Sich verkleinern für die Freiheit.
To get a Google translation use this link.
Zwischen den Schrebergärten und dem Haus des Nachbarn ist eine Wiese, fußballfeldgroß, abschüssig und ziemlich wild. Ab und zu weiden Schafe darauf. Im unteren Teil steht ein Gebäude aus den typisch grauen DDR-Hohlblocksteinen gemauert. Es ist klein, etwa acht mal vier Meter Grundflääche, das Dach sieht auch im seit zehn Jahren dauernden Rohbauzustand ausgebaut aus mit seinen beiden dreieckigen Fenstern an den Giebeln. Auch unten hat das Häuschen nur eine Tür und zwei normale sowie ein kleines Fenster. Strom und Wasseranschluß sind da, aber es steht seit zehn Jahren (und noch länger, aber ich kenne es erst seit diesen zehn Jahren) auf dieser Wiese und es steht leer. Wüßte ich, wen ich fragen kann, könnte ich mir vorstellen, den Rohbau zu verputzen, innen alles fertigzumachen und dann dort zu wohnen in diesem wirklich kleinen Haus.
Brauche ich denn mehr Fläche für mich, meinen PC und meine Bücher? Nein, aber einen Kühlschrank und einen Herd und eine Waschmaschine, vielleicht ein Radio … Internet ist ja heutzutage überall da verfügbar, wo auch mein Mobiltelefon funktioniert. Und im Schrebergarten daneben funktioniert es ja. Ich hätte einen Nachbarn zur einen Längsseite der Wiese, oben Wald, sechs Schrebergärten an der anderen Längsseite der Wiese und unten den Schotterweg, der tatsächlich eine Straße ist und auch Straße heißt. Aber alles, das ich brauche, muß ich den Weg hinaufschaffen, von der Stadt unten über steile Wege und Straßen bis dort hinauf, 200 m höher und knapp 2500 m vom nächsten Laden weg. Lohnt sich das, in so ein abgelegenes Häuschen zu ziehen, beinahe eremitisch zu hausen und fast minimalistisch?
Ja, manchmal bin ich ein Eigenbrötler, denke ich von mir (wobei das ja früher nur die waren, die eben ihr eigenes Brot buken, alleine, nicht in der Dorfgemeinschaft. Aber bin ich auch ein Einsiedler? Ein Sonderling, der so beengt leben kann und möchte?
Ich muß zunächst einmal herausfinden, wem das alles gehört und ob ich es mieten kann.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 20.08.2019 waren positiv ein funktionierendes Telefon, leckere Nudelsoße, ein paar ehrliche Worte.
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Schwerter.
© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Für mich ist das was du beschreibst: ein Traumhaus. Ich habe solch eine Sehnsucht den ganzen Ballast abzuwerfen und in einer kleinen Hütte zu leben. Mein sohn denkt darüber nach mir eine zu bauen:))))
So Gedanken kenn ich auch. Immer die Frage: Was brauche ich wirklich?
(Danke für die Inspiration.)
Schöner Freudscher Vertippser:
… und dann dort zu wohnen in diesem wirklich k_einen (!) Haus.
(darfst du löschen)
Liebe Grüße, Anna
Oh, danke (und gleich noch ein zweiter …) – ich les zuoft Korrektur …
Ich stelll mir das gut vor. Und die Schlepperei? Man überlegt besser und stellt fest, dass vieles auch gar nicht nötig ist. Auch würde dir bestimmt noch was einfallen, ein Bollerwagen an einer Seilwinde, oder so.
Im Hof des Altenburger Schlosses steht ein Turm. Ganz oben wohnte der Türmer, in der Etage drunter sein Esel. Es gibt keine Treppen da hinauf, nur eine Schräge. Der Türmer ist mit seinem Esel hinaufgeritten.
Kartoffeln müsstest du gar nicht schleppen, weil die gleich hinter dem Haus wachsen. Hach, weißt du, was für ein schönes, großes Wohnzimmer draußen hättst?
Nee, ich höre jetzt mal lieber auf zu spinnen.
Pingback: Nº 233 (2019): Die Realität | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen
Viel braucht „man“ nicht und doch braucht man den Anschluss an die Welt?!
Aaaaber was jetzt als Mühsal klingt, kann bald ein Leichtes werden, wenn …
herzlichst, Ulli