Inneres beim Rat der Stadt erhalten und schließlich als Hausmeister und Heizer einer Schule eine Anstellung bei einem Rat des Kreises erhalten. Am 9. November saß ich abends vorm Fersehgerät und konnte kaum glauben, was da geschah. Ich weiß aber eines noch sehr genau: Mir wurde schlagartig klar, daß jetzt die Chance auf eine Umgestaltung der DDR verloren war: “Jetzt wird die DDR verkauft; das Vorhaben, dieses Land zu reformieren, wird vom Westen verhindert werden.” Ich war jemand von denen, die trotz Westverwandtschaft das Land verändern wollten, die nicht einfach nur wegwerfen wollten, was wir (ja, wirklich) in all den Jahren geschafft hatten. Tatsächlich war ich mindestens zum Teil enttäuscht von dieser Entwicklung. Und dann war ich auch nicht gleich am Freitag oder Sonnabend im Westen …

 

Vorhin eben fiel mir auf, daß ich zum wiederholten Male und aus keinem mir erfindlichen Grunde mich in der Zählung vertan habe. Es steht ja immer mit im Beitragstitel, der wievielte Beitrag es in diesem Jahr schon ist und also auch der wievielte Tag des Jahres ist. Die letzten sechs Beiträge liegen aber schon längst außerhalb des Jahres: 383, 384, 385, 386, 387 und 388 kann es einfach nicht geben, denn ich habe täglich nur einen Beitrag verfaßt. Wo war ich da nur in Gedanken? Der Sprung … Ach ich sehe es gerade: Die Allzeitzählung ist daran Schuld. Der 306. Beitrag dieses Jahres war mein hier im Blog insgesamt 3282. veröffentlichter; am nächsten Tag habe ich einfach vom 3283. auf den 383. geschlossen statt korrekt den 307. anzugeben. Was für ein Fauxpas! In den nächsten Tagen werde ich das nach und nach korrigieren, wenigstens in den Bereichen, die angezeigt werden, die Links werde ich wohl nicht anfassen. Aber mit dem Kopf schüttele ich weiterhin, wegen meiner Unachtsamkeit. Von solchen Vorfällen werden es nämlich immer mehr …

Nun, es heißt für mich also, immer noch einmal mehr nachzusehen, ehe ich auf den “Veröffentlichen”-Knopf drücke. Im Kommentar-Bereich eines andern Blogs hab ich es auch schon gelernt, dreimal zu überprüfen, ob alles richtig ist. Ich hoffe nur, daß das nicht zum Dauerzustand wird und/oder sich noch rapide verschlechtert. Allerdings glaube ich das nicht. Will ich das nicht glauben. Es wäre mir einfach ein wenig zu früh.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 09.11.2019 waren positiv das Training der Ritterschaft, leckere Nudeln nach alter DDR-Küchen-Art, der Erzgebirgs-Krimi (jedenfalls gefällt er mir bis jetzt ganz gut, und ich kenn die Gegend).
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Antworten zu Nº 313 (2019): Verzählt

  1. Frau Momo sagt:

    Ich habe die Wiedervereinigung auch für falsch gehalten, jedenfalls so, wie sie passiert ist. Viel zu schnell und viel zu einseitig wurde alles aus dem Westen über den Osten gekippt, ohne sich die Zeit zu nehmen, überhaupt mal zu gucken, was man vielleicht auch aus dem Osten übernehmen könne, was dort besser war als hier bei uns. Ich fand es eher eine Annektion als eine Wiedervereinigung und man hat die Menschen dabei nicht mitgenommen. Das rächt sich heute bitter und es ist leider zu spät, wenn doch inzwischen manchem diese Erkenntnis kommt.

    • Der Emil sagt:

      Danke dafür.

      Nun, es gab bis dato nichts Vergleichbares. Und wenn etwas zum ersten Mal gemacht wird, dann dürfen Fehler passieren. Der Umgang damit … der hätte gern anders gestaltet werden können.

      Allein, es ist vergebliche Liebesmüh, mich darüber zu echauffieren. Denn manche Einsichten scheinen unmöglich und auf alle Fälle unerwünscht. Bei mir hat sich diesbezüglich ein wenig Resignation (Hoffnungslosigkeit gar?) breitgemacht.

  2. Sofasophia sagt:

    Pssst, dank deines 300. Beitrages hat Irgendlink gemerkt, dass er sich bei den Dailies im Shop vertan haben muss. Irgendwo im
    März oder April …
    Es lebe das Fehlermachendürfen!

  3. Gudrun sagt:

    Sofasophia hat es so gut ausgedrückt: „Es lebe das Fehlermachendürfen.“ Ja. In jeder Hinsicht.
    Den Tag gestern habe ich mit allem Möglichen verbracht, bloß nicht mit Gedanken an die deutsche Einheit. „Gib dem Volk Brot und Spiele“, das wusste man schon im alten Rom. Mich stört nicht, dass es die „Einheit“ gibt. Mich stört das Wie.

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